Die diesjährige Tagung der DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE fand am 11. Dezember im Arabella Sheraton Hotel in Frankfurt am Main statt. Die etwa 150 geladenen Teilnehmer der Tagung - Mitglieder der DKE-Lenkungsgremien, Obleute der DKE-Arbeitsgremien, deutsche Vorsitzende und Sekretäre von Komitees der IEC oder des CENELEC sowie Deutsche Sprecher in den Gremien der IEC und des CENELEC und die Referenten der DKE - diskutierten vor allem über Systemaspekte in der Normung, aber auch viele weitere aktuelle Themen der elektrotechnischen Normungsarbeit.
Mit einführenden Vorträgen zu den Themen "Systemaspekte in der Industrie" von Herrn Dipl.-Ing. Reinhold Achatz, SIEMENS Corporate Technologies, und "Funktionale Sicherheit" von Herrn Dipl.-Ing. Rainer Faller, exida.com GmbH, wurden die Teilnehmer der Tagung auf den Workshop "Systemaspekte in der Normung" am Nachmittag eingestimmt. Der Geschäftsführer der DKE, Herr Heinrich Zimmermann erläuterte den aktuellen Stand der Umsetzung der DKE-Strategie sowie Überlegungen zur Fortschreibung der DKE-Strategie für die 9. Amtsperiode des Lenkungsausschusses. Aktuelle Themen von strategischer Bedeutung in der internationalen und regionalen Normung wurden durch Herrn Dr. Reinhard Salffner vorgestellt. Die abschließenden Workshops wurden von den Tagungsteilnehmern eingehend genutzt, um Anregungen für die zukünftige Ausrichtung der DKE-Arbeit zu formulieren und die unterschiedlichen Aspekte bei der Normung von Systemen zu diskutieren.
Eröffnung durch den DKE-Vorsitzenden
Dipl.-Kfm. Dietmar Harting, persönlich haftender Gesellschafter der Harting KgaA
Herr Harting begrüßte in seiner Eröffnung der Tagung besonders die Delegation des Polnischen Nationalen Komitees (Polish Committee for Standardization - PKN), die als Gäste gerne der Einladung der DKE gefolgt waren und sich mit dieser Teilnahme auf die Mitgliedschaft des PKN bei CENELEC zum 01. Januar 2004 einstimmten. Ferner gratulierte er Herrn Dipl.-Ing. Otto E. Ulrichs (Siemens AG, Nürnberg) zur Verleihung des Lord Kelvin Award 2003 der IEC. Der DKE-Vorsitzende betonte die Wichtigkeit der kontinuierlichen Fortführung der Innovationsförderung. Neue Technologien müssen frühzeitig erkannt und in den Markt eingeführt werden, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Er dankte allen Beteiligten an der elektrotechnischen Normungsarbeit in Deutschland für ihr Engagement, das auch die Wichtigkeit dieser Arbeit unterstreicht, und forderte dazu auf, die DKE als zukunftsweisende Normungsorganisation auf den Gebieten Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik weiterhin zu unterstützen.
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DKE-Strategie
Dipl.-Ing. Heinrich Zimmermann, DKE
Der Geschäftsführer der DKE gratulierte zunächst Herrn Harting zu seinem neuen Amt als DIN-Präsident, in das er auf der Sitzung des DIN-Präsidiums am 05. November 2003 gewählt wurde.
In seinem Rückblick führte Herr Zimmermann aus, dass die Innovationsförderung in der Normung eine besondere Rolle eingenommen hat, da damit zukünftige marktrelevante Arbeiten gefördert werden. Um den aktuellen Stand der Technik sicherzustellen, komme in der täglichen Normungsarbeit der Technologiebeobachtung im internationalen Markt und dem daraus entstehenden Bedarf an Normungsarbeit eine hervorragende Stellung zu. Normung sei ein wichtiger Punkt im Technologiemanagementsystem der Wirtschaft; daher stehe für die DKE die verstärkte Vermittlung des realen Nutzens der Normung im Vordergrund. Somit müssen die strategischen Ziele der DKE für die 9. Amtsperiode fortgeschrieben und angepasst, nicht aber grundsätzlich neu definiert werden.
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Systemaspekte in der Industrie
Dipl.-Ing. Reinhold Achatz, SIEMENS Corporate Technologies
Herr Achatz erläuterte, aus der Sicht der Anwender und Hersteller, die Bedeutung von technischen Systemen und die Schwierigkeiten, die darin auftreten können. Besonderes Augenmerk richtete er dabei auf die Wichtigkeit der Informationstechnologie, die in seinem Unternehmen mit rund 30.000 Softwareentwicklern einen herausragenden Platz einnimmt. Sie ist nicht eine Systemkomponente, sondern als Bestandteil fast jeden Systems das Bindeglied zwischen den einzelnen Komponenten der Mechanik, Elektrotechnik oder Hydraulik. Wichtig für die Zukunft sei, dass die Schnittstellen angewendet und weiter vernetzt werden können. Hierzu ist eine Systemnormung nicht nur hilfreich, sondern erforderlich.
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Wichtige Punkte der anschließenden Diskussionsrunde waren:
- Die Normung von Systemen beginnt meist außerhalb der traditionellen Normung. Es sollten hier verstärkt die Möglichkeiten der "New Deliverables" der IEC angewendet werden.
- Die Systemumgebung, die unterschiedliche Lebensdauer von Systemen und Komponenten sowie die anfallenden Datenmengen sind eventuell problematische Punkte bei der Normung von Systemen. Exakte Formulierungen sind hier unerlässlich.
- Die Kosten eines Systems sind für den Anwender und Hersteller wichtig und sollten bei der Normung, so weit als möglich, berücksichtigt werden.
- Fast jedes Produkt stellt ein System dar, aber nicht jedes System ist auch ein Produkt. Daher muss in der Elektrotechnik der Begriff "System" genau definiert werden.

Funktionale Sicherheit
Dipl.-Ing. Rainer Faller, exida.com GmbH
Herr Faller zeigte in seinen Ausführungen die Bedeutung der funktionalen Sicherheit in allen Bereichen, insbesondere bei der Hochverfügbarkeit und Sicherheit von Systemen auf. Die vom Kunden gewünschte totale Sicherheit kann jedoch nicht gewährleistet und auch nicht genormt werden. Ein tolerierbares Risiko muss in jedem System definiert werden.
Mit der IEC 61508 "Funktionale Sicherheit sicherheitsbezogener elektrischer/elektronischer/programmierbarer elektronischer Systeme" ist eine internationale Sprache zur Definition des Sicherheitsniveaus von Systemen eingeführt und somit eine gute Basis für dessen Ausgestaltung geschaffen worden. Sie ist ein gutes Hilfsmittel zur Reduzierung des Risikos in Gesamtanlagen und präsentiert Sicherheitslösungen vom Sensor/Aktor bis hin zur Mensch-Maschine-Schnittstelle.
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Wichtige Punkte der anschließenden Diskussionsrunde:
- Die Definition der Sicherheitsrisiken von Systemen ist nicht immer ganz einfach und resultiert meist aus langjähriger Erfahrung der Hersteller und Anwender in den verschiedenen Branchen, daher ist eine gute Zusammenarbeit, die den Erfahrungsaustausch fördert, wichtig.
- Da die IEC 61508 sehr komplex und umfassend ist, wird angeregt, für einzelne Sektoren zugeschnittene Publikationen zu schaffen, welche die Anwendung dieser wichtigen Festlegungen erleichtern.
- Die Zusammenarbeit zwischen ISO und IEC im Bereich funktionale Sicherheit muss verstärkt werden, um im Interesse der Hersteller und Anwender Doppelarbeit zu vermeiden.
- Funktionale Sicherheit ist in der Umsetzung bei der Geräteentwicklung meist mit hohen Kosten verbunden. Da aber bei zunehmend komplexeren Automatisierungsverfahren die Beachtung der funktionalen Sicherheit immer größere Bedeutung erlangt, sollte dies bei der Normung bereits berücksichtigt werden.
- Die Basis für die internationale Normung der funktionalen Sicherheit wurde in Deutschland geschaffen, weitere Impulse kamen hauptsächlich aus den USA. Es ist wichtig, dass sich Deutschland vermehrt an der Weiterentwicklung dieser Normen beteiligt.

Aktuelle Themen bei IEC und CENELEC
Dr. Reinhard Salffner, DKE
Herr Dr. Salffner präsentierte in seinem Vortrag die übergreifenden Aspekte der internationalen/regionalen Normungsarbeit, die von allgemeiner Bedeutung für alle Bereiche der elektrotechnischen Normung sind. Er ging dabei auf die weltweite Anwendbarkeit ("Global Relevance") von IEC-Normen sowie die Problematik der IEC/IEEE-Doppellogo-Normen ein und erläuterte die Deutsche Position zum neuen System der "Principal Standards" der IEC.
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Wichtige Punkte der anschließenden Diskussionsrunde:
Zum Thema "Global Relevance" der IEC-Normen:
- Die Voraussetzung für die Anwendung der "global relevance" (major segments of the global markets) lässt einen sehr breiten Interpretationsspielraum zu. Hier sollte die DKE auf ein gemeinsam abgestimmtes Verständnis hinarbeiten.
- Es sollte auch weiterhin darauf hingearbeitet werden, dass IEC-Normen weltweite Anerkennung dadurch finden, dass entgegenstehende nationale Normen zurückzuziehen sind.
- Herr Dr. Bahke, Direktor des DIN, wies darauf hin, dass ein zwischen DIN und DKE abgestimmtes Vorgehen zur Problematik der "Global Relevance" bei ISO und IEC dringend erforderlich ist.
- Die Problematik bei der unveränderten Übernahme von IEC-Normen mit Global-Relevance-Aspekten durch CENELEC wurde eingehend diskutiert. Die rechtliche Konsequenz bei der Listung dieser Normen unter EU-Richtlinien muss hier bedacht werden. Daher sprachen sich mehrere Teilnehmer für eine modifizierte Übernahme von IEC-Normen mit Global-Relevance-Aspekten aus. Dabei könnten dann die in Europa nicht gültigen Festlegungen in einen informativen Anhang aufgeführt werden. CENELEC sollte zu dieser Problemstellung einen entsprechenden Grundsatzbeschluss fassen.
Zum Thema IEC/IEEE-Doppellogo-Normen:
- Der vom Deutschen Komitee der IEC vorgebrachte Einwand, dass die Pflege von IEC/IEEE-Doppellogo-Normen nur durch IEC erfolgen darf, um den weltweiten Konsens in die Normprojekte einzubringen, wird unterstützt.
Zum Thema "Principal Standards":
- Die besondere Bedeutung der IEC Guides 104 und 108 wurde von allen Diskussionsteilnehmern unterstrichen. Die Bedeutung dieser beiden Guides im Normungssystem darf nicht geschmälert werden.
- Auch das Advisory Committee on Safety (ACOS) der IEC wird sich auf seiner nächsten Sitzung mit dem System der "Principal Standards" auseinander setzen.
- Die derzeit vorliegende Vorschlagsliste für die "Principal Standards" wird abgelehnt, da die Sicherheitsgrundnormen nicht ausreichend berücksichtigt werden, hingegen aber z. B. Alterungsprüfungen für Komponenten eingeführt würden, die zu erheblich höheren Prüfzeiten führen.
Workshop:
Systemaspekte in der Normung
Die Tagungsteilnehmer formulierten Anregungen für die zukünftige Ausrichtung der DKE-Arbeit und diskutierten die unterschiedlichen Aspekte bei der Normung von Systemen.
Die Ergebnisse des Workshops wurden - wie auf der Tagung zugesagt - von der DKE-Geschäftsstelle zusammengefasst. Diese Zusammenfassung kann als PDF-Datei heruntergeladen werden.
Zusammenfassend wurden Ergebnisse zu folgenden Punkten erarbeitet:
- Stärkere Berücksichtigung der Systemaspekte auch in der Normung?
In welchem Bereich ist Bedarf?
- Bewertung der aktuellen Zusammenarbeit zwischen System-TC und Produkt-TC
- Empfehlungen für eine bessere Zusammenarbeit
WS-Ergebnisse

Schlusswort des DKE-Vorsitzenden
In seinem Schlusswort bedankte sich Herr Harting bei den Vortragenden für ihr Engagement und ihre Vorbereitungen, den Tagungsteilnehmern für ihre rege Beteiligung an den Diskussionen und dem Workshop und den Mitarbeitern der DKE-Geschäftsstelle für die Organisation der Tagung. Er betonte, dass die Ergebnisse aus den Diskussionsrunden und dem Workshop aufbereitet und als Anregung für weitere Verbesserungen der DKE-Arbeit genutzt werden.
