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Mitteilungen der DKE-Geschäftsstelle 

70. IEC-Generalversammlung in Berlin (Deutschland)  

100 Jahre Internationale Elektrotechnische Normung

15.11.2006 


Allgemeines
  

Bereits zum sechsten Mal war das Deutsche Komitee der IEC Gastgeber einer IEC-Generalversammlung. Nach 1913 (Berlin), 1956 (München), 1973 (München), 1986 (Berlin/West) und 1996 (Dresden) war vom 25. bis 30. September das wiedervereinte Berlin der Veranstaltungsort. Die Tatsache, dass die IEC im hundertsten Jahr ihres Bestehens die DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE mit der Ausrichtung der 70. Generalversammlung sowie ihrer 100-Jahr-Feierlichkeiten betraut hat, spiegelt das hohe Ansehen wider, das Deutschland in der internationalen elektrotechnischen Normung genießt. Für den VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik als eines der IEC-Gründungsmitglieder und zugleich juristischer Träger der DKE war diese erst im Sommer 2005 erteilte Aufgabe zugleich Auszeichnung und Ansporn, dem Weltkongress der elektrotechnischen Normung eine adäquate Plattform zu bieten. Das neue Hotel Maritim am Tiergarten, der grünen Lunge Berlins, war hierfür ein ausgezeichneter Tagungsort, weitere Sitzungen der technischen Gremien fanden – zum Teil schon ab dem 18. September 2006 – auch im Hotel NH Berlin-Mitte (Leipziger Straße), im VDE-Haus (Bismarckstraße) sowie in den Räumen des DIN (Burggrafenstraße) statt.

Insgesamt tagten 50 Technische Komitees und Unterkomitees und annähernd 100 Arbeitsgruppen mit 1389 Delegierten. Mit insgesamt 1865 Teilnehmern ist die 70. Generalversammlung die größte Sitzung in der Geschichte der IEC. Nach dem Gastgeber mit 203 Teilnehmern stellten Japan mit 150, die USA mit 145, China mit 102 und Großbritannien mit 100 Teilnehmern die stärksten Delegationen. Von den 66 Mitgliedsländern der IEC (51 Vollmitglieder und 15 assoziierte Mitglieder) waren 62 auf der IEC-Generalversammlung vertreten. Neben den technischen Gremien tagten in Berlin auch alle Lenkungsgremien der IEC (Rat, Ratsausschuss, Exekutivkomitee, Managementausschuss für Normung und Konformitätsbewertungsausschuss).

Als Keynote Speaker der Eröffnungsveranstaltung würdigte Dr. Heinrich von Pierer, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Siemens AG und Innovationsberater der Bundesregierung, die enge Partnerschaft zwischen der IEC und der Industrie. Von Pierer betonte in seiner Rede die wichtige Rolle sowohl von Innovationen wie auch von Normen zur Bewältigung der besonderen Herausforderungen der Globalisierung. Weltweit harmonisierte Normen seien stets ein wertvolles Instrument zur Beseitigung von Handelsbarrieren.

Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt bot einen herausragenden Rahmen für die begeisternde Show der Festveranstaltung „100 Jahre Internationale Elektrotechnische Kommission“. Als Keynote Speaker des Festaktes hob Michael Glos, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, die Bedeutung der internationalen Normung für die Weltwirtschaft hervor. Vor allem die stark exportorientierte deutsche Volkswirtschaft sei dringend auf diese Eintrittskarten für den weltweiten Handel angewiesen und sei daher gut beraten, sich aktiv in der internationalen Normung zu engagieren.

Das Programm der Jubliäums-Generalversammlung wurde mit einer öffentlichen Sitzung des Rates aus Anlass des hundertjährigen Bestehens der IEC abgerundet. Als Gastredner konnte der Direktor der Welthandelsorganisation, Pascal Lamy, gewonnen werden. Aufgrund der aktuellen Probleme der WTO in der sogen. DOHA-Runde konnte Lamy nicht persönlich an der Ratssitzung teilnehmen, er wurde jedoch per Videokonferenz zugeschaltet. Gerade die derzeitigen Schwierigkeiten der politischen Ebene, Fortschritte bei der Reduzierung tarifärer Handelshemmnisse zu erzielen, demonstrieren eindrucksvoll die große Bedeutung der Internationalen Normungsorganisationen, mit freiwillig vereinbarten technischen Festlegungen zur Schaffung fairer Marktzugangsbedingungen beizutragen, so die Botschaft von Lamy.

Im nachfolgenden Bericht werden die wesentlichen Ergebnisse der Beratungen der Lenkungsgremien in der zeitlichen Reihenfolge ihrer Sitzungen abgehandelt. Über die Ergebnisse der Sitzungen der Technischen Komitees und Unterkomitees werden gesonderte Berichte veröffentlicht.


Keynote Speaker Dr. Heinrich von Pierer, Siemens AG, spricht zu den Gästen der Eröffnungszeremonie


Bundesminister für Wirtschaft und Technologie Michael Glos bei seiner Festansprache zur 100-Jahr-Feier

 

Sitzung des Managementausschusses für Normung (Standardization Management Board - SMB) am 25. September 2006

Der Managementausschuss für Normung ist das höchste technische Lenkungsgremium der IEC. Ihm gehören fünfzehn vom Rat gewählte Mitgliedsländer an, wobei die fünf so genannten „Gruppe A-Länder“, darunter Deutschland, einen ständigen Sitz inne haben. Das SMB tagt jährlich drei Mal.

Berichte der Technischen Komitees

Die Technischen Komitees haben nach jeder Sitzung dem SMB einen Bericht vorzulegen und dabei ihr aktualisiertes Arbeitsprogramm und ihr Strategiekonzept (Strategic Policy Statement – SPS) bestätigen zu lassen. Seit der letzten Generalversammlung wurden auf diese Weise insgesamt 65 Berichte geprüft. Die Qualität dieser Berichte hat sich in den letzten Jahren entspricht zwischenzeitlich den Erwartungen des SMB, sodass sich das SMB stärker als früher auf die nachfolgenden strategischen Themen konzentrieren kann.

Nanotechnologie-Normung

Nach intensiven Vorarbeiten durch eine SMB-Arbeitsgruppe unter der Leitung von Dr. Norbert Fabricius, Forschungszentrum Karlsruhe GmbH, beschlossen die IEC-Mitglieder einstimmig die Gründung des IEC/TC 113 „Nanotechnologienormung für elektrotechnische und elektronische Produkte und Systeme“. Das Deutsche Komitee der IEC erhielt dabei vom SMB den Zuschlag für die Sekretariatsführung für dieses neue, zukunftsorientierte Normungsgebiet, zum ersten Vorsitzenden ernannte das SMB den US-Amerikaner Kent Whitfield, Underwriters Laboratories Inc. Advanced Technical Services. Bereits Ende 2005 hat die DKE mit dem Komitee 141 „Nanotechnologie“ ein nationales Gremium gegründet, das auch diese neuen IEC-Aktivitäten begleiten wird.

Um eine intensive Abstimmung mit ISO/TC 229 „Nanotechnologies“ sicherzustellen und Doppelarbeiten zu vermeiden, bestätigte das SMB die Vorschläge der SMB-Arbeitsgruppe zur Bildung der erforderlichen Liaisonbeziehungen einschließlich einer gemeinsamen Arbeitsgruppe für grundlegende Terminologiearbeiten.

Systemaspekte in der elektrotechnischen Normung

Die bestehende SMB-Arbeitsgruppe zur Umsetzung des „System Approach“ in der elektrotechnischen Normung hat – unter deutscher Leitung – einen Vortrag mit praktischen Beispielen erstellt, wie die vom SMB festgelegten Grundsätze zur stärkeren Ausrichtung der Normungsprojekte auf Systemaspekte mit Leben erfüllt werden können. Mit diesen Unterlagen sollen die IEC-Gremien im Rahmen ihrer Sitzungen von den Mitarbeiter des Zentralsekretariates geschult werden; sie stehen darüber hinaus auch den Nationalen Komitees für entsprechende Schulungsmaßnahmen zur Verfügung. Des Weiteren beschloss das SMB, die Behandlung des „System Approach“ durch die TC/SC in deren Strategiekonzept (Strategy Policy Statement) zu dokumentieren.

Zeitmanagement

Der Zeitrahmen für die Bearbeitung von Normungsprojekten wurde weiter gestrafft. Alle Vorhaben, die um mehr als vier Monate gegenüber dem Projektplan verzögert sind, werden vom SMB hinsichtlich der Sinnhaftigkeit einer Weiterführung bewertet. Allein auf der Sitzung in Berlin wurden 27 Projekte gestoppt oder auf die sogenannte "preliminary stage" zurückgesetzt. Für Projekte, die länger als 5 Jahre laufen, wird nur in Ausnahmefällen eine Weiterführung genehmigt. Seit 2006 analysiert das SMB auch diejenigen Normvorhaben, die 24 Monate nach Projektaufnahme noch nicht das Stadium „Umfragestufe“ erreicht haben, d.h. wo noch kein Committee Draft for Vote (CDV) vorliegt, und ermahnt die betroffenen Gremien zur Einhaltung der Projektpläne. Sofern sich im Einzelfall abzeichnet, dass die Zeitvorgaben nicht einzuhalten sind, kann das SMB bereits in diesem frühen Stadium geeignete Maßnahmen ergreifen. Die mittlere Bearbeitungszeit von IEC-Normen konnte somit auf 38 Monate gesenkt werden.

Weltweite Anwendbarkeit ("Global Relevance") von IEC-Normen

Bereits auf der Generalversammlung 2003 in Montreal hatte der Ratsausschuss zugelassen, dass unterschiedliche nationale bzw. regionale Anforderungen in IEC-Normen aufgenommen werden, wenn sie klimatisch oder durch nicht veränderbare Unterschiede in der technischen Infrastruktur bedingt sind. Seither bestehen erhebliche Meinungsunterschiede darüber, in welchen Fällen die Aufnahme sogenannter "Essential Differences in Requirements (EDR)" in den normativen Teil von IEC-Normen tatsächlich gerechtfertigt ist. Trotz der Verlängerung der zunächst auf zwei Jahre befristeten Versuchsperiode für dieses Verfahren auf Oktober 2006 konnte noch kein Normungsprojekt mit EDR abgeschlossen werden; bisher wurden lediglich einige wenige Anträge aus dem Bereich „Steckvorrichtungen für Haushalt und Industrie“ beantragt.

Nach intensiven Diskussionen des SMB sowie des Ratsausschusses (CB) wurde einerseits eine teilweise Änderung des Prozedere zur Aufnahme von EDR in IEC-Normen und andererseits die Einsetzung einer Arbeitsgruppe aus Mitgliedern von CB und SMB mit dem Ziel beschlossen, die „Global Relevance“-Politik der IEC neu zu definieren. Die EDR-Thematik ist nur einer von mehreren Gesichtspunkten, die hierbei zu berücksichtigen sind. Ergebnisse soll die Arbeitsgruppe dem Ratsausschuss bis Mitte 2007 vorlegen, dementsprechend wurde die Versuchsperiode noch einmal um zwölf Monate bis Oktober 2007 verlängert. Es bleibt abzuwarten, ob bis dahin eine IEC-Norm mit EDR-Festlegungen fertiggestellt werden kann; neue EDR-Anträge werden in dieser Zeit nicht mehr akzeptiert.

Gemeinsame Sitzung mit Vertretern des ISO Technical Management Board

Auf Vorschlag des Technical Management Board der ISO hat bereits im Februar 2006 eine gemeinsame halbtägige Sitzung von je fünf Vertretern beider Gremien stattgefunden, um ausgewählte beide Seiten interessierende Themen und die Zusammenarbeit zwischen beiden Lenkungsgremien im Allgemeinen zu beraten. Diese Gespräche verliefen in konstruktiver, sachlicher Atmosphäre und sollen bei Bedarf fortgesetzt werden.

Zusammenarbeit mit CENELEC

Die Zusammenarbeit mit der europäischen elektrotechnischen Normungsorganisation verläuft auf der Grundlage des Dresdener Abkommens nahezu reibungslos. Rund 80 % der 2005 von CENELEC veröffentlichten Europäischen Normen sind mit IEC-Normen identisch oder ihnen äquivalent. CENELEC hat seine Verfahren so angepasst, dass auch in Fällen, wo die IEC auf die Veröffentlichung eines FDIS verzichtet und sofort nach der Abstimmung über einen CDV die Internationale Norm veröffentlicht, ohne weitere Abstimmung in CENELEC die zugehörige EN veröffentlicht werden kann.

 

Sitzung des Konformitätsbewertungsausschusses (Conformity Assessment Board - CAB) am 26. September 2005

Der Konformitätsbewertungsausschuss tagte unter dem Vorsitz von IEC-Vizepräsident Don Gray (Australien).

Die IEC bietet folgende drei Konformitätsbewertungssysteme an:

  • IECEE-Verfahren: IEC-System für die Konformitätsprüfung elektrischer Betriebsmittel nach Sicherheitsnormen
  • IECQ-System: IEC-Qualitätsbewertungssystem für Bauelemente der Elektronik
  • IECEx: IEC-System zur Zertifizierung nach Nomen für Geräte für explosionsgefährdete Umgebung.

Alle drei Systeme erfreuen sich hoher Akzeptanz im Markt. Insbesondere das IECEE-System unterstreicht mit allein im letzten Jahr erteilten 40800 Zertifikaten seine Marktbedeutung.

Das Schwerpunktthema lag bei den beabsichtigten Zertifizierungsaktivitäten auf dem Gebiet der gefährdenden Substanzen. Sowohl IECQ als auch IECEE planen Konformitätsbewertungsdienste im internationalen Markt anzubieten. Die europäischen Hersteller, insbesondere die deutschen, stehen diesem Ansinnen skeptisch gegenüber und bezweifeln den Marktbedarf, da bereits mit ISO 9000 und ISO 14000 die notwendigen Werkzeuge zur Verfügung stehen. Aufgrund dieser starken Bedenken wurde bei IECEE zunächst eine Arbeitsgruppe damit beauftragt, den Marktbedarf zu analysieren. IECQ wird in einem Versuchsprogramm die Marktakzeptanz prüfen.

Weitere wesentliche Themen betrafen die engere Zusammenarbeit von IEC mit:

  • den Entwicklungs- und Schwellenländern zur nationalen Implementierung und Nutzung der IEC-Konformitätsbewertungsssteme,
  • IAF (Internationales Akkreditierungs-Forum) und ILAC (Internationales Akkreditierungs-Komitee für Laboratorien). 

 

Sitzung des Ratsausschusses (Council Board - CB) am 27. September 2005

Der Ratsausschuss umfasst den Präsidenten, die beiden Vizepräsidenten, den Schatzmeister, den Generalsekretär und fünfzehn Persönlichkeiten, die von den IEC-Mitgliedern vorgeschlagen werden, aber als unabhängige Funktionsträger und nicht als Vertreter ihrer Nationalen Komitees wirken. Der Ratsausschuss nimmt die Funktion des Rates im Zeitraum zwischen den jährlichen Ratstagungen wahr.

Entsprechend dem an die Ratstagung gegebenen Bericht hat sich das Council Board auf seinen beiden Sitzungen im Jahr 2006 mit den folgenden Hauptthemen beschäftigt.

IEC-Masterplan 2006

Der neue IEC-Masterplan 2006 wurde nach ersten Beratungen auf der letzten Ratssitzung in Kapstadt und anschließenden intensiven Diskussionen von den Mitgliedern im Juni 2006 einstimmig angenommen. Das Exekutivkommitee, bestehend aus dem Präsidenten, den beiden Vizepräsidenten, dem gewählten Präsidenten sowie dem Altpräsidenten, dem Schatzmeister und dem Generalsekretär, ist für die Umsetzung des Masterplanes 2006 verantwortlich. Es hat zu diesem Zweck dem Ratsauschuss den Entwurf für einen Implementierungsplan vorgelegt, der in den nächsten Wochen noch weiter detailliert und präzisiert werden wird.

Der Ratsausschuss beschloss die Einsetzung von zwei Arbeitsgruppen, die sich mit der weiteren Erhöhung der Marktrelevanz von Beiträgen bei der Erarbeitung von IEC-Normen sowie mit der Schaffung neuer Strukturen zur Erstellung von Spezifikationen mit eingeschränktem Konsensgrad (sogen. „third leg“ der IEC) befassen werden.

Prozessmanagement für gefährdende Stoffe (HSPM)

Der Ratsausschuss wies den Beschluss des IECQ, die derzeit als Pilotprogramm laufenden Aktivitäten zum Prozessmanagement für gefährdende Stoffe (HSPM) in ein reguläres IECQ-Programm zu überführen, zurück und forderte das IECQ-Management auf, diese Aktivitäten bis auf weiteres als Pilotprogramm zu betreiben. Die Entscheidung über eine Umwandlung in ein reguläres IECQ-Programm müsse der Konformitätsbewertungsausschuss in Abstimmung mit dem Ratsausschuss treffen.

Diese IECQ-Aktivitäten zielen auf die Einführung eines weiteren Zertifizierungsprogrammes mit entsprechenden Kosten für die Industrie ab. Die deutsche Industrie hat sich bereits im Konformitätsbewertungsausschuss mehrfach eindeutig gegen diese Aktivitäten ausgesprochen. Das Programm bietet der Industrie keinerlei Vorteile, entsprechende Zertifikate sind im Hinblick auf die Erfüllung der Europäischen RoHS-Richtlinie weder erforderlich noch werden sie von den Behörden anerkannt; treibende Kräfte sind einige Prüflaboratorien sowie Consultants, die hier ein neues Geschäftsfeld etablieren möchten.

Regionale Zentren

Die regionale Basis der IEC wird weiter verbreitert und entspricht damit einer Empfehlung der WTO. Neben den bereits bestehenden Zentren in Boston (USA) und Singapur nahm am 01. September 2006 ein weiteres Regionalzentrum in São Paulo (Brasilien) seine Arbeit auf, die offizielle Eröffnung ist für Anfang 2007 vorgesehen. Dieses Zentrum soll in erster Linie den Beitritt südamerikanischer Länder sowie die Anwendung und nationale Übernahme von IEC-Normen fördern, denn von dieser Region sind trotz einer teilweise entwickelten elektrotechnischen Industrie nur Argentinien und Brasilien Vollmitglieder der IEC.

 

Sitzung des Rates (Council - C) am 29. September 2006
 

Der Rat ist das höchste Gremium der IEC, in ihm haben alle Vollmitglieder gleichen Sitz und Stimme. Im Mittelpunkt der Sitzungen des Rates stehen die Wahlen wichtiger Funktionsträger sowie Fragen der Mitgliedschaft, der Statuten, der Finanzen und der Beziehungen zu anderen Normungsorganisationen. Traditionell nehmen auch die Präsidenten und Generalsekretäre der ISO und des CENELEC als Gäste an den Tagungen des IEC-Rates teil.

Centenary Declaration

Auf Empfehlung des Ratsausschusses veröffentlichte der Rat die sogen. „Centenary Declaration“ aus Anlass des hundertjährigen Jubiläums der Internationalen Elektrotechnischen Kommission. Eingedenk der wesentlichen Ziele der IEC bekräftigen die Mitglieder ihren Willen, ihre vertrauensvolle Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung zur Stärkung der internationalen elektrotechnischen Normung zum Wohle des globalisierten Welthandels zu intensivieren. Die Erklärung finden Sie zum Herunterladen beigefügt.


Die deutsche Delegation auf der Ratssitzung: (v. l.)
Enno Liess, VDE-Vorstandsvorsitzender;
Dr.-Ing. Horst Gerlach, ZVEI, stellvertretender Vorsitzender der DKE;
Dietmar Harting, Vize-Präsident des Deutschen Nationalen Komitees und Vorsitzender der DKE;
Heinrich Zimmermann, Sekretär des Deutschen Nationalen Komitees

Mitgliedschaft

Die Mitgliedschaft der IEC hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Durch die Aufnahme von Nigeria und Sri Lanka als assoziierte Mitglieder umfasst die IEC jetzt 51 Vollmitglieder, 15 assoziierte Mitglieder und 71 Länder, die am „affiliates country programme“ teilnehmen. Nach dem Bericht der Weltbank 2005 bestreiten die IEC-Mitgliedsländer 91 % und die Affiliates 4% des Welthandels an elektrotechnischen und elektronischen Erzeugnissen. Die IEC ist somit weltumfassend, allerdings bestehen hinsichtlich der aktiven Mitarbeit weiterhin erhebliche Unterschiede zwischen den Vollmitgliedern und den anderen Mitgliedern.

Wahlen

Die Amtszeit des derzeitigen IEC-Präsidenten, Renzo Tani (IT), endet im Dezember 2007. In Übereinstimmung mit den Statuten der IEC war der Rat daher aufgefordert, in Berlin seinen Nachfolger zu wählen, der 2007 zunächst die Position des President Elect übernimmt und ab 2008 für drei Jahre als Präsident die Geschicke der IEC leiten wird. Die Nationalen Komitees hatten mit dem Kanadier Jaques Régis nur einen einzigen Kandidaten vorgeschlagen, Régis kann auf eine 38-jährige Berufslaufbahn beim kanadischen Energieerzeuger Hydro-Québec zurückblicken, in der er in den verschiedensten Managementfunktionen verantwortlich war. Er ist derzeit Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor der Inversiones Hydro-Québec International Transmisión SudAmerica S.A. und bekleidet daneben eine Reihe weiterer leitender Posten als Vorsitzender bzw. Mitglied des Verwaltungsrates von Unternehmen und Verbänden der Energiewirtschaft.

Für fünf frei werdende Plätze im Ratsausschuss hatten sich acht Kandidaten beworben bzw. wiederbeworben. Die Vertreter Australiens und Italiens wurden für eine zweite Amtszeit wiedergewählt, weiterhin erhielten die Kandidaten aus China, Kanada und Norwegen (anstelle des bisherigen schwedischen Vertreters) die meisten Stimmen. Somit bleibt die regionale Balance im Ratsausschuss unverändert bestehen.

Für die turnusgemäß frei werdenden drei Sitze im SMB bewarben sich vier Länder. Dabei wurden Australien und China wiedergewählt, während Schweden nach einjähriger Pause anstelle von Dänemark erneut in das SMB aufgenommen wurde. Die Wahl Australiens und Chinas ist aufgrund der Bedeutung der elektrotechnischen Industrie dieser Länder sowie im Hinblick auf die regionale Ausgewogenheit der IEC nur logisch.

Auch im CAB waren vier Sitze neu festzulegen, hierfür standen acht Kandidaten zur Verfügung. Gewählt wurden Brasilien, China (Wiederwahl), die Republik Korea und das Vereinigte Königreich (Wiederwahl). Mit der Wahl Brasiliens ist erstmals der südamerikanische Kontinent in einem Lenkungsgremium die IEC vertreten; es ist zu hoffen, dass dies nicht nur der brasilianischen elektrotechnischen Branche, sondern auch der ganzen Region Ansporn für eine noch aktivere Mitarbeit in der IEC sein wird. Die Wahl Koreas spiegelt die gestiegene Bedeutung des asiatischen Wirtschaftsraumes als starker Wettbewerber auf den globalen Märkten wider.

Bericht des Generalsekretärs an den Rat

Der ausführliche Bericht von Generalsekretär Aharon Amit an den Rat über die seit der letzten Generalversammlung erzielten Ergebnisse gibt durch eine Vielzahl von Zahlen und Fakten eine sehr gute Übersicht über den aktuellen Leistungsstand der Organisation für den Zeitraum Oktober 2005 bis September 2006.

Die Anzahl der neu herausgegebenen Normen ist nach einem deutlichen Rückgang im Jahr 2004 mit 452 wieder auf das seit Jahren ungefähr gleiche Niveau gestiegen. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit konnte bei 38 Monaten stabilisiert werden; nur noch 10 % der neu herausgegebenen Normen haben einen Entwicklungszeitraum von mehr als 5 Jahren erfordert.

Die aktivsten Technischen Komitees der IEC waren im Berichtszeitraum TC 86 "Lichtwellenleiter" mit 32, TC 48 „Elektrisch-mechanische Bauelemente und Bauweisen für elektronische Einrichtungen“ mit 29 und TC 61 „Sicherheit elektrischer Geräte für den Hausgebrauch und ähnliche Zwecke“ mit 26 Normen. Das Verhältnis von Neuausgaben bestehender Normen zu neuen Normen ist seit Jahren konstant bei etwa 1:1.

Die Anzahl neuer Normungsprojekte ist gegenüber dem Vorjahr wieder angestiegen (von 140 im Jahr 2004 über 122 im Jahr 2005 auf voraussichtlich 150 im Jahr 2006), hat die Spitzenwerte früherer Jahre jedoch noch nicht erreicht. Das Deutsche Komitee hat hierzu mit 26 neuen Normungsvorschlägen signifikant beigetragen und liegt wie im Vorjahr an der Spitze aller Komitees, gefolgt von den USA und Japan.

Neben den 50 TC-/SC-Sitzungen im Rahmen der Generalversammlung 2006 war das Deutsche Komitee im Berichtszeitraum Gastgeber für weitere fünf Sitzungen von IEC-Gremien und liegt damit hinter den USA und Schweden an dritter Stelle.

Finanzen

Das Budget der IEC ist in den letzten zehn Jahren inflationsbereinigt nahezu konstant geblieben, die Höhe der Mitgliedsbeiträge konnte in diesem Zeitraum um 12 % verringert werden. Die Gesamtausgaben lagen im Jahr 2005 mit 18,7 Millionen Schweizer Franken auf dem Niveau des Vorjahres. Nach wie vor bilden die Beiträge der fünf großen Mitgliedsländer (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, USA) mit je 8,4 % der Gesamtbeiträge den wesentlichen Grundstock für den IEC-Haushalt.

Die IEC konnte ihren Haushalt 2005 mit einem Überschuss von 521 000,00 CHF abschließen. Dieser Betrag wird dem Spezialfonds für Zukunftsinvestitionen zugeführt.

Für das Jahr 2007 werden die Mitgliedsbeiträge für die assoziierten Mitglieder um 13 % gesenkt. Die Summe der Mitgliedsbeiträge sinkt um 3,8%. Aufgrund der Anwendung der Dünner-Formel für die Mitgliedsbeiträge, in der unter anderem das Bruttosozialprodukt und der Verbrauch an elektrischer Energie berücksichtigt werden, ergeben sich für einzelne Nationale Komitees geringfügige Veränderungen.

Lord-Kelvin-Award 2006

Der „Lord-Kelvin-Award" ist die höchste Auszeichnung der IEC für Persönlichkeiten, die sich um die elektrotechnische Normung verdient gemacht haben, aber keine hauptamtlichen Normer sind. Im Jubiläumsjahr der IEC wurde mit Wolfgang Reichelt (Block Transformatoren-Elektronik GmbH, Verden) ein deutscher Preisträger ausgewählt. Nach Karl-Ludwig Orth (1996), Otto Ulrichs (2003) und Hans Nagel (2005) ist Wolfgang Reichelt bereits der vierte Deutsche, der diese Ehrung erhält.

Als Eigentümer und Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens ist Reichelt seit mehr als 23 Jahren persönlich in der Normungsarbeit aktiv. Das besondere Verdienst Reichelts ist sein vielfältiges Engagement, insbesondere den Geschäftsführungen kleinerer und mittelständischer Unternehmen, aber auch auf politischer Ebene, die Bedeutung und die Vorteile der Mitarbeit in den Normungsgremien der IEC zu vermitteln. Er war maßgeblich an der Gründung des IEC/TC 96 „Kleintransformatoren, Drosseln, Stromversorgungen und ähnliche Produkte“ beteiligt, dessen Sekretär er seit 2004 ist, und gilt als einer der Väter der heute gültigen Sicherheitsnormen der Reihe IEC 61558 für Transformatoren, Netzteile und Drosseln.


IEC-Präsident Dr. Renzo Tani überreicht Wolfgang Reichelt den Lord-Kelvin-Award

Die Preisverleihung erfolgte durch IEC-Präsident Tani in einem würdigen Rahmen während der „Centennial Session“ am Nachmittag der Ratssitzung. Reichelt betonte in seiner kurzen Ansprache, dass er diese hohe Auszeichnung auch stellvertretend für seine internationalen und auch nationalen Kollegen entgegennimmt, ohne deren Kooperation die gewürdigten Erfolge nicht möglich geworden wären.

IEC Centenary Challenge

Aus Anlass ihrer 100-Jahrfeier hat die IEC einen Wettbewerb für Akademiker ausgeschrieben, in dem die beste Arbeit über den wirtschaftlichen und sozialen Einfluss Internationaler Normen ausgezeichnet werden soll. Das Bewusstsein der Öffentlichkeit über die gesellschaftliche Bedeutung der internationalen Normung soll damit weiter gefördert werden. Die IEC richtet diesen Wettbewerb in Zusammenarbeit mit IET (Institution of Engineering and Technology [vormals IEE], UK), IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers, USA), dem VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik sowie dem britischen Magazin The Economist aus. Als Juroren konnten vier hervorragende Persönlichkeiten aus Japan, Großbritannien, den USA und Deutschland (Prof. Dr. Wucherer, Siemens AG, München) gewonnen werden.

Der Wettbewerb stieß mit 100 Beitragsanmeldungen aus 35 Ländern auf sehr gute Resonanz und es darf mit großer Spannung erwartet werden, welche Beiträge die Jury im Rahmen der für den 14. Dezember 2006 in London geplanten Feierstunde auszeichnen wird.

Zukünftige IEC-Generalversammlungen

Zur 71. Generalversammlung, die vom 22. bis 27.Oktober 2007 geplant ist, sprach Yves Saulnier, Vorsitzender des Französischen Komitees der IEC, eine herzliche Einladung an alle Delegierten nach Paris aus. Ein kurzer Film gab einen ersten Vorgeschmack auf die Seine-Metropole.

Als Ausrichter der IEC-Generalversammlungen 2008 und 2009 stehen Brasilien bzw. Israel fest. Die USA haben ihre Absicht zur Ausrichtung der Generalversammlung 2010 bestätigt, für 2011 hat Australien seine Einladung angekündigt.