Zum dritten Mal nach 1979 und 1983 hat das Australische Nationale Komitee (Standards Australia) die IEC-Generalversammlung ausgerichtet. Vom 24. bis zum 28. Oktober fand im Melbourne Convention & Exhibition International Centre das Treffen der weltweiten Normungsexperten statt. Über 1.300 Delegierte sowie 200 Gäste aus über 60 Ländern versammelten sich in „down under". Herausragende Themen beim Treffen der Normungsexperten waren die Energieeffizienz und die Integration der Erneuerbaren Energien.
Deutschland und China haben einen Vorschlag zum Bereich Höchstspannung (UHV) eingebracht, der unter anderem beim Transport von Offshore-Windenergie eine wichtige Rolle spielen könnte. Eine neue Strategie Gruppe soll die vielfältigen Aktivitäten im Bereich Elektromobilität in enger Zusammenarbeit mit der CEN-CENELEC E-Mobility Koordinierungsgruppe und der Strategie Gruppe „Smart Grid“ harmonisieren. In den Themengebieten „Messen, Steuern und Automatisieren von industriellen Prozessen“, „Fibre Optics“ sowie „Elektromechanische Komponenten und mechanische Strukturen für Elektronikequipment“ gibt es derzeit das größte Interesse an der technischen Normungsarbeit.
Die Konferenz in Melbourne war in doppelter Hinsicht bemerkenswert: Zum einen handelte es sich um die 75. Generalversammlung in der langen Geschichte der IEC seit 1906. Zum anderen war es die erste IEC-Generalversammlung, die vom neuen IEC-Präsidenten Dr. Klaus Wucherer geleitet wurde. „Nachdem wir in der Vorgängerkonferenz in Seattle erfolgreich das Programm für Berufseinsteiger aus der Taufe gehoben haben, haben wir in Melbourne erneut junge Ingenieure und Manager in das Gebiet der internationalen Normung und Standardisierung eingeführt und sie dafür beigeistert“, erklärt Wucherer zum IEC-Youngnet-Programm.
Die inhaltliche Normungsarbeit wird in den Technischen Komitees und Unterkomitees geleistet, von denen rund 50 Komitees ebenfalls in Melbourne getagt haben. Das Deutsche Nationale Komitee nimmt im Management der wichtigen Technischen Komitees und Unterkomitees weiterhin eine Spitzenstellung ein. So stellte die DKE 2011 insgesamt 35 Vorsitzende und liegt damit noch vor den USA, Großbritannien und Frankreich. Zudem wurde China vom IEC Council als Gruppe-A-Mitglied anerkannt und damit in den Kreis der nun sechs wichtigsten Nationen aufgenommen, die wie Deutschland einen ständigen Sitz im Managementausschuss für Normung (SMB) haben. Gastgeberland für die 76. Generalversammlung im Oktober 2012 ist Norwegen. Für das Jahr 2016 hat Deutschland eine Einladung ausgesprochen.
Ein zentrales Thema auf der 75. Generalversammlung der IEC in Melbourne war der IEC Masterplan 2011. Die Versammlung hat diese „Roadmap“ zur weiteren Entwicklung der IEC in der endgültigen Fassung bestätigt. Mit dem Plan soll die IEC als global führende Plattform für Normen und Standards im Bereich Elektrotechnik, Elektronik und verwandten Technologien etabliert werden. Durch dieses Instrument soll die IEC-Führungsrolle in aufstrebenden Märkten und Technologien gestärkt werden und die Zusammenarbeit mit Konsortien ausgebaut und gefördert werden, damit diese die IEC-Plattform für ihre Bedürfnisse im schnellen Technologiewandel nutzen. Auch der Austausch mit Führungskräften aus Politik und Verwaltung wird weiter vorangebracht. Die Arbeit der IEC soll künftig mehr auf Behörden, Regierungen und Endverbraucher ausgerichtet werden.
Die deutsche Delegation hat die Generalversammlung in Melbourne genutzt, um neben den IEC-Sitzungen intensive bilaterale Gespräche mit verschiedenen anderen Nationen und Organisationen zu führen. Dazu zählt auch die erst 2008 gegründete African Electrotechnical Standardization Commission (AFSEC). Bei dieser Zusammenkunft ging es um die unterstützende Zusammenarbeit in Aus- und Weiterbildung im Bereich Normung und Standardisierung, in dem Deutschland Hilfestellung leisten kann. Auch mit Brasilien soll die Kooperation intensiviert werden, durch eine für 2012 geplante internationale Konferenz mit deutscher Teilnahme zu den Themen erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Smart Grid. Mit einer hochrangig besetzten Gesprächsrunde aus China, darunter das neue Mitglied des IEC-Council Board Jun Xie, wurde unter anderem über die Gründung eines Technischen Komitees zum Thema High Voltage AC gesprochen. Ein Kooperationsabkommen mit Saudi-Arabien wurde unterzeichnet und damit die guten Verbindungen zwischen Deutschland und Saudi-Arabien gefestigt. Weitere Gespräche fanden mit den Vertretern Israels, Japans, Koreas, Mexikos, Russlands und der USA statt.

IEC Council DE-Delegation (v.l.n.r.): Haimo Huhle (ZVEI), Michael Teigeler (Leiter Bereich Internationale Zusammenarbeit der DKE), Wolfgang Hofheinz (Vorsitzender der DKE), Roland Bent (Präsident des dt. Komitees der IEC), Dr. Bernhard Thies (Sprecher der Geschäftsführung der DKE) und Dr. Gerhard Dreger (Geschäftsführer der DKE).