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Mitteilungen der DKE-Geschäftsstelle 

Innovation und Normung - Basis erfolgreicher Unternehmensstrategie 

Bericht von der DKE-Tagung 2005

17.06.2005 

 

Im Fokus der Vorträge und Diskussionen während der Tagung der DKE  Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE im Einsteinjahr 2005 stand das Thema "Innovation und Normung - Basis erfolgreicher Unternehmensstrategie". Zu dem Treffen der Mitglieder der DKE-Lenkungsgremien, Obleute der DKE-Arbeitsgremien, deutschen Vorsitzenden und Sekretäre von Komitees der IEC oder des CENELEC sowie Deutschen Sprecher in den Gremien der IEC und des CENELEC konnte der DKE-Vorsitzende Dietmar Harting am 27. April 2005 im Arabella Sheraton Hotel in Frankfurt am Main unter den rund 120 Teilnehmern auch führende Persönlichkeiten der Normungsorganisationen der Elektrotechnik aus Österreich, Polen und der Schweiz begrüßen.

Einen Einblick in die Innovationsforschung gab zu Beginn der Tagung Hr. Jörg Thielges, IBM, bevor der Leiter des Beraterkreises Technologie (BKT) der DKE, Hr. Professor Dr. Hartwig Steusloff, auf die Arbeit dieses Gremiums zur Identifikation innovativer zukünftiger Normungsfelder einging. Die Herren Roland Bent und Peter Püschner zeigten im weiteren Verlauf der Tagung die Bedeutung der Normungsarbeit für hochinnovative mittelständische Unternehmen an den erfolgreichen Beispielen der eigenen Unternehmen auf.

In drei verschiedenen Workshops mit den Themen

    • hochdezentrale Energieeinspeisung und -speicherung
    • sicherheitsrelevante Software
    • nanotechnologische Anwendungen in der Elektrotechnik

bearbeiteten die Tagungsteilnehmer am Nachmittag die erforderliche zukünftige Normungsarbeit auf diese vom BKT der DKE bereits für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland identifizierten Bereiche. Zuvor wurden aktuelle normungspolitische Themen bei IEC, CENELEC und in Deutschland eingehend diskutiert.

In einem Festakt im Rahmen der DKE-Tagung 2005 wurde in diesem Jahr erstmals die DKE-Nadel als Anerkennung und Würdigung besonderen Engagements ehrenamtlicher Experten in der Arbeit der DKE verliehen. Hr. Harting würdigte bei der Übergabe der Auszeichnung die Leistungen der neun besonders aktiven Mitarbeiter in den Gremien der DKE oder deren Spiegelgremien bei IEC bzw. CENELEC. (Siehe hierzu Beitrag "Erstmalig verliehen: DKE-Nadel").

 

Eröffnung durch den DKE-Vorsitzenden

Dipl.-Kfm. Dietmar Harting,
persönlich haftender Gesellschafter der HARTING KGaA, Espelkamp

Der DKE-Vorsitzende betonte die herausragende Bedeutung der kontinuierlichen Innovationsförderung für ein stark exportorientiertes Land wie die Bundesrepublik Deutschland. Neue Technologien müssen frühzeitig erkannt und in den Markt eingeführt werden, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Normungsarbeit muss sich am Erfolg von Innovationen am Markt messen lassen. Wie die Beispiele aus Mikro- und Nanotechnologie zeigen, ist Deutschland ein Land für Spitzentechnologien. Es muss an die eigene Gestaltungsmacht glauben und seine Innovationsstärke zu Markterfolgen führen.

Hr. Harting begrüßte in seiner Eröffnung der Tagung besonders die Delegationen aus Österreich, Polen sowie der Schweiz, deren Teilnahme die enge Kooperation der nationalen Normungsorganisationen sichtbar zum Ausdruck bringt.

Er dankte allen Beteiligten an der elektrotechnischen Normungsarbeit in Deutschland für ihr Engagement, mit dem sie die bisherige erfolgreiche Arbeit geleistet haben.

Download Tagesordnung
Download Begrüßungsrede

 

Innovationsforschung

Dipl.-Ing. Jörg Thielges, IBM Deutschland Entwicklung GmbH, Berlin

Herr Thielges stellte in seinem Vortrag Innovation als Motor des Fortschritts heraus; Innovationsquelle ist dabei die Technik, heute insbesondere die Informations- und Kommunikationstechnik. Zur Innovation gehören insbesondere auch die qualifizierten Menschen.

Innovation geschieht weltweit in globalen Teams, so hat IBM den ersten Schaltkreis auf Basis der Nanotechnik erstellt. Bevor diese Erfindung in eine Innovation umschlägt, werden allerdings noch mehrere Jahre vergehen. Für die Marktdurchdringung solcher Erfindungen und damit für Innovation ist die Normung wesentlich, wie Herr Thielges an den Beispielen Videorecorder, Internet und Mobiltelefon aufzeigte.

Er stellte die amerikanische nationale Innovationsinitiative ebenso vor  wie die kürzlich gestartete Innovationsinitiative der Bundesregierung, die zum Ziel hat, ein innovationsfreundliches Klima in Deutschland zu schaffen. Neue Herausforderer in den weltweiten Innovationsinitiativen sind China und Indien. Alle Industriestaaten müssen sich durch Innovationen gegenüber diesen Herausforderern abheben. Dabei kommt der Innovationsgeschwindigkeit bei erfolgreichen Marktauftritten besondere Bedeutung zu. Innovation führt zum Erhalt hochqualifizierter Arbeitsplätze. Wachstumspotenziale sind in der Biotechnik, ICT, aber auch bei Medizin und Pharmacy sowie der Nanotechnologie in allen Bereichen durch die Veränderung der Werkstoffe gegeben.

Hr. Thielges gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Chancen genutzt werden, damit die hochqualifizierten Arbeitsplätze in Deutschland und Europa erhalten bleiben.

In der anschließenden Diskussion wurde herausgestellt, dass Innovationsinitiativen flexibel bleiben müssen; Strategien sind dabei den Marktgegebenheiten anzupassen.

Download Vortrag Thielges

 

Identifikation zukünftiger Normungsfelder

Professor Dr. rer. nat. Hartwig Steusloff, Fraunhofer-Institut IITB, Karlsruhe

Einführend zeigte Herr Professor Steusloff auf, dass der Innovationsprozess bereits im Normungsprozess enthalten ist, und stellte die Strukturen zur Einspeisung des Identifikationsprozesses in die IEC-Arbeit vor.

Mit dem Beraterkreis Technologie der DKE (BKT) wurde vor zwei Jahren ein Beratungsorgan des Lenkungsausschusses (LA) der DKE geschaffen, um den Normungsbedarf innovativer Technologiefelder frühzeitig zu erkennen und so Innovationen auf ihrem Weg aus den Laboren der wissenschaftlichen Institute oder der industriellen Forschung am Markt zum Durchbruch zu verhelfen. In seinem Vortrag erläuterte der Vorsitzende des BKT, Professor Steusloff, die bisherige Arbeit des Beraterkreises, dem auch externe Vertreter aus Industrie und Wissenschaft angehören.

Im gesamten Evaluierungsprozess gibt es keine Automatik, die Bewertung durch Fachleute steht im Vordergrund der Tätigkeit. Neben einem Technologie-Monitoring werden Marktbeobachtungen betrieben und das Normungsgeschehen beobachtet. Hieraus werden Roadmaps und Szenarien in den Fachbereichen der DKE erstellt.

Einige der bereits identifizierten potenziellen Normungsfelder sind Themen in den Workshops der Tagung und wurden dort durch die Tagungsteilnehmer eingehend diskutiert.

Download Vortrag Steusloff

Wichtige Punkte der anschließenden Diskussionsrunde waren:

    • Die Struktur der Einbindung des Identifikationsprozesses bei der IEC, insbesondere auch die Rollen von Sektorboards (SB) und Advisory Committees (AC) der IEC. Ferner wurde auf das CISPR-Umfrageverfahren hingewiesen.
    • Gerade Konvergenz- und Systemthemen sind im Fokus der BKT-Aktivitäten, wodurch die Einbettung innovativer Felder in bestehende Systeme und Anlagen sichergestellt wird. Wesentliche Hinweise erhält der BKT über die Technologietrend-Diskussionen in den Gremien der DKE, die in den Technologieberichten der Fachbereiche zusammengeführt werden.

 

Erfolgreiche Unternehmensstrategie durch Innovation und Normung

In zwei Beiträgen wurde das Zusammenspiel von Innovation und Normung in erfolgreichen mittelständischen Unternehmen dargestellt. Dabei erläuterten die Vortragenden die Einbindung der Faktoren Innovation und Normung in die Unternehmensstrategien ihrer Firmen und zeigten beispielhaft auf, welche Erfolgspotenziale sich durch eine gezielte strategische Ausrichtung der Arbeiten ergeben.

Beispiel Phoenix Contact

Dipl.-Ing. Roland Bent, Phoenix Contact GmbH + Co KG, Blomberg

Herr Bent zeigte in seinen Ausführungen auf, dass Normungsstrategie Bestandteil erfolgreicher Innovations- und Unternehmensstrategie ist, und erläuterte die Anforderung an Normung, damit sie die Innovation unterstützt. Anwendung von Normen schafft die Basis für erfolgreiche Innovationen, wenn die Randbedingungen stimmen, sowohl in der Normung als auch in den Unternehmen. Normung schafft die Sicherheit für die Anwender, die Innovationen einzusetzen. Beispiele hierfür bei Phoenix Contact sind die Reihenklemmen, der Überspannungsschutz und der Feldbus.

Innovation ist nur möglich in einem Umfeld, das den Freiraum für neue Kombinationen gewährt. Daher dürfen nicht Produkte selbst genormt werden, sondern es muss durch Normung das Einsatzumfeld abgesichert werden, damit der Freiraum für Innovation erhalten bleibt und nicht nur der Nachbau von Produkten ermöglicht wird.

Normung ist eine zentrale Aufgabe der Industrie zur Schaffung von Stabilität, Rechtssicherheit und globalen Marktbedingungen. Wettstreit der Ideen und Wettbewerb der Lösungen müssen erhalten bleiben, daher darf die Konsens-Normung nicht zu früh ansetzen. Erfolgreiche Normen entstehen durch die Kräfte des Marktes, nicht am grünen Tisch. Für frühzeitige und entwicklungsbegleitende Normungsaktivitäten stehen anstelle der klassischen Norm andere Produkte wie PAS und ITA zur Verfügung.

Zusammenfassend stellt Hr. Bent heraus: Mitgestaltung von Normen ist Innovationsstrategie, Beteiligung am Normungsprozess bringt frühzeitige Kenntnis von Veränderungen und Wettbewerbsvorteile. Normungsstrategie ist Chefsache!

Download Vortrag Bent

Wichtige Punkte der anschließenden Diskussionsrunde waren:

    • Normungsarbeit in der IEC fordert Anforderungen, nicht Produktlösungen.
    •  Bezüglich des richtigen Zeitpunkts des Normungsbeginns erläuterte Dr. Kiehl (DIN), dass die nicht konsensbasierte Normung mit in den Gesamt-Prozess einbezogen werden muss. Frühzeitig kann neue Technologie schon mit anderen Standardisierungs-Produkten begleitet werden, womit auch eine gewisse Stabilität zur Absicherung des Innovationsprozesses gegeben wird. Normung ist dabei ein offener Prozess, der über seine Regeln eine Legitimierung erfährt.
    •  Ferner wurde hervorgehoben, dass es sinnvoll ist, wenn die Mitarbeiter in der Normungsarbeit aktiv am Produkt bleiben, gleichzeitig aber auch eine möglichst unmittelbare Verbindung zur Unternehmensführung haben. Hierdurch kann eine enge Verbindung von den Marktanforderungen über das Produkt und von der Unternehmensführung hin zur Normung sichergestellt werden.

 

Strategische Bedeutung der Normen im globalen Wettbewerb

Dipl.-Ing. Peter Püschner, Püschner GmbH + Co KG, Schwanewede-Bremen

Herr Püschner stellte seine Firma für industrielle Mikrowellen-Erwärmungsanlagen kurz vor und hob dabei die Besonderheiten im Sonderanlagenbau mit kundenoptimierten Lösungen heraus. Dieses mittlerweile sehr exportorientierte Unternehmen stehe im Wettbewerb mit Anbietern auf der Basis von im Massengeschäft produzierten Haushaltskomponenten. Normung dient hier also zur Sicherung eines fairen Wettbewerbs zwischen innovativen Sonderlösungen und Massenprodukten, zum Schutz der Anwender der Anlagen und zur Qualitätssicherung.

Die Beteiligung in der Normung hat zu normativen Festschreibungen zur Bewertung der Anlagenausführungen ebenso geführt wie zur Festlegung von Sicherheitsanforderungen, deren Einhaltung in diesem Anlagengeschäft von herausragender Bedeutung ist.

Abschließend wies Hr. Püschner darauf hin, dass es die Verpflichtung aller am Normungsprozess Beteiligten ist, klare, gut lesbare und anwendbare Normen zu erzeugen.

Download Vortrag Püschner

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde insbesondere über die Normen als Wissensquelle für den Entwickler diskutiert und festgestellt, dass die betreffenden Normen zwar bekannt sind, Normen für die Generierung neuer Ideen in der Unternehmenspraxis meist jedoch noch zu kurz kommen.

 

Aktuelle Themen bei IEC und CENELEC

Dr. Reinhard Salffner, DKE

Herr Dr. Salffner präsentierte in seinem Vortrag übergreifende Aspekte der internationalen und regionalen Normungsarbeit, die von allgemeiner Bedeutung für alle Bereiche der elektrotechnischen Normung sind. Zunächst ging er auf die weltweite Anwendbarkeit ("Global Relevance") von IEC-Normen und die dafür festgelegten Bestimmungen sowie deren aktuellen Stand in der IEC ein.

Danach zeigte er auf, dass nach den inzwischen abgewiesenen "Principal Standards" nun der IEC Guide 108 - und somit die Festlegungen für "Horizontal Standards" in der IEC - in den Fokus gerückt ist. Der Guide 108 steht derzeit zur Überarbeitung an, um die inzwischen auf 800 Normen angewachsene Menge der "Horizontal Standards", wo immer möglich, zu reduzieren und so die Normungsarbeit zu erleichtern.

Abschließend erläuterte er einen kürzlich gefassten Beschluss des TBINK der DKE zu "New Work Item Proposals bei IEC und CENELEC", veröffentlicht im Obleute-Rundschreiben der DKE 2005-0005. Der TBINK ruft dazu auf, neue markrelevante Normvorhaben in die europäische oder internationale Normung einzubringen. Dies betrifft auch die Unterstützung europäischer Normprojekte des CENELEC, die bei IEC als Normungsvorschlag eingebracht werden.

Download Vortrag Dr. Salffner

Wichtige Punkte der anschließenden Diskussionsrunde:

Zum Thema "Global Relevance" der IEC-Normen:

    • Es wurde von Vertretern der Produkthersteller die weltweite Akzeptanz der Zertifizierung gefordert, wenn schon die Normen z. B. durch Doppellogo IEC/IEEE weltweite Anwendung finden.
    • Eigene Erfahrungen der IEC-Chairmen mit dem Problem der Doppel-Logo-Normen wurden geschildert und zur präzisen Einhaltung der Regeln aufgefordert. Hierzu ergänzte Dr. Gerlach (ZVEI): Nur wo keine eigene IEC-Aktivitäten bestehen, kommen bei IEC die Doppel-Logo-Normen zur Anwendung.
    •  Von mehreren Teilnehmern wurde gefordert, die derzeitige Global-Relevance-Politik zu revidieren, Normung solle vereinheitlichen, nicht Unterschiede festschreiben. "Katalog-Standards" wurden einhellig abgelehnt, da sie für den Marktzugang durch Normen nicht förderlich sind.
    • Hierzu erläuterte Dr. Gerlach (ZVEI), dass gerade die beiden derzeitig strittigen Fälle aufzeigen, wie restriktiv die Global-Relevance-Regeln der IEC sind. Diese dürfen nicht aufgeweicht werden, eine Streichung dieses Verfahrens sei politisch nicht durchsetzbar.
    • Dr. Bahke, Direktor des DIN,  erläuterte die Wichtigkeit der Reputation der Normungsorganisationen ISO und IEC und forderte dazu auf, die ISO/IEC-Regeln strikt einzuhalten. Weiter erläuterte er die Bestimmungen bei der ISO zum Thema "Global Relevance" und wies auf die Wichtigkeit eines einheitlichen Verfahrens bei ISO und IEC hin.

Zum Thema "Horizontal Standards"

    • Von einigen Teilnehmern wurde die derzeitige Listung von Normen im IEC-Guide 108 kritisiert, so seien insbesondere die Normen des TC 98 zu elektrotechnischen Isoliersystemen nicht im Interesse der deutschen und europäischen Wirtschaft.
    • Hr. Harleß stellte als ACOS-Chairman die unterschiedliche Auswahl entsprechender Normen nach IEC Guide 104 und IEC Guide108 in den Vordergrund und wies auf die guten Erfahrungen im Bereich der Sicherheitsbestimmungen nach IEC Guide 104 hin.
    • Die Reduzierung der Anzahl von Normen mit Horizontalfunktion wird nach den Festlegungen im zukünftigen IEC Guide 108 über die geforderten Umfragen bei der Überarbeitung der einzelnen Normen erfolgen.

Zum Thema NWIP bei IEC und CENELEC:

    • Hier wurde nochmals besonders hervorgehoben, dass qualifizierte und marktbedarfsgerechte Normungsaktivitäten angestoßen werden sollen. Die Marktrelevanz ist als Kriterium für Normungsvorhaben unabdingbar.

 

Aktuelle nationale Themen

Dipl.-Ing. Heinrich Zimmermann, DKE

Der Geschäftsführer der DKE erläuterte in seinem Beitrag aktuelleThemen in der nationalen elektrotechnischen Normung. Er ging dabei auf Aktionsschwerpunkte zu den einzelnen Zielen der Deutschen Normungsstrategie (DNS) ein.

Am Beispiel der Nanotechnologie zeigte er die Aktionen in Deutschland zur frühzeitigen Förderung von Innovationen auf. So wird in einem gemeinsamen Workshop von DIN und DKE am 23. Juni 2005 in Frankfurt am Main der Standardisierungsbedarf in der Nanotechnologie diskutiert. Weiter erläuterte er die Aktivitäten zur Aufnahme des Themas "Normung und Standardisierung" als festen Bestandteil in der Aus- und Weiterbildung.

Am Beispiel der Umsetzung der Betriebssicherheitsverordnung wurde die Aufgabenteilung zwischen Staat und Normungsorganisation dargestellt. Normung bietet dem Staat Entlastung an, die er annehmen kann. Zur Aufrechterhaltung der Vermutungswirkung - und damit Rechtssicherheit - setzt sich so die DKE im Sinne vieler Kleinunternehmen und Handwerksbetriebe dafür ein, die Regeln der DIN VDE 0105 vom Gesetz weiter in Bezug nehmen zu lassen.

Das Zusammenspiel bei technologieübergreifenden Themen gewährleistet die DKE durch viele Gespräche, Diskussionen und gemeinsames Vorgehen mit anderen Verbänden.

Abschließend erläuterte Hr. Zimmermann die derzeitigen Aktivitäten zum "Web-Meeting", einer neuen Funktionalität auf der DKE-Plattform "Elektronisches Komitee", als zukünftige Dienstleistung der DKE. Diese ist für dedizierte Abläufe im Normungsprozess, insbesondere bei der technischen Erarbeitung von Normen, sinnvoll zu nutzen; sie wird zu einer weiteren Zeit- und Kostenreduktion in der Normungsarbeit für die technischen Experten führen und unterstützt damit die markt- und bedarfsorientierte Bereitstellung der Normen. Die Entwicklung erfolgt im engen Informationsaustausch mit den Aktivitäten bei der IEC.

Download Vortrag Zimmermann

 

Workshops:
    • Hochdezentrale Energieeinspeisung und -speicherung
      Leitung: Dipl.-Ing. Christoph Graser, Wesel

      Die Teilnehmer diskutierten die technischen Fortschritte und Marktentwicklung bei Windenergie- und Photovoltaikanlagen, Brennstoffzellen, bei der Energiegewinnung aus Biomasse sowie die sich daraus ergebenden komplexen Zusammenhänge in den Verteilnetzen für elektrische Energie. Einbezogen waren ebenfalls die Fragestellungen zu den hohen Anforderungen an die Datenkommunikation bei solchen dezentralen Netzstrukturen. Darauf aufbauend wurde der Regelungs- und Normungsbedarf erörtert und identifiziert.

      Download Folien des Workshops 1
    • Sicherheitsrelevante Software
      Leitung: Dr. Hanns-Joachim Reder, Braunschweig

      Im Workshop wurde die Anwendung der IEC 61508-3 (VDE 0803-3) und mögliche Verbesserungen bei der anstehenden Überarbeitung dieser Norm diskutiert.

      Die Erfahrung, die im Teilnehmerkreis mit dieser Materie bereits vorhanden war, ließ den Schluss zu, dass bei richtiger Planung kein Mehraufwand durch Anwendung dieser Sicherheitsgrundnorm zu erwarten ist. Besondere Sorgfalt bei der Anwendung erfordert die Wartung der sicherheitsrelevanten Software im Form von Fehlerbeseitigung, Berücksichtigung von geänderten Anforderungen und Portierung auf Harware-Updates. Hier sind auch Verbesserungen der Norm empfehlenswert.

      Download Folien des Workshops 2
    • Nanotechnologische Anwendungen in der Elektrotechnik
      Leitung: Professor Dr.-Ing. Ernst Gockenbach, Hannover

      Die derzeitige Situation bei der Normung und Entwicklung von Nanotechnologie wurde in diesem Workshop zusammengetragen und erörtert. Normungsaktivitäten sollten ausschließlich weltweit bearbeitet werden, nicht nur im europäischen Rahmen. Durch die Teilnehmer wurden ISO/IEC-übergreifende Gebiete ebenso identifiziert, wie auch klargestellt, dass bei fachgebietsspezifischen Festlegungen die unterschiedlichen Organisationen genutzt werden sollten. Normungsbedarf wurde bei übergreifenden Themen wie Terminologie und Messverfahren gesehen, nicht jedoch bei den einzelnen fachgebietsspezifischen Anwendungen, da diese oft noch im Forschungsstadium sind.

      Download Folien des Workshops 3

 
Schlusswort des DKE-Vorsitzenden

In seinem Schlusswort gab Hr. Harting einen Rückblick auf die Vorträge des Vormittags und betonte, dass auch in der Presseerklärung zur Innovations-Initiative des Bundeskanzlers der Normung eine wesentliche Bedeutung zugeteilt wurde. "Normungsstrategie ist Innovationsstrategie", unterstrich der DKE-Vorsitzende.

Herr Harting bedankte sich für die rege Beteiligung an den Diskussionen und den Workshops bei den Tagungsteilnehmern und hob mit einem besonderen Dank die Vortragenden für ihre sehr aufschlussreichen Beiträge hervor. Ebenso bedankte er sich für die Organisation der Tagung bei den zuständigen Mitarbeitern in der DKE-Geschäftsstelle.