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Mitteilungen der DKE-Geschäftsstelle 

DKE-Tagung 2009 - Die Kunst der Normung 

 IMPULSE FÜR MORGEN Normung & Standardisierung

05.05.2009 

 

Hinweise:
Den Intro-Film zur Eröffnung der DKE-Tagung 2009 können Sie hier in den Formaten
WMV oder MOV anschauen.
Die Bildergalerie zur DKE-Tagung 2009 finden Sie hier.

Die Anforderungen in unserer globalen Welt wachsen rasant, Prozesse und Kommunikationsstrukturen werden immer komplexer und deren Entwicklungszyklen dabei immer kürzer – Normung und Standardisierung müssen sich dazu rechtzeitig und eindeutig positionieren und die notwendigen Impulse für morgen geben.

Im Kontext dieser Herausforderung hat die DKE  Deutsche Kommission Elektrotechnik Informationstechnik und Elektronik im DIN und VDE am 28. April 2009 den Fokus der diesjährigen DKE-Tagung auf einen Themenkomplex gelegt, der hohe Interdisziplinarität und umfassende integrierte Produkt- und Systemlösungen erfordert: Aufgaben und Verantwortung der Normung und Standardisierung bei der Lösung der drängenden Fragen vor dem Hintergrund des demographischen Wandel in der Gesellschaft.

Rund 300 deutsche Experten der elektrotechnischen Normung und Vertreter der befreundeten Normungsorganisationen aus Österreich und Polen folgten der Einladung der DKE zur Tagung unter dem Leitthema „IMPULSE FÜR MORGEN – Normung und Standardisierung“ ins Sheraton Offenbach Hotel – am Büsing Palais.

 

Grußwort
Horst Schneider, Oberbürgermeister der Stadt Offenbach am Main

In seinem einleitenden Grußwort stellte Herr Schneider, Oberbürgermeister der Stadt Offenbach am Main, die Aktualität der auf der Tagung vorgesehenen Vorträge für die kommunale Politik heraus. Die soziale und demographische Struktur in der jeweiligen Region stellen entsprechende Anforderungen an die Entwicklung der kommunalen Infrastruktur.

Dass die DKE-Tagung 2009 wieder in Offenbach stattfinde, zeige die enge Verbindung des VDE zur Stadt Offenbach, in der auch das VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut seinen Sitz hat.

    

 

DKE. Wir aktivieren Potenziale
Professor Dr. Hartwig Steusloff, stellvertretender Vorsitzender der DKE, Fraunhofer Institut für Informations- und Datenverarbeitung

Der stellvertretende Vorsitzende der DKE, Professor Steusloff, übermittelte in seiner Begrüßung die besten Wünsche des Vorsitzenden der DKE, Dietmar Harting, der bedauere, dass er wegen eines wichtigen Termins in seiner Aufgabe als CENELEC-Präsident nicht an der Tagung teilnehmen kann. Professor Steusloff begrüßte besonders die Generaldirektorin des CENELEC, Frau Elena Santiago, als Vortragende und Vertreter der befreundeten Normungsorganisationen ÖVE aus Österreich und PKN aus Polen als Tagungsteilnehmer.

In seinem einführenden Beitrag stellte Professor Steusloff heraus, dass es gerade in Umbruchzeiten wichtig sei, aktivierbare Potenziale zu ermitteln, die dazu beitragen können, aus wirtschaftlich schwierigen Zeiten gestärkt hervorzugehen. Die Normung ist ein Instrument, dass – auf die Technik im Rahmen der Initiativen für Ambient Assisted Living (AAL) angewandt – entscheidend zur Markteinführung neuer technischer Systeme beitragen könne. Welche positive wirtschaftliche Wirkung Normung und Standardisierung für den Standort Deutschland und Europa entfalten kann, haben in der jüngsten Vergangenheit die Standards für MP3 und die Laser-Normung deutlich gezeigt.    

Normen sind aber auch eine hervorragende Wissensquelle, deren Bedeutung gerade in der Forschung und Entwicklung nicht unterschätzt werden darf. Die vom DIN entwickelten Werkzeuge helfen bei der Recherche nach weltweit bereits vorhandenem Wissen zu vielen Problemstellungen. Daher sollte Normung frühzeitig im Entwicklungsprozess von Produkten und Technologien als Instrument der Innovationsförderung eingesetzt werden.

Auch im Namen von Herrn Harting dankte Professor Steusloff den vielen deutschen Experten, die ihr Wissen in die elektrotechnische Normungsarbeit einbringen und engagiert die Interessen der deutschen Wirtschaft in den europäischen und internationalen Organisationen vertreten.

>> Eröffnungsrede Herr Prof. Steusloff

 

Ambient Assisted Living (AAL) – Auswirkungen auf Krankenhaus und Pflege
Holger Strehlau, HSK Rhein-Main GmbH

 

 Herr Strehlau, Geschäftsführer der HSK Rhein-Main GmbH und mehrerer Krankenhäuser sowie Präsident der hessischen Krankenhausgesellschaft stellte aus der Praxis der Betreiber von Krankenhäusern Szenarien für die zukünftige Krankenversorgung vor. Um eine optimale und zugleich Kosten sparende Betreuung sicherzustellen, muss die Versorgung der Patienten zukünftig vermehrt durch Nutzung von technischen Möglichkeiten aus der gewohnten Umgebung heraus so gesteuert werden, dass eine umfassenden Betreuung der Patienten gewährleistet werden kann. Dabei sollten insbesondere postoperative Beobachtung und Nachsorge in der üblichen Wohnumgebung durchgeführt werden. Ambient Assisted Living bietet hier Potenziale, die es einer gezielten Nutzung zuzuführen gilt. Um in Zukunft über den kostenintensiven stationären Bereich hinaus die umfassende Betreuung der Patienten sicherzustellen, sind die AAL-Techniken unabdingbare Voraussetzungen.

>> Präsentation Herr Strehlau

    

 

Assistenzsysteme – Voraussetzungen und Handlungsbedarf
Dr. Heidrun Mollenkopf, BAGSO Expertenrat

Frau Dr. Mollenkopf zeigte in ihrem Beitrag insbesondere unter ethischen Aspekten auf, wie Technik gerade älteren Menschen helfen kann, welche Chancen die Technik bietet und welche Hindernisse überwunden werden müssen, um die vielfältigen technischen Möglichkeiten einem möglichst breiten Kreis von Nutzern zugänglich zu machen. Nicht nur die demographische Entwicklung der letzten 100 Jahre sondern auch Veränderungen sowohl im Verlauf des Alterns als auch in den anzutreffenden Haushalts- und Familienstrukturen führen zu einem wachsenden Bedarf an technischer Unterstützung. Diese dient einerseits dem Ausgleich einer bestehenden Beeinträchtigung und kann bei der Pflege gut unterstützen. Auf der anderen Seite bietet der Einsatz technischer Systeme auch zusätzliche Anwendungen, die genutzt werden können, sofern eine einfache Bedienbarkeit sichergestellt wird.      

Von entscheidender Bedeutung für die Anwendung technischer Möglichkeiten im Alter ist die individuell ausgeprägte Akzeptanz der Systeme. Einfache Handhabung, gute Kompatibilität und Modularität der Systeme sind wichtige Faktoren der Akzeptanz, die sich durch Normung unterstützen lassen. Das entscheidende Kriterium der Akzeptanz der technischen Systeme sei jedoch, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und Ausgangspunkt für die Auswahl der Technik sei.

>> Präsentation Frau Dr. Mollenkopf

 

Barrierefreiheit – Normung und Standardisierung für Menschen
Klaus-Peter Wegge, Siemens AG

 Herr Wegge vom SIEMENS-Accessibility-Competence-Center führte aus, welch entscheidende Bedeutung dem Design von Produkten zukommt, die für die Nutzung durch Personen gedacht sind, die nicht dem üblicherweise bei der Normung herangezogenen Kriterien entsprechen - also Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen oder auch Kinder. Die barrierefreie Gestaltung von AAL-Systemen ist sowohl für die Einsetzbarkeit als auch für die Akzeptanz durch den betroffenen Personenkreis unabdingbare Voraussetzung. Barrierefreiheit sei daher ein Qualitätsmerkmal höherwertiger Dienste und Produkte.    

Design-Standards helfen den Herstellern bereits derzeit bei der Produktgestaltung nicht nur für die Sicherheit oder Bedienbarkeit, sondern auch bei der Barrierefreiheit. Um wirksame Fortschritte zu erzielen, muss die Normung und Standardisierung international ausgerichtet sein. Im Rahmen der Mandatierung von Normen durch die EU entstehen derzeit sowohl produkt- als auch sektorspezifische Standards, die einen barrierefreien Umgang mit Produkten sicherstellen werden.

>> Präsentation Herr Wegge

 

Aktuelle Themen bei IEC und CENELEC
Michael Teigeler, DKE

 Am Beispiel „Smart Grid“ zeigte Herr Teigeler auf, welche Herausforderungen und Netzwerke in der elektrotechnischen Normungsarbeit bei komplexen Themen bestehen. Die Komplexität des Themas „Smart Grid“ wurde verdeutlicht durch die diversen Komponenten und Sektoren, die es zu berücksichtigen gilt: von der Energieerzeugung (in Kraftwerken, dezentralen Erzeugern, wie Photovoltaik oder Windenergie, in der Industrie oder durch Brennstoffzellen) über die Verteilung und eventuelle Zwischenspeicherung bis hin zum Verbrauch in Heim, Büro und Industrie oder der Anwendung z. B. in energieeffizienten Rechenzentren oder dem Gesundheitswesen.    

Die zu berücksichtigenden Aktivitäten hierfür werden auf den unterschiedlichsten Ebenen durchgeführt: auf politischer Ebene wie bei der Mandatserteilung durch die EU, in den Normungsorganisationen sowohl in strategischen Arbeitsgruppen als auch in den unterschiedlichen betroffenen technischen Gremien der IEC, des CENELEC oder ETSI genauso wie in der DKE; daneben gilt es aber auch die Aktivitäten in den Arbeitsgruppen der VDE-Fachgesellschaften, dem Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN) oder in anderen Verbänden wie dem VDMA zu berücksichtigen und miteinander zu koordinieren.

>> Präsentation Herr Teigeler

 

Verleihung der DKE-Nadel 2009
Professor Dr. Hartwig Steusloff, stellvertretender Vorsitzender der DKE, Fraunhofer Institut für Informations- und Datenverarbeitung

Siehe hierzu: Ehrung Technischer Experten für die besonders aktive und engagierte Mitarbeit in der elektrotechnischen Normung

 

Smart Home mit intelligenten Assistenten
Matthias Brucke, OFFIS Institut für Informatik

Seine eigenen Erfahrungen als Bewohner eines „Smart Home“ stellt Herr Brucke in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Er beschrieb die besonderen Anforderungen an die Installation der Systeme, bei der man möglichst weit verbreitete Standards anwenden sollte, und zeigte die Möglichkeiten zur Integration der Dienste und Systeme auf. Die Einsparung von Energie bei vergleichsweise geringen Mehrkosten für die Installation geben derzeit wohl den größten Anreiz für den Aufbau der Smart-Home-Technologie.

Zukünftige Anwendungen reichen vom weiteren Ausbau der energieeffizienter Lösungen durch die Steuerung von Verbrauchsgeräten im Haushalt mittels Smart-Metering und Smart Grid, über den Einsatz technischer Systeme für die medizinische Versorgung oder zum Ambient Assisted Living bis hin zu vernetzten Unterhaltungs- und Kommunikationssystemen. Besondere Beachtung sollte insbesondere bei Systemen zur medizinischen Versorgung oder im Bereich des AAL der Akzeptanz und Sicherheit der Systeme geschenkt werden: der Nutzer solle im Mittelpunkt der zu installierenden Systeme stehen, denn nicht alles, was technisch möglich ist, finde auch die Akzeptanz der die Systeme nutzenden Personen.    

Für die Normung und Standardisierung stellte Herr Brucke den Bedarf an standardisierten Protokollen und Schnittstellen, die Sicherstellung der Interoperabilität und mögliche Systemintegration mittels Normen sowie geeignete Mensch-Maschine-Schnittstellen als Aufgaben heraus.

>> Präsentation Herr Brucke

 

Europäische Normung – Strategie für die Zukunft
Elena Santiago, CENELEC

 Die Generaldirektorin des Europäischen Komitees für Elektrotechnische Normung (CENELEC), Frau Santiago, zeigte in ihrem Vortrag das Potenzial des CENELEC im Verbund der drei Europäischen Normungsorganisationen für die erfolgreiche Gestaltung der Zukunft auf. An Hand der CENELEC-Strategie erläuterte sie, wie die europäische Normung die Ziele der Europäischen Kommission unterstützt, die EU zum weltweit führenden Wirtschafts- und Technologiestandort werden zu lassen. In diesem Zusammenhang warnte sie vor dem Aufkeimen protektionistischer Bestrebungen in der EU in Folge der derzeitigen globalen Wirtschaftskrise.    

Die elektrotechnische Normung in Europa unterstützt die Zielstellungen europäischer Politik insbesondere durch die Förderung des freizügigen weltweiten Handels, die effiziente und Ressourcen schonende Nutzung der Energie sowie die Sicherung einer möglichst sauberen Mobilität der Bürger. Die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) im Rahmen des „Small Business Act“ der EU berücksichtigen CENELEC und CEN in Abstimmung mit NORMAPME, der europäischen Organisation der KMU.

>> Präsentation Frau Santiago

 

Podiumsdiskussion: „IMPULSE FÜR MORGEN – Normung & Standardisierung“
Moderation: Christiane Stein, n-tv

An der Podiumsdiskussion, die von Frau Stein moderiert wurde, nahmen teil:
  • Matthias Brucke, OFFIS Institut für Informatik
  • Dr. Heidrun Mollenkopf, BAGSO Expertenrat
  • Elena Santiago, CENELEC
  • Professor Dr. Hartwig Steusloff, Fraunhofer Institut für Informations- und Datenverarbeitung
  • Dr. Bernhard Thies, DKE
  • Klaus-Peter Wegge, Siemens AG
   

Aus der Diskussion sind folgende Aussagen hervorzuheben:

AAL ist für Alle – nicht nur für Personen mit besonderem Bedarf an Unterstützung – eine Dienstleistung durch Technik zur Vereinfachung des Lebens in angenehmer Umgebung.

Die Nutzer von AAL-Systemen, ob jung oder alt, müssen mit ihren Gewohnheiten und ihrer Individualität in die Systemgestaltung eingebunden werden. Nicht die Informatiker und technischen Entwickler geben die Systemanforderungen vor, sondern die jeweiligen Anwender, deren Bedürfnisse individuell zu ermitteln sind.

Unterstützende Technik darf nicht zu einer Stigmatisierung der Nutzer führen, da Stigmatisierung zu Akzeptanzproblemen führen kann. Gezielte Marketing- und Promotion-Aktivitäten können die Marktakzeptanz von AAL-Systemen stützen.

Bei der Einführung innovativer technischer Systeme, wie AAL, bedarf es Normen und Standards, um die Interoperabilität und Kompatibilität der Systeme und Produkte sicherzustellen. Normung und Standardisierung sind zudem ein geeignetes Mittel, alle interessierten Marktteilnehmer zu aktivieren, von den Herstellern und Handwerkern über den Handel bis hin zu den Dienstleistern.

 

DKE-Tagung 2009 – die Ergebnisse
Professor Dr. Hartwig Steusloff, stellvertretender Vorsitzender der DKE, Fraunhofer Institut für Informations- und Datenverarbeitung

Zum Abschluss der DKE-Tagung 2009 dankte Professor Steusloff allen Rednern für die sehr interessanten und aufschlussreichen Beiträge und führte aus, dass intelligente und komplexe Systeme, wie sie für die AAL-Anwendungen benötigt werden, eine große Chance für die deutsche und europäische Volkswirtschaft darstellen. Die Politik unterstützt solche Entwicklungen mit diversen Maßnahmen und Förderprogrammen.

Im Fokus der Arbeit der Normungsorganisationen müssen dabei die Methoden und die Schnittstellen zur Konvergenz der Systeme und Interoperabilität der Produkte stehen; einzelne Anwendungen erfordern eine detaillierte Analyse der Nutzerbedürfnisse, die individuell sehr unterschiedlich sein können. Der Zeitpunk des Aufbruchs hin zu konvergenten Systemen und Technologien ist günstig und sollte genutzt werden. Dabei muss sich auch die Normung und Standardisierung weiterentwickeln.

Der abschließende Dank von Professor Steusloff galt den an der Vorbereitung und Organisation beteiligten Mitarbeitern und dem interessierten Auditorium.