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Skip Navigation LinksDKE-Startseite Wir über uns Mitteilungen der DKE-Geschäftsstelle 2007 und früher Bericht über die 64. Generalversammlung der IEC in Stockholm (Schweden)

Mitteilungen der DKE-Geschäftsstelle 

Bericht über die 64. Generalversammlung der IEC 

in Stockholm (Schweden) 11. bis 22. September 2000

 

Allgemeines

1.075 Delegierte nahmen an der 64. Generalversammlung der IEC vom 11. bis 22. September 2000 in Stockholm teil und vertraten dort 50 der nunmehr 65 Mitgliedsländer (50 Vollmitglieder, 8 assoziierte Mitglieder und 7 "Affiliates") der IEC. Das im Herzen Stockholms gelegene Tagungszentrum "Norra Latin" vereinte alle Sitzungen der Technischen Komitees und der Lenkungsgremien unter einem Dach und bot vorzügliche Arbeitsbedingungen. Schweden hat eine gute Tradition als Gastgeber der IEC, denn nach 1930, 1948, 1958 und 1980 war dies bereits die fünfte Veranstaltung dieser Art in Stockholm. Im gewissen Sinne kann es auch die letzte Veranstaltung dieser Art gewesen sein, denn die Dauer der Generalversammlung soll zukünftig von zwei Wochen auf eine Woche verkürzt werden. Dies läuft auf eine deutliche Verminderung der Anzahl der während der Generalversammlung tagenden Technischen Komitees hinaus. Ob sich diese Entwicklung nachteilig auf die enge Zusammenarbeit zwischen den technischen Gremien der IEC und ihren Lenkungsgremien auswirken wird, muss die Zukunft zeigen.

Mit je 102 Teilnehmern stellten die USA und Deutschland die stärksten Delegationen, gefolgt von Japan mit 93, Großbritannien mit 82, Frankreich mit 72 und Italien mit 60 Teilnehmern. Damit wird wohl auch ganz gut das Engagement in der weltweiten elektrotechnischen Normung widergespiegelt. Obwohl die großen Industrieländer weiterhin die tragenden Säulen der IEC-Arbeit bilden, bemüht sich die IEC seit einigen Jahren intensiv und nicht ohne Erfolg um eine Erweiterung ihrer Mitgliedschaft. Auch wenn man von der Mitgliederzahl der ISO - gegenwärtig 157 - noch weit entfernt ist und große Teile Lateinamerikas und Afrikas für die IEC noch weiße Flecken darstellen, wurden mit dem Status der assoziierten Mitgliedschaft und dem der Affiliate-Mitgliedschaft die Voraussetzungen für eine deutliche Erweiterung in den nächsten Jahren geschaffen.

Neben 34 Technischen Komitees und Unterkomitees und 36 Arbeitsgruppen tagten in Stockholm auch alle Lenkungsgremien der IEC (Rat, Ratsausschuss, Exekutivkomitee, Aktionskomitee, Konformitätsbewertungsausschuss). Das Programm wurde mit einem Workshop für TC/SC-Vorsitzende und -Sekretäre und einer Reihe von technischen Exkursionen abgerundet.

Auf der 64. Generalversammlung wurden wichtige Personalentscheidungen getroffen. Wie erwartet wurde Dr. Sei-chi Takayanagi (Japan) zum "President Elect" gewählt. Er wird den IEC-Präsidenten Mathias Fünfschilling (Schweiz) am 01.01.2002 in seinem Amt ablösen. Als Vizepräsident und Vorsitzender des Konformitätsbewertungsausschusses wurde Dr. Clif Johnston (Südafrika) für eine zweijährige Amtsperiode wiedergewählt. Da auch Robert Denoble (Frankreich) als Vizepräsident und Vorsitzender des Aktionskomitees für ein weiteres Jahr im Amt bestätigt wurde, ist eine Staffelung der Amtszeiten der Vizepräsidenten und damit eine höhere Kontinuität in der Führungsebene der IEC gewährleistet.

Die 65. Generalversammlung der IEC wird vom 14. bis 20. Oktober 2001 in Florenz (Italien) durchgeführt werden.

Im nachfolgenden Bericht werden die wesentlichen Ergebnisse der Beratungen der Lenkungsgremien in der zeitlichen Reihenfolge ihrer Sitzungen abgehandelt. Einzelschriftstücke, die offiziellen Tagungsberichte und der genaue Wortlaut der Resolutionen liegen in der DKE-Geschäftsstelle vor und können bei Bedarf angefordert werden. Über die Ergebnisse der Sitzungen der Technischen Komitees und Unterkomitees werden gesonderte Berichte veröffentlicht. 

 

Sitzung des Konformitätsbewertungsauschusses (Conformity Assessment Board - CAB) am 13. September

Der Konformitätsbewertungsauschuss tagte unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten C. Johnston (Südafrika). Folgende Punkte waren unter anderem Gegenstand der Beratung und Beschlussfassung:

Akzeptanz der IEC-Konformitätsbewertungssysteme

Zur Überprüfung der Marktakzeptanz der drei existierenden IEC-Konformitätsbewertungssysteme hat eine CAB-Arbeitsgruppe einen Fragebogen entwickelt, der zunächst von den im CAB vertretenen Nationalen Komitees unter Einbindung ihrer betroffenen nationalen Kreise erprobt wurde. Die hieraus gewonnenen Erfahrungen werden zunächst in die Überarbeitung des Fragebogens einfließen, bevor die Befragung in Kürze auf alle Mitgliedsländer der IEC und ausgewählte weitere wirtschaftlich bedeutende Nicht-IEC-Mitgliedsländer ausgedehnt wird.

Anschließend wird eine Arbeitsgruppe alle Antworten analysieren, um Maßnahmen zur stärkeren Ausrichtung der IEC-Konformitätsbewertungssysteme an den Marktbedürfnissen zu ergreifen und weitere identifizierte Technologiefelder einzubinden.

Umsetzung des IEC-Masterplans

Im Bereich der Konformitätsbewertung sind insbesondere folgende Aktivitäten zur Umsetzung des vom Rat verabschiedeten neuen IEC-Masterplans vorgesehen:

    • Einbeziehung neuer Publikationsformen (ITA, PAS) in die Konformitätsprüfung;

    • stärkere direkte Einbeziehung der Industrie in die politischen Entscheidungsprozesse;

    • Weiterentwicklung des Konzepts "eine IEC-Norm - eine Prüfung - weltweite Akzeptanz";

    • Akzeptanz der IEC-Konformitätsbewertungssysteme im Rahmen von WTO;

    • flexible Ausweitung der Anwendungsbereiche der bestehenden IEC-Konformitätsbewertungssysteme;

    • Teilnahme von Nicht-IEC-Mitgliedern an den Konformitätsbewertungssystemen.

Das CAB hat eine Arbeitsgruppe damit beauftragt, konkrete Vorschläge zur Umsetzung der Aufgaben aus dem Masterplan bis Anfang des nächsten Jahres zu erarbeiten.

IEC-Prüfzeichen

Das holländische Zertifizierungsinstitut KEMA hat eine Anfrage zur Einführung eines IEC-Prüfzeichens gestellt. Zudem hat auch das IEC-Konformitätsbewertungssystem für explosionsgeschützte elektrische Betriebsmittel (IECEx) für seinen Sektor die Vergabe eines internationalen Prüfzeichens vorgesehen.

Bevor eine solch einschneidende Entscheidung getroffenen wird, soll eine Arbeitsgruppe des IECEE-Systems zunächst die Tragweite untersuchen und dem CAB konkrete Vorschläge unterbreiten.

Teilnahme von Nicht-IEC-Mitgliedern an den Konformitätsbewertungssystemen

Die Globalisierung der Märkte bedingt eine Einbindung der wirtschaftlich bedeutenden Länder in die internationalen Konformitätsbewertungssysteme. Im Bereich des IECEE-Systems möchten vor allem südamerikanische Länder, die noch nicht IEC-Mitglieder sind, rasch an den Konformitätsbewertungsverfahren teilnehmen. IECEE wurde daher gebeten, zügig Kriterien für einen Aufnahmeplan solcher Länder zu erstellen. Besondere Beachtung bedürfen Fragen der finanziellen Beteiligung an den Gesamtkosten und der künftigen Mitgliedschaft in der IEC.

Neue Konformitätsbewertungssysteme

Neben den bisher bestehenden drei Konformitätsbewertungssystemen (für elektrische Betriebsmittel, für Bauelemente der Elektronik und für explosionsgeschützte elektrische Betriebsmittel) sollen mit Windenergieanlagen und Photovoltaiksystemen zwei weitere Aktivitätsfelder erschlossen werden.

Für Windenergieanlagen wurde bereits ein detaillierter Entwurf erarbeitet, der sich derzeitig in der Abstimmung im CAB befindet.

Für Photovoltaikanlagen wurde zunächst eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die einen analogen Vorschlag erstellen soll.

109. Sitzung des Aktionskomitees (Committee of Action - CA) am 14. und 15. September

Ähnlich wie die beiden vorhergehenden CA-Sitzungen des Jahres 2000 verlief die 109. Sitzung des Aktionskomitees in einer sachlichen und konstruktiven Atmosphäre. Der zeitkritische Tagesordnungspunkt 4 "Management of Technical Work" wird inzwischen vom Zentralbüro optimal vorbereitet. Da die Diskussionen zu einzelnen Normungsprojekten ebenfalls sachbezogener geworden sind, ist jetzt eine effiziente und schnelle Entscheidungsfindung an der Tagesordnung. Die Sitzung des Aktionskomitees auf der Generalversammlung 2001 in Florenz soll deshalb auch versuchsweise auf einen Tag verkürzt werden.

Das Aktionskomitee stoppte 2 Normungsprojekte und setzte 9 weitere Projekte in das vorläufige Stadium zurück. 35 Projekte mit mehr als 7 Jahren Laufzeit werden automatisch gestrichen, wenn innerhalb eines Monats keine Reaktion durch das sekretariatsführende Nationale Komitee erfolgt. Da die Kriterien für die Annahme neuer Projekte entgegen eines entsprechenden Antrags unverändert bleiben, geht die Anzahl der laufenden Normungsprojekte in der IEC weiter zurück. Als Ausdruck der Konzentration auf die tatsächlich vom Markt geforderten Normungsvorhaben ist diese Entwicklung ausdrücklich zu begrüßen.

Berichte der Technischen Komitees

Mit der Diskussion der Berichte von weiteren 19 Technischen Komitees erhöhte sich die Anzahl der auf den drei CA-Sitzungen des Jahres 2000 beratenen Berichte auf 54. Diese Berichte stellen die Grundlage für das technische Management der IEC dar, wobei die jeweiligen Strategiepapiere (Strategic Policy Statements) und die Einhaltung der Zieldaten der laufenden Normungsprojekte eine besondere Rolle spielen. Ein häufiges Thema ist auch die genaue Definition und Abgrenzung der Arbeitsgebiete der Technischen Komitees, die aufgrund der ineinanderwachsenden technischen Disziplinen nicht nur zwischen ISO und IEC, sondern auch zwischen den IEC-TC untereinander Schwierigkeiten machen.

Ein Beispiel sind Meinungsunterschiede zwischen IEC/SC 61E "Sicherheit elektrischer Großküchengeräte" und IEC/TC 66 "Sicherheit von Mess-, Steuer-, Regel- und Laborgeräten" über die Zuständigkeit für die Normung von Spülmaschinen mit Desinfektionswirkung. SC 61E beantragte die Erweiterung des Geltungsbereichs seiner Norm IEC 60335-2-58 auf diese Geräte, während TC 66 diese Spülmaschinen für Laborgeräte hält, die in IEC 61010-2-045 genormt sind. Das Aktionskomitee forderte beide Komitees auf, gemeinsam mit dem TC 62 "Elektromedizingeräte" nach einer einvernehmlichen Lösung zu suchen, bevor das CA eine Entscheidung trifft.

Die Kriterien für die Annahme neuer Normungsprojekte wurden vom Aktionskomitee bewusst hoch angesetzt (mindestens 25 % der P-Mitglieder müssen einen Experten zur Mitarbeit benennen), um nur die tatsächlich vom Markt benötigten Projekte aufzunehmen. Auf einigen hochspezialisierten Technikgebieten, wo nur eine sehr begrenzte Anzahl von Herstellern existiert, führt dies zu Schwierigkeiten. Dies betrifft unter anderem das TC 49 "Piezoelektrische Bauelemente zur Frequenzstabilisierung und -selektion" und das TC 93 "Design Automation". Damit diese hochinnovativen Felder der internationalen Normung nicht verloren gehen, beschloss das Aktionskomitee, von Fall zu Fall über Ausnahmen von der allgemeinen Regel über Kriterien zur Annahme von Normungsprojekten zu entscheiden.

Im Vorfeld der Normung werden von der IEC zunehmend öffentlich verfügbare Spezifikationen (IEC-PAS) herausgegeben, die von Konsortien und Institutionen außerhalb der IEC kommen und Ausgangspunkte für zukünftige Internationale Normen bilden sollen. Der Inhalt dieser PAS darf nicht im Widerspruch zu vorhandenen IEC-Normen stehen. Diese Möglichkeit der Verbreitung eigener Spezifikationen wird inzwischen von einigen Organisationen extensiv ausgenutzt. Zum Beispiel wurden vom TC 47 "Halbleiterbauelemente" in einem Monat 35 JEDEC-Spezifikationen als IEC-PAS angenommen (JEDEC ist der "Joint Electric Devices Engineering Council" mit Sitz in Washington). Aus der Sicht des Deutschen Komitees sind zumindest einige dieser Spezifikationen nicht mit Normen des IEC/TC 104 "Umweltbedingungen; Klassifizierung und Prüfungen" vereinbar. Das TC 47 wurde aufgefordert, die PAS in Kooperation mit TC 104 zur Überarbeitung seiner Normen zu nutzen. Es kommt nun darauf an, dass das TC 104 im Zuge dieser Überarbeitung die Zurückziehung der potentiell konfliktbeladenen PAS des TC 47 durchsetzt.

Bearbeitungszeiten für Normungsprojekte

Die dem Aktionskomitee vorgelegte Statistik zeigt eine geringfügige, aber erkennbare Verringerung der Bearbeitungszeiten für Normungsvorhaben in der IEC. Obwohl seit Juni 1999 für 345 Projekte eine Verlängerung der Zieldaten genehmigt wurde, sind noch immer 1/4 aller laufenden Projekte gegenüber den vorgesehenen Zieldaten im Verzug. Diese Zahl stellt gegenüber vorhergehenden Jahren allerdings schon eine Verbesserung dar. Der Anteil der Normungsprojekte, die in weniger als drei Jahren abgeschlossen werden konnten, wächst langsam an, während die Anzahl der länger als sieben Jahre laufenden Projekte deutlich abnimmt.

Harmonisierung der Spezifikationstypen in ISO und IEC

Das Aktionskomitee hat die Technischen Direktoren der ISO und der IEC aufgefordert, einen gemeinsamen Vorschlag zur Harmonisierung der Definitionen der Spezifikationstypen PAS, Technischer Bericht, Technische Spezifikation, ITA (Industry Technical Agreement) auszuarbeiten. Der Technische Direktor der ISO hat bereits seine Zustimmung zur Mitarbeit gegeben. Aus der Sicht des Deutschen Komitees kommt es allerdings nicht nur darauf an, die Definitionen zu vereinheitlichen, sondern auch die Bezeichnungen und Erarbeitungsverfahren. Da gute Hoffnung besteht, dass sich ISO und IEC bald einigen werden, wären parallele europäische Initiativen zur Veränderung von Bezeichnungen, Definitionen oder Verfahren der "New Deliverables" nur kontraproduktiv. Das Einigungsergebnis von ISO und IEC sollte von CEN, CENELEC und ETSI möglichst unverändert übernommen werden.

Weiterbestehen der Sektorboards

Nach dreijähriger Probezeit wurde die Installierung der Sektorboards auf Dauer beschlossen. Die bisherigen Sektorboards "Ausrüstungen für Energieversorgungsanlagen" und "Industrielle Automatisierung" haben ihren Nutzen als Beratergremien des CA nachgewiesen, das Sektorboard "Infrastruktur von Telekommunikationsnetzen" ist noch in der Aufbauphase.

Die Sektorboards sichern den direkten Einfluss der Industrie auf strategische Entscheidungen der IEC-Normung, insbesondere hinsichtlich der Prioritätensetzung, der Erfassung neu entstehender Technologiefelder und der Festlegung von Zeitrahmen für bestimmte Entwicklungen. Sie werden nach Möglichkeit mit leitenden Personen aus dem Marketingsektor der Industrie besetzt. Leider ist der Bekanntheitsgrad der Sektorboards in der Industrie noch gering, was besonders vom US-Komitee bemängelt wurde. Der IEC-Generalsekretär wurde beauftragt, die Öffentlichkeitsarbeit für Sektorboards innerhalb und außerhalb der IEC deutlich zu verstärken.

Neues TC gebildet

Als neues Technisches Komitee wurde das TC 107 "Process Management for Avionics" gebildet, dessen Arbeitsschwerpunkt die Normung spezifischer elektronischer Bauelemente für die Anwendung in der Luftfahrt werden soll. Der Aufgabenbereich des neuen TC ist noch genauer zu definieren, insbesondere auch zu den anderen Bauelementekomitees der IEC und zur ISO. Das Sekretariat des neuen TC wurde mit Stimmenmehrheit Frankreich zugesprochen, als Vorsitzender wurde Lloyd Condra (USA) nominiert.

Zusammenarbeit mit der ISO

Das "ISO/IEC Joint Technical Advisory Board - JTAB", das höchste gemeinsame Entscheidungsgremium zur Aufgabenabgrenzung zwischen ISO und IEC, hat im Jahr 2000 erstmals getagt und Entscheidungen zur Normung von Aggregaten für die unterbrechungsfreie Stromversorgung, zur elektronischen Fotografie, zu aktiven medizinischen Implantaten und zu Alarmsystemen für Straßenfahrzeuge getroffen. Obwohl auf der CA-Sitzung Einwände gegen einige Entscheidungen des JTAB geltend gemacht wurden, beschloss das CA, die Beschlüsse des JTAB nicht erneut in Frage zu stellen.

Weiterhin umstritten ist die Normung von Diodenlasern. Die Normung von Hochleistungs-Laserdioden gehört eindeutig in den Aufgabenbereich von SC 47E "Einzel-Halbleiterbauelemente", während sich für die Normung der Messung und Bewertung der optischen Eigenschaften von Lasern das ISO/TC 172 zuständig fühlt. Das JTAB soll hier auf seiner nächsten Sitzung eine Trennlinie definieren. Weitere Überschneidungen könnten auf den Gebieten der Überwachung und Zustandsdiagnostik von Elektromotoren und bei Brennstoffzellen entstehen. Hier soll im ersten Schritt eine Klärung auf der Ebene der betroffenen Technischen Komitees versucht werden.

 

8. Sitzung des Ratsausschusses (Council Board - CB) am 18. September

Erweiterung der "IEC-Familie"

Im Rahmen der Bemühungen der IEC um eine breitere Mitgliedschaft beschloss der Ratsausschuss die Bildung zweier regionaler Zentren in Südostasien und Nordamerika (neben dem IEC-Zentralbüro in Genf). Damit wird eine bessere regionale Verteilung der IEC-Aktivitäten geschaffen und dem besonders aus den USA zu hörenden Vorwurf entgegengetreten, die IEC sei zu europazentriert. Tatsache ist, dass viele Länder, besonders der südostasiatischen Region, von einer Mitgliedschaft in der IEC durch die hohen Reisekosten bei der Teilnahme an Sitzungen in Europa abgeschreckt werden. Die regionalen Zentren sollen einerseits die Beteiligung solcher Länder an den IEC-Aktivitäten erleichtern und andererseits die nationale Anwendung und Implementierung der IEC-Normen unterstützen. Die letztgenannte Zielstellung ist auch für die europäische Industrie von besonderem Interesse, weil zum Beispiel in Lateinamerika IEC-Normen bisher nur in sehr untergeordnetem Maße angewendet werden.

Der Rat der IEC stimmte auf seiner Sitzung am 20. September 2000 zu, dass die finanziellen Mittel zum Aufbau dieser regionalen Zentren bereitgestellt werden. Natürlich sollen die regionalen Zentren auch dazu dienen, die IEC und ihre Arbeitsergebnisse in den Ländern dieser Regionen besser bekannt zu machen.

Bereitstellung von IEC-Normen in elektronischen Formaten

Der Ratsausschuss bestätigte Vorschläge des Komitees für Verkaufspolitik zur elektronischen Bereitstellung von IEC-Normen an die Nationalen Komitees. Für eine Versuchsperiode von zwei Jahren wird den Nationalen Komitees das Recht eingeräumt, mit Wasserzeichen versehene PDF-formatierte Texte für den internen Gebrauch kostenlos zu vervielfältigen. Den Nationalen Komitees ist es auch gestattet, an ihre nationalen Norm-Entwürfe die mit Wasserzeichen versehenen IEC-Originaltexte anzufügen, ohne dass dafür zusätzliche Kosten von der IEC erhoben werden.

Der Verkauf von IEC-Normen in elektronischem Format bleibt davon unberührt. Die IEC verfügt bereits jetzt über ein vollständiges elektronisches Archiv aller ihrer Normen. Dabei können die einzelnen Ausgaben der IEC-Normen und die zugehörigen Änderungen getrennt oder als konsolidierte Fassung zusammengefasst erworben werden.

Für die deutschen Normenanwender hat der VDE-VERLAG in Berlin einen IEC-Front-Shop eingerichtet, über den diese elektronischen Produkte direkt geliefert werden können.

Globale Relevanz von IEC-Normen

Die auf der Generalversammlung 1999 in Kyoto zu diesem Thema gebildete Arbeitsgruppe des Ratsausschusses unterbreitete einen ersten Zwischenbericht. Wie erwartet haben die bisherigen Untersuchungen einen sehr unterschiedlichen Grad der Implementierung von IEC-Normen durch die nationalen Mitglieder ergeben. Insbesondere über die Frage der Zurückziehung entgegenstehender nationaler Normen gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen. Erste Überlegungen sehen vor, dass in die IEC-Normen zukünftig verstärkt regionale und nationale Besonderheiten aufgenommen werden sollen, um die globale Anwendbarkeit zu verbessern. Eine Auflistung der regionalen Abweichungen in den IEC-Normen führt zu einer höheren Transparenz und wird als ein Impuls verstanden, diese Abweichungen Schritt für Schritt weiter abzubauen. Die IEC-Normen sollen aber nicht zu einer reinen Zusammenstellung aller regionalen und nationalen Abweichungen werden, sondern sollten nur die tatsächlichen Gegebenheiten am Markt deutlicher wiedergeben.

Das Deutsche Komitee ist in der Arbeitsgruppe vertreten und wird sich an der Weiterentwicklung dieser Vorschläge, insbesondere auch unter Berücksichtigung der Festlegungen des WTO/TBT-Abkommens, aktiv beteiligen.

Zusätzliche Rechte für assoziierte Mitglieder

Um die Attraktivität der IEC für neue Mitglieder weiter zu erhöhen, beschloss der Ratsausschuss, assoziierten Mitgliedern die Möglichkeit einzuräumen, als sogenannte O-Mitglieder in den Tech-nischen Komitees und Unterkomitees mitzuarbeiten. Assoziierte Mitglieder erhalten alle IEC-Entwürfe vom CDV-Stadium aufwärts und können Stellungnahmen zu diesen Entwürfen einbringen. Sekretäre von TC/SC können ebenfalls von assoziierten Mitgliedern gestellt werden. Der Mitgliedsbeitrag wird durch diese zusätzlichen Rechte nicht erhöht.

Der bisherige Status eines präassoziierten Mitglieds wird in den Status eines "angeschlossenen Landes (affiliate country)" umgewandelt. Damit soll die gesamte ISO- und ITU-Mitgliedschaft angesprochen werden. Diese Länder sollen ebenfalls alle IEC-Entwürfe ab CDV-Stadium erhalten und dazu Stellungnahmen abgeben können. Sie sollen von der IEC Unterstützung bei der Ausbildung von Normungsfachleuten erhalten. Natürlich werden sie auch vom IEC-Zentralbüro bei der Implementierung Internationaler Normen in ihren Ländern unterstützt. Mit dem Status des "angeschlossenen Landes" ist kein Mitgliedsbeitrag verbunden. Die für diese Aktivitäten erforderlichen Mittel werden aus dem IEC-Haushalt bereitgestellt.

 

Sitzung des Rates (Council) am 20. September

Der Rat ist das höchste Gremium der IEC, in ihm haben alle Vollmitglieder gleichen Sitz und Stimme. Schwerpunkte der Sitzungen des Rates sind die Wahlen wichtiger Funktionsträger sowie Fragen der Mitgliedschaft, der Statuten, der Finanzen und der Beziehungen zu anderen Normungsorganisationen. Traditionell nehmen auch die Präsidenten und Generalsekretäre der ISO und des CENELEC als Gäste an den Ratstagungen teil.

Wahlen

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, wurde S. Takayanagi (Japan) als Nachfolger des amtierenden IEC-Präsidenten M. Fünfschilling gewählt. Takayanagi war langjähriger Direktor des Forschungs- und Entwicklungszentrums der Toshiba Corporation. Unter seiner Leitung wurden unter anderem die Dünnfilmtransistor-LCD (TFT-LCD) und die Digital Versatile Disc (DVD) entwickelt. Takayanagi ist noch als Berater des japanischen Ministeriums für internationalen Handel und Industrie (MITI) und für Toshiba tätig. Er wird das Amt des IEC-Präsidenten am 01.01.2002 antreten.

Als Vizepräsident und Vorsitzender des Konformitätsbewertungsausschusses wurde Johnston (Südafrika) für zwei Jahre und als Vizepräsident und Vorsitzender des Aktionskomitees Denoble (Frankreich) für ein Jahr wiedergewählt. Auf einer nachfolgenden Sitzung des Exekutivkomitees wurde beschlossen, einen dritten Vizepräsidenten zu bestellen, der sich speziell um die Umsetzung des IEC-Masterplans 2000 kümmern soll. Die Nominierung von Kandidaten für dieses Amt läuft derzeit auf dem Schriftwege.

Für die fünf frei werdenden Sitze im Ratsauschuss standen sechs Kandidaten zur Wahl. Gewählt wurden die Vertreter aus Australien, China, Italien, Kanada und Schweden. Das Deutsche Nationale Komitee ist durch I. Rüsch, Vorsitzender des Deutschen Komitees der IEC, im Ratsausschuss vertreten.

Während für das Aktionskomitee in diesem Jahr keine neuen Mitglieder zur Wahl standen, waren für den Konformitätsbewertungsausschuss vier neue Mitglieder zu wählen. Aus sieben zur Wahl stehenden Ländern wurden die Vertreter von China, Großbritannien, Italien und Südafrika in den Ausschuss gewählt. Das Deutsche Komitee hat einen ständigen Sitz im Aktionskomitee, der durch E. Liess als Mitglied und R. Salffner als "Alternate" wahrgenommen wird.

Mit diesen Wahlen wurde eine ausgewogene Repräsentation der in der IEC mitarbeitenden geografischen Regionen erreicht. Allerdings sind die USA mit dem Ausscheiden des bisherigen "Immediate Past President" Bernard Falk nicht mehr in der Führungsspitze der IEC vertreten. Das Deutsche Komitee unterstützt deshalb einen Kandidaten aus dem amerikanischen Raum für die Wahl als dritten Vizepräsidenten.

Mitgliedschaft

Seit der letzten Ratstagung wurden der Iran als Vollmitglied und Kolumbien und Tunesien als assoziierte Mitglieder aufgenommen. Die IEC umfasst damit zur Zeit 50 Vollmitglieder, 8 assoziierte Mitglieder und 7 "Affiliates".

IEC-Masterplan 2000

Nach 1993 und 1996 beschloss der Rat zum dritten Mal ein Grundsatzpapier, das die strategische Ausrichtung der Normungspolitik der IEC für die nächsten Jahre festlegen soll. Die IEC sieht es als ihr Ziel an, als die weltweit anerkannte Organisation für die Ausarbeitung von Normen und für die Bereitstellung von Dienstleistungen zur Konformitätsbewertung zu gelten, die den internationalen Handel auf dem Gebiet der Elektrotechnik, Elektronik und verwandter Technologien bestimmen. Höchste Priorität hat weiterhin die Ausrichtung der Normungsaktivitäten auf die tatsächlichen Bedürfnisse des Marktes. Dabei soll noch stärker als bisher auf die weltweite Anwendbarkeit der IEC-Normen geachtet werden. Die Effizienz und Transparenz aller Abläufe in der IEC soll weiter verbessert werden, wobei der Publizierung neuer Spezifikationstypen (PAS, Technical Specifications, ITA) besondere Bedeutung zukommt. Hinsichtlich ihrer Effizienz sieht sich die IEC im Wettbewerb mit anderen Normungsorganisationen, nicht aber hinsichtlich der Inhalte der publizierten Normen.

Zur Umsetzung dieser Strategie wurden sechs zum Teil sehr ehrgeizige Ziele formuliert, die in den nächsten drei Jahren erreicht werden sollen. So soll zum Beispiel die durchschnittliche Entwickungszeit für ein Normungsprojekt auf die Hälfte reduziert werden. Zur Erreichung dieser Ziele ist eine Vielzahl von Aktivitäten erforderlich, die vom Exekutivkomitee der IEC ausgelöst und überwacht werden sollen. Das Exekutivkomitee will dazu bis zum Ende des Jahres einen detaillierten Aktionsplan erarbeiten.

Die Umsetzung des Masterplans 2000 bildet den Kern der Aktivitäten der IEC-Lenkungsgremien in den nächsten Jahren. Der noch zu wählende dritte Vizepräsident, dessen Hauptaufgabe die Unterstützung des Präsidenten bei der Implementierung des Masterplans sein wird, soll dem Rat auf dessen jährlichen Sitzungen darüber Bericht erstatten.

Finanzen

Die finanzielle Basis der IEC ist weiterhin gesund. Dennoch mussten im Berichtsjahr 1999 vom Generalsekretär einige Ausgabenkürzungen vorgenommen werden, weil der IEC-Reservefonds weniger Zinsen erbrachte als erwartet. Aufgrund der Kürzungen konnte dennoch ein geringer Budgetüberschuss erzielt werden, der auf Beschluss des Rates in den Spezialfonds für IT-Investionen überführt wurde.

Die Mitgliedsbeiträge bleiben weiterhin stabil; aufgrund neu hinzugekommener assoziierter Mitglieder konnten sie sogar im Vergleich zum Vorjahr minimal gesenkt werden. Nach wie vor bilden die Mitgliedsbeiträge der fünf großen Mitgliedsländer Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan und USA mit je 8,5 % der Gesamtbeiträge den wesentlichen Grundstock für den IEC-Haushalt.

Verleihung des "Lord Kelvin Award"

Die höchste Auszeichnung der IEC, der "Lord Kelvin Award", wurde im Jahr 2000 an Georges Goldberg (Schweiz) vergeben. Goldberg übt seit 1983 Funktionen in der IEC aus und war von 1985 bis 1994 Vorsitzender des TC 77 "Elektromagnetische Verträglichkeit" und von 1992 bis 1996 Vorsitzender des Beratungskomitees für elektromagnetische Kompatibilität. Die Bildung des Technischen Komitees 106 "Instrumente und Verfahren zur Messung elektrischer und magnetischer Felder hinsichtlich ihrer Einwirkung auf den Menschen" im Jahre 1999 geht unter anderem auch auf seine Initiative zurück.

Zukünftige IEC-Generalversammlungen

Die Tagungsorte für die Generalversammlungen 2001 (Florenz) und 2002 (Peking) stehen fest. Ebenso liegen bereits Einladungen für die Generalversammlungen 2005 (Südafrika) und 2006 (Großbritannien) vor.