Allgemeines
Nach 1982 war das Brasilianische Nationale Komitee zum zweitenmal Gastgeber einer IEC-Generalversammlung: die 72. Generalversammlung der Internationalen Elektrotechnik Kommission fand vom 17. bis 21. November 2008 in São Paulo statt. Im Rahmen dieses Kongresses feierte das brasilianische IEC-Mitglied, das Comitê Brasileiro de Eletricidade, Eletrônica, Iluminação e Telecomunicações (COBEI), sein 100-jähriges Gründungsjubiläum.
Insgesamt tagten 25 Technische Komitees und Unterkomitees sowie 69 Arbeitsgruppen mit 983 Delegierten. Das Deutsche Komitee stellte mit 73 Teilnehmern nach Brasilien (123), Japan (97) und China (92) die viert-stärkste Delegation. Von den 72 Mitgliedsländern der IEC (55 Vollmitglieder und 17 assoziierte Mitglieder) waren 61 auf der IEC-Generalversammlung vertreten. Neben den technischen Gremien tagten alle Lenkungsgremien der IEC (Rat, Ratsausschuss, Exekutivkomitee, Managementausschuss für Normung, Konformitätsbewertungsausschuss und Market Strategy Board).
Nachfolgend werden die wesentlichen Ergebnisse der Beratungen der Lenkungsgremien in der zeitlichen Reihenfolge ihrer Sitzungen abgehandelt. Über die Ergebnisse der Sitzungen der Technischen Komitees und Unterkomitees werden gesonderte Berichte veröffentlicht.

Der Managementausschuss für Normung ist das höchste technische Lenkungsgremium der IEC. Ihm gehören fünfzehn vom Rat gewählte Mitgliedsländer an, wobei Deutschland als eines der fünf so genannten „Gruppe A-Länder“ einen ständigen Sitz innehat. Das SMB tagt jährlich drei mal.
SMB-Strategiegruppe „Energieeffizienz und erneuerbare Energiequellen“
Die Strategiegruppe hat einen ersten Satz von Empfehlungen zu Normungsaktivitäten erarbeitet, die das SMB bestätigt und an die betroffenen Gremien weitergeleitet hat. Zur Schaffung international harmonisierter begrifflicher Grundlagen haben SMB und ISO/TMB die Bildung eines gemeinsamen Projektkomitees beschlossen. Weitere Empfehlungen richten sich an die Gremien für Leistungstransformatoren, Lampen und Leuchten, industrielle Automatisierung, Eisenbahn und andere Transportsysteme mit elektrischem Antrieb. Zur Pufferung der von Windturbinen und Photovoltaikanlagen erzeugten Elektrizität werden dringend hochleistungsfähige stationäre Batterien benötigt, um die Stabilität der Elektrizitätsnetze sicherzustellen.
Intelligente Netze zur Elektrizitätsübertragung und -verteilung
Ausgehend von einer Empfehlung der Strategiegruppe „Energieeffizienz und erneuerbare Energiequellen“ sowie von Präsentationen des Vorsitzenden von TC 8 „System aspects of electrical energy supply“ und des Vice President Technical Services der NEMA beschloss das SMB die Einsetzung einer Strategiegruppe unter US-Führung, die die allgemeinen Rahmenbedingungen für die Konzeption von „Smart Grids“ erarbeiten soll. Im Hinblick auf die technologische Vielfalt der in Betrieb befindlichen Anlagen und Systeme kommt geeigneten Protokollen eine besondere Bedeutung zur Sicherstellung der funktionalen Interoperabilität zu. Als Teilnehmer sind Experten von Herstellern, Energieversorgern, Systemintegratoren sowie Energiedienstleistern vorgesehen.
Automotive Electronics
Der aktuelle Trend in der Automobilbranche zur Entwicklung von Elektrofahrzeugen bzw. Fahrzeugen mit Hybridantrieb stellt neue Herausforderungen an die elektrotechnische Normung der betreffenden Komponenten und Systeme. So wird derzeit sowohl in IEC wie in ISO intensiv an der Normung hochleistungsfähiger Lithium-Ionen-Batterien im Kraftfahrzeug gearbeitet. Anfang November fand hierzu ein Koordinierungsgespräch zwischen Vertretern von IEC/TC 21 und SC 21A mit ISO/TC 22 statt. Das SMB nahm die dabei vereinbarte Arbeitsteilung als einen notwendigen, jedoch nicht hinreichenden ersten Schritt für eine bessere Zusammenarbeit von IEC und ISO zur Kenntnis. Elektrofahrzeuge werden neben ihrem Zweck als Transportmittel in den Szenarien zu Smart Grids auch als wichtige Bestandteile der Netzinfrastrukturen angesehen. Daraus resultieren völlig neue Aspekte für die Normungsarbeit, die sich künftig in einer aktiveren Zusammenarbeit von ISO/TC 22 „Road vehicles“, insbesondere SC 3 „Electrical and electronic equipment“ und SC 21 „Electrically propelled road vehicles“, mit den betreffenden IEC-Gremien niederschlagen müssen. Die aus dem Jahr 1990 stammende Vereinbarung über die Kooperation von IEC und ISO auf dem Gebiet der Kfz-Normung ist auch nach Ansicht des ISO/TMB-Vorsitzenden nicht mehr zeitgemäß.
Ultrahochspannung (UHV)
Die bei der letzten Generalversammlung eingesetzte IEC/CIGRE-Koordinierungsgruppe stellte erste Ergebnisse ihrer Analyse sowie eine Roadmap bezüglich des konkreten UHV-Normungsbedarfes vor.
Im Bereich Gleichspannungsübertragung hatte IEC bereits im Sommer das Technische Komitee TC 115 „High Voltage Direct Current (HVDC) Transmission for DC voltages above 100 kV“ gegründet und die Sekretariatsführung dem chinesischen Komitee übertragen. Deutschland hat, wie Korea und Schweden, einen Kandidaten für den Vorsitzenden nominiert; eine Entscheidung über die Besetzung wird Anfang 2009 erwartet.
Im Bereich der Wechselspannung sind knapp 20 IEC-Gremien aktiv, die an der Normung von UHV bis 1200 kV entsprechend ihres Aufgabenbereiches beteiligt werden müssen.
Zur Sicherstellung der notwendigen Koordination der relevanten Normungsprojekte wurde auf Vorschlag von China und Deutschland eine UHV-Strategiegruppe eingesetzt; der Vorsitz wurde dem schwedischen Komitee übertragen.
Optimierung von IEC-Prozessen - IEC Business Information System (IBIS)
Das Central Office bereitet derzeit die Einführung einer neuen Projektdatenbank vor. Als wesentlicher Bestandteil wird ein Projektmanagementsystem mit automatischen Benachrichtigungen eingeführt, das die Gremien bei der Einhaltung der Meilensteine im Erarbeitungsprozess der Normen unterstützen wird.
Zusammenarbeit mit CENELEC
Die Zusammenarbeit mit der europäischen elektrotechnischen Normungsorganisation verläuft auf der Grundlage des Dresdener Abkommens reibungslos. Rund 85 % der 2007 von CENELEC veröffentlichten Europäischen Normen sind mit IEC-Normen identisch oder ihnen äquivalent.
Arbeit der Technischen Komitees
Die Technischen Komitees haben nach jeder Sitzung dem SMB einen Bericht vorzulegen und dabei ihr aktualisiertes Arbeitsprogramm und ihr Strategiekonzept (Strategic Business Plan – SBP) bestätigen zu lassen. Dies erfolgt in der Regel per Korrespondenz, eine Diskussion auf der Sitzung findet nur im Ausnahmefall statt.

Der Konformitätsbewertungsausschuss tagte unter dem Vorsitz von IEC-Vizepräsident Don Gray (Australien).
Die IEC bietet folgende drei Konformitätsbewertungssysteme an, die sich alle hoher Akzeptanz im Markt erfreuen:
- IECEE-Verfahren: IEC-System für Konformitätsbewertungsverfahren elektrischer Betriebsmittel und Komponenten
- IECQ-System: IEC-Qualitätsbewertungssystem für Bauelemente der Elektronik
- IECEx: IEC-System zur Zertifizierung nach Nomen für Geräte für explosionsgefährdete Umgebung.
IECEE-Verfahren: Insbesondere das IECEE-System unterstreicht seine Marktbedeutung mit allein im letzten Jahr erteilten 55.000 Zertifikaten und einer auf 52 teilnehmende Länder angewachsenen Mitgliedschaft. Es wurde angeregt, dass sich IECEE um die Akzeptanz von EMV-Zertifikaten in den Ländern bemüht, in denen der Nachweis von solchen Anforderungen durch die Behörden gefordert wird.
Zur Unterstützung der Verwendung von erneuerbaren Energien wurde das Photovoltaik-Programm (PV-Scheme) um ein Qualitätszeichen erweitert. Hersteller von PV-Modulen können von 9 Zertifizierungsstellen in sieben Ländern jetzt das sogenannte "PV Quality Mark" erwerben.
IECEx-Verfahren: IECEx erarbeitet ein neues Zertifizierungsprogramm zum Nachweis der Kompetenz des Fachpersonals von Reparaturunternehmen für explosionsgeschützte Betriebsmittel. Hintergrund ist eine starke Marktnachfrage seitens der Betreiber. Sobald Betriebsmittel in Anlagen installiert sind, ist der Betreiber verantwortlich, dass von diesen Geräten keine Gefährdungen ausgehen. Falls ein in Betrieb befindliches Produkt repariert oder überholt werden muss, werden diese Aufträge zumeist fremdvergeben. Der Bertreiber möchte sich vergewissern, dass die Reparatur durch Personal mit der notwendigen Fachkompetenz durchgeführt wird. IECEx wird daher in Zukunft ein international anerkanntes Zertifizierungssystem anbieten. Es sei an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dieses Zertifizierungssystem wegen des hohen Gefährdungspotenzials von explosionsgeschützten Geräten von den Betreibern gefordert wird.
IECQ-Verfahren: Das IECQ-Programm für elektronische Bauteile in der Luftfahrt steht vor dem entscheidenden Durchbruch, da Boeing für den Einbau in das neue Modell „Dreamliner“ ausschließlich elektronische Bauteile akzeptiert, die eine solche IECQ-Zulassung besitzen. Eine Ausweitung des IECQ-Programmes auf Automobilanwendungen und für das Eisenbahnwesen ist in Prüfung.

Der Ratsausschuss umfasst den Präsidenten, die drei Vizepräsidenten, den Schatzmeister, den Generalsekretär und fünfzehn Persönlichkeiten, die von den IEC-Mitgliedern vorgeschlagen werden, aber als unabhängige Funktionsträger und nicht als Vertreter ihrer Nationalen Komitees wirken. Der Ratsausschuss nimmt die Aufgaben des Rates im Zeitraum zwischen den jährlichen Ratstagungen wahr.
Entsprechend dem an die Ratstagung gegebenen Bericht hat sich das Council Board auf seinen beiden Sitzungen im Jahr 2008 neben der Umsetzung des IEC-Masterplan 2006 mit den folgenden Hauptthemen beschäftigt.
Konformitätsbewertungsaussagen in IEC-Normen
Die aktuellen ISO/IEC-Direktiven Teil 2 sehen vor, dass Internationale Normen keine Aussagen zu Konformitätsbewertungsaspekten enthalten dürfen, um die Konformitätsbewertung der betreffenden Produkte, Prozesse und Dienstleistungen sowohl auf der Grundlage der Herstellererklärung (sogen. „1st party“), durch den Anwender bzw. Käufer („2nd Party“) oder einen unabhängigen Dritten („3rd Party“) zu ermöglichen, ohne eine dieser drei Optionen zu bevorzugen. Diese Festlegung wurde in der Vergangenheit von einzelnen Gremien wiederholt in Frage gestellt. Daher hatte der Ratsausschuss 2007 die Vorsitzenden von SMB und CAB beauftragt, Vorschläge zur Klarstellung der künftigen IEC-Politik zu diesem Punkt zu erarbeiten. Der erste Entwurf vom Frühjahr 2008 sah u. a. die Möglichkeit vor, den Gremien Festlegungen zur Konformitätsbewertung in IEC‑Normen zu gestatten. Dies hätte zur Konsequenz gehabt, dass viele IEC-Normen in Europa nicht mehr unverändert übernommen werden können, da die Form des Konformitätsnachweises in den Richtlinien der Europäischen Union gesetzlich geregelt wird. Durch intensive Überzeugungsarbeit des Deutschen Komitees in SMB und CAB ist es letztlich gelungen, einen für Europa tragfähigen Kompromiss in dieser strittigen Frage zu erzielen. Die vom Ratsauschuss angenommene Neuregelung erlaubt grundsätzlich die Aufnahme von Konformitätsbewertungsaussagen in IEC-Normen, jedoch müssen hierzu klar definierter Voraussetzungen vorliegen, die in der Praxis nur in wenigen Fällen erfüllt werden dürften.
IEC-Politik bezüglich Konformitätsbewertung
Die IEC ist weltweit als der führende Anbieter Internationaler Normen und Dienstleistungen zur Konformitätsbewertung im Gebiet der Elektrotechnik, Elektronik und zugehörigen Technologien anerkannt. Daher verfolgt die IEC die Prinzipien der Transparenz und Neutralität in der Bereitstellung der angebotenen Normen und Dienstleistungen. IEC-Normen sind so zufassen, dass sie die Konformitätsbewertung durch den Hersteller, die Anwender bzw. Käufer sowie unabhängige Dritte ermöglichen. Die Steuerung der Konformitätsbewertungsverfahren und die Entwicklung der zugehörigen Politik delegiert der Ratssauschuss an den Konformitätsbewertungsausschuss (CAB). Das CAB kooperiert mit ISO/CASCO auf allen Ebenen und befürwortet die Erarbeitung gemeinsamer ISO/IEC-Normen für die Konformitätsbewertung.
Sitzung des Rates (Council - C) am 21. November 2008
Der Rat ist das höchste Gremium der IEC, in ihm haben alle Vollmitglieder gleichen Sitz und Stimme. Im Mittelpunkt der Sitzungen des Rates stehen die Wahlen wichtiger Funktionsträger sowie Fragen der Mitgliedschaft, der Statuten, der Finanzen und der Beziehungen zu anderen Normungsorganisationen. Traditionell nehmen auch die Präsidenten und Generalsekretäre der ISO und des CENELEC als Gäste an den Tagungen des IEC-Rates teil.
Das Deutsche Komitee der IEC war durch den Delegationsleiter Prof. Dr. Klaus Wucherer (Siemens AG), Roland Bent (Phoenix Contact), sowie Dr. Bernhard Thies (DKE, Sekretär des Deutschen Komitees), Dr. Gerhard Dreger (DKE) und Thomas H. Wegmann (DKE) vertreten.
Mitgliedschaft
Durch die Aufnahme Algeriens, Libyens, der Philippinen und von Qatar als Vollmitglieder umfasst die IEC jetzt 55 Vollmitglieder, 17 assoziierte Mitglieder sowie 83 Länder, die am „Affiliates Country Programme“ teilnehmen. Die IEC ist somit weltumfassend, allerdings bestehen hinsichtlich der aktiven Mitarbeit naturgemäß erhebliche Unterschiede zwischen den Vollmitgliedern und den anderen Mitgliedern.
Wahlen
Der Rat wählte Dr. Hiromichi Fujisawa (JP) zum Vizepräsidenten und neuen Vorsitzenden des Konformitätsbewertungsausschusses (CAB) für eine erste Amtsperiode von 2009 – 2011. Fujisawa tritt die Nachfolge des Australiers Don Gray an, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr wieder gewählt werden konnte.
Der IEC-Schatzmeister, Olivier Gourlay (FR), wurde für die Jahre 2009 – 2011 in seinem Amt bestätigt.
Im Ratsausschuss (CB) wurden die Kandidaten aus Korea, Dr. Doug-Young Joo, Mexiko, Rafael Nava, und den Niederlanden, Frans Vreeswijk, für weitere drei Jahre bestätigt. Neu aufgenommen wurden Brasilien und Südafrika anstelle von Finnland und Indien. Damit ist Europa in diesem Gremium mit sechs Ländern repräsentiert.
Für die frei werdenden drei Sitze im Managementausschuss für Normung (SMB) bewarben sich sechs Länder, davon fünf Nicht-Europäer. Die bisherigen Mitglieder Kanada, Korea und Spanien wurden erwartungsgemäß für weitere drei Jahre wieder gewählt. Damit stellt Europa weiterhin acht der 15 SMB-Mitglieder.
Im Konformitätsbewertungsausschuss waren vier der zwölf Sitze neu zu besetzen. Von den acht Kandidaten wurden Deutschland, Japan und Schweden wieder gewählt, während die Niederlande anstelle von Kanada neu aufgenommen wurden.
Bericht des Generalsekretärs an den Rat
Der ausführliche Bericht von Generalsekretär Aharon Amit an den Rat über die seit der letzten Generalversammlung erzielten Ergebnisse gibt durch eine Vielzahl von Zahlen und Fakten eine sehr gute Übersicht über den aktuellen Leistungsstand der IEC für den Zeitraum Oktober 2007 bis September 2008.
Die Anzahl der neu veröffentlichten Publikationen liegt mit 563 rund 20 % über dem Niveau des Vorjahres. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit von IEC-Normen konnte erneut gesenkt werden und liegt nun bei 32 Monaten (Vorjahr 36); dabei wurden 33 % der Normen in weniger als zwei Jahren erstellt, dies entspricht einer Steigerung von 7 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr, und weitere 36 % in weniger als drei Jahren. Bei 51 % der Normen handelt es sich um Erstausgaben, während der Anteil der Fortentwicklung bestehender Publikationen zur Anpassung an den Stand der Technik bei 49 % liegt.
Die drei aktivsten Technischen Komitees der IEC waren im Berichtszeitraum das TC 65 „Leittechnik für industrielle Prozesse“ mit 91, TC 61 „Sicherheit elektrischer Geräte für den Hausgebrauch und ähnliche Zwecke“ mit 72 und TC 48 „Elektrisch-mechanische Bauelemente und Bauweisen für elektronische Einrichtungen“ mit 36 veröffentlichten Normen.
Das Deutsche Komitee nimmt im Management der Technischen Komitees und Unterkomitees weiterhin eine Spitzenstellung ein. Deutschland stellte im Jahr 2008 32 Vorsitzende und liegt damit vor USA (27), Großbritannien (23) und Frankreich (18) an der Spitze. Bei der Sekretariatsverantwortung liegt die deutsche Wirtschaft mit 32 Sekretariaten deutlich vor den USA (24), Frankreich (24) und Großbritannien (20) ebenfalls auf Platz 1.
Die Anzahl der eingereichten neuen Normvorhaben ist ein Indikator für den Innovationsgrad einer Volkswirtschaft. Bei insgesamt 100 von den Nationalen Komitees eingereichten Erstanträgen liegt Deutschland mit 19 Vorschlägen auf Platz 2 hinter dem Spitzenreiter Japan (21) und vor China (16) sowie den USA (15).
Finanzen
Die erzielten Optimierungen der internen Prozesse bei gleichzeitiger Verbesserung der Dienstleistungen erlauben es, die Summe der Mitgliedsbeiträge für das Jahr 2009 um weitere 6,5 % zu senken. Die Preise für die IEC-Publikationen können dabei konstant gehalten werden.
Lord-Kelvin-Award 2008
Der Rat der IEC zeichnete in diesem Jahr zwei US-Amerikaner für ihre Verdienste um die elektrotechnische Normung mit der höchsten Auszeichnung der IEC für Normungsexperten aus, dem „Lord-Kelvin-Award".
Donald N. Heirman wird für sein mehr als zwanzigjähriges Engagement in der internationalen Normung im Bereich der elektromagnetischen Verträglichkeit ausgezeichnet. Sein Hauptaugenmerk lag dabei auf den Arbeiten zum Funkschutz im „Special International Committee on Radio Interference (CISPR)“ der IEC, zu dessen Vorsitzenden er 2007 gewählt wurde.
Scott K. Jameson arbeitet seit 1991 im ISO/IEC-Gemeinschaftsgremium JTC 1 für Informationstechnik und ist seit 2001 dessen Vorsitzender. Er wird für seine vielfältigen Beiträge sowohl auf technischer Ebene wie auch in den Managementgremien dieses Komitees einschließlich des JTC 1-Ausschusses für strategische Planung geehrt.
Zukünftige IEC-Generalversammlungen
Zur 73. Generalversammlung, die vom 16. bis 20. Oktober 2009 geplant ist, sprach Doron Tamir, Vorsitzender des Israelischen Komitees der IEC, eine herzliche Einladung an alle Delegierten nach Tel Aviv aus.
Als Ausrichter der IEC-Generalversammlungen 2010 und 2011 wurden die USA bzw. Australien bestätigt. Norwegen hat seine Intention angekündigt, die 76. Generalversammlung im Jahr 2012 auszurichten. Japan (2014) und Deutschland (2016) haben ähnliche Pläne bekundet.

Erstmals tagte das Market Strategy Board, dessen Gründung Anfang 2008 beschlossen wurde, um die Strategie der IEC unter direkter Beteiligung der Industrie noch besser an den Erfordernissen der rasanten Entwicklungen innovativer Technologien und des globalen Marktes ausrichten zu können. Der deutsche Vizepräsident Enno Liess war mit der inhaltlichen Organisation betraut worden.
Unter dem Vorsitz des IEC-Präsidenten präsentierten die 15 MSB-Mitglieder ihre Sicht der zukünftigen Entwicklungen und leiteten daraus ihre Erwartungen und Forderungen an die IEC ab. Diese betrafen sowohl die Prioritätensetzung für die Aktivitäten des SMB und des CAB als auch die Einrichtung spezieller Arbeitsgruppen, die jeweils unter Leitung eines Mitglieds des MSB Aufgaben bearbeiten sollen, die außerhalb der Zuständigkeitsbereiche des SMB und des CAB liegen.
In der Diskussion zeigte sich, dass die Industrie von der IEC nicht nur die klassische Normungsarbeit erwartet, sondern darüber hinaus die Entwicklung von Architekturen und Roadmaps sowie die Erarbeitung von Positionspapieren zur öffentlichen Meinungsbildung in Fragen der Zukunftstechnologien wie z. B. Ultrahochspannung, Smart Grids, Smart Home, Elektroauto und Industrieautomatisierung.
Bereits im Juli 2008 wurde die Arbeitsgruppe „Electrical Energy Efficiency“ unter Leitung von Claude Breining (Schneider Electric) etabliert, die dieses gesellschaftspolitisch bedeutsame Thema in enger Abstimmung mit der SMB-Strategiegruppe bearbeiten wird. Eine weitere Arbeitsgruppe „Digital Factory“ (Leitung: Dr. Gunther Kegel, Pepperl und Fuchs) wird sich mit der Weiterentwicklung der Industrieautomatisierung befassen. Vorschläge zur Erarbeitung von IEC-Standards im weiteren Sinne – das heißt nicht im Rahmen der klassischen Normungsarbeit – soll eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Dr. Donald Deutsch (Oracle) entwickeln.
