VDE-InSite

Login

Hinweise

Mitteilungen der DKE-Geschäftsstelle 

67. Generalversammlung der IEC  

Bericht über die Versammlung vom 12.10. - 17.10.2003 in Montreal (Kanada)

 

Allgemeines

Kanada war vom 12. bis zum 17. Oktober 2003 zum zweiten Mal in der nunmehr 97-jährigen Geschichte der IEC Gastgeber für eine IEC-Generalversammlung. Wie schon 1985 war das Kongresszentrum im französischsprachigen Montreal der Tagungsort. Im Gegensatz zu Peking 2003, wo eine IEC-Delegation sogar von Chinas Präsident Jiang Zemin empfangen wurde, nahmen die offizielle Politik des Gastgeberlandes und die Presse praktisch keine Notiz von diesem Ereignis.

Insgesamt nahmen rund 1.200 Teilnehmer an der Generalversammlung teil. Die stärksten Delegationen stellten die USA mit 122 und Japan mit 118 Teilnehmern, gefolgt von Kanada (112), Deutschland (85), Frankreich (73) und Großbritannien (58). Von den 51 Vollmitgliedern der IEC waren 48 vertreten, dazu kamen drei assoziierte Mitglieder.

Im Rahmen der Generalversammlung tagten 30 Technische Komitees und Unterkomitees. Leider waren diese Sitzungen häufigen Terminänderungen unterworfen. So kam es vor, dass anreisende Teilnehmer erfuhren, dass ihre Sitzung kurzfristig vorverlegt und bereits beendet sei.

Neben den technischen Gremien tagten in Montreal auch alle Lenkungsgremien der IEC (Rat, Ratsauschuss, Exekutivkomitee, Managementausschuss für Normung und Konformitätsbewertungsausschuss). Das Programm wurde mit einer offenen Sitzung des Rates zum Thema "Die Rolle von IEC-Normen in der Harmonisierung und Regulierung" abgerundet. Zu dieser Panel-Diskussion waren unter anderem der Vorsitzende des Deutschen Komitees der IEC, Prof. Dr. Klaus Wucherer, und Evangelos Vardakas als Vertreter der Europäischen Kommission eingeladen.

Beherrschendes politisches Thema der Generalversammlung waren die anstehenden Wahlen eines neuen Präsidenten und eines neuen Vizepräsidenten und SMB-Vorsitzenden. Erstmalig in der Geschichte der IEC gab es zu beiden Funktionen je zwei Kandidaten. Glücklicherweise blieb die geographische Verteilung der Funktionen durch die Wahl eines Präsidenten aus Europa und eines Vizepräsidenten aus Nordamerika weiterhin erhalten.

Die 68. IEC-Generalversammlung wird vom 17. bis zum 22. Oktober 2004 in Seoul (Südkorea) stattfinden.

Im den nachfolgenden Berichten werden die wesentlichen Ergebnisse der Beratungen der Lenkungsgremien in der zeitlichen Reihenfolge ihrer Sitzungen abgehandelt. Einzelschriftstücke, die offiziellen Tagungsberichte und der genaue Wortlaut der Beschlüsse liegen der DKE-Geschäftsstelle vor und können bei Bedarf angefordert werden. Über die Ergebnisse der Sitzungen der Technischen Komitees und Unterkomitees werden gesonderte Berichte veröffentlicht.

 

Sitzung des Managementausschusses für Normung (Standardization Management Board - SMB) am 13. Oktober 2003

Das Standardization Management Board ist das höchste technische Lenkungsgremium der IEC. Ihm gehören fünfzehn vom Rat gewählte Mitgliedsländer an, wobei die so genannten "Gruppe A-Länder", darunter Deutschland, einen ständigen Sitz innehaben.

Die Sitzung wurde zum letzten Mal von Robert Denoble (Frankreich) geleitet, der nach insgesamt sechsjähriger Amtszeit aus dem Amt des Vorsitzenden des SMB ausscheidet. Er wurde mit großem Beifall verabschiedet. Sein Nachfolger für die nächste dreijährige Amtsperiode ist Frank Kitzantides (USA). Der Technische Direktor der IEC, Jean-Pierre Brotons-Dias, geht nach 21 jähriger Tätigkeit als Sekretär des SMB in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Raymond Cordelier.

Neben der üblichen Bewertung der Berichte Technischer Komitees und der Entscheidungsfindung zu verspäteten Normungsprojekten standen diesmal auch Fragen der Zusammenarbeit mit CENELEC, IEEE und ETSI im Mittelpunkt der Sitzung.

Hervorzuheben ist der Beschluss des SMB, die maximale Laufzeit von Normungsprojekten von bisher sechs Jahren auf fünf Jahre zu verkürzen. Erst im vergangenen Jahr war die maximale Laufzeit von sieben auf sechs Jahre verkürzt worden. Die IEC gibt damit wieder die gleichen Grenzwerte für die Bearbeitung von Normungsvorhaben vor wie die ISO.

Berichte der Technischen Komitees an das SMB

Nach jeder Sitzung haben die Technischen Komitees der IEC dem SMB Bericht zu erstatten und dabei ihr aktualisiertes Arbeitsprogramm und ihr Strategiekonzept (Strategic Policy Statement - SPS) zur Bestätigung vorzulegen. Auf den drei SMB-Sitzungen des Jahres 2003 wurden insgesamt Berichte von 57 Komitees diskutiert, wobei die Einhaltung der Solltermine bei den laufenden Normungsprojekten eine besondere Rolle spielt. Die Anzahl verspäteter Normungsprojekte, für die von den Technischen Komitees eine Verlängerung der Solltermine beantragt wurde, ist in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen (von 590 im Jahr 1998 auf voraussichtlich weniger als 200 im Jahr 2003). Das SMB ist auch insofern konsequenter geworden, als es im Jahr 2003 ein Drittel aller verspäteten Normungsprojekte aus dem Arbeitsprogramm gestrichen hat. Derzeit werden bereits mehr als 50 % der Normen in weniger als drei Jahren erstellt.

Ein häufiges Thema ist auch die Abgrenzung der Arbeitsgebiete zwischen Technischen Komitees der IEC, während es hinsichtlich der Aufgabenabgrenzung zu ISO-Komitees wie schon in den beiden vorhergehenden Jahren keine Schwierigkeiten gegeben hat.

Maximale Bearbeitungszeiten für Normungsprojekte

Auf der IEC-Generalversammlung 2000 in Stockholm war beschlossen worden, dass Normungsprojekte, deren Laufzeit sieben Jahre überschreitet, automatisch auf das vorläufige Bearbeitungsstadium zurückgesetzt werden und ihre Marktrelevanz vor der Wiederaufnahme erneut bewertet wird. 2002 in Peking wurde dieses Limit auf sechs Jahre verkürzt. Nunmehr beschloss das SMB, die maximale Laufzeit auf fünf Jahre zu beschränken. Der Beschluss tritt im Oktober 2004 in Kraft, um den Komitees Gelegenheit zu geben, die vor dieser Grenze stehenden Projekte noch rechtzeitig abzuschließen. Dieser Beschluss wurde einstimmig gefasst, allerdings haben mehrere Nationale Komitees angekündigt, dass sie mit einer weiteren pauschalen Reduzierung der maximalen Laufzeit nicht einverstanden sein werden. Dies ist auch die Meinung des Deutschen Komitees. Eine Beschleunigung der Normungsarbeit sollte in Zukunft nicht durch die Verkürzung der Obergrenze, sondern durch ehrgeizige individuelle Zielstellungen für die einzelnen Normungsprojekte erreicht werden.

Steuerung der Anzahl neuer Normungsvorhaben

Die Anzahl der aktiv in der IEC bearbeiteten Normungsprojekte ist von 1.883 im Jahr 1999 kontinuierlich auf 1.362 im Jahr 2003 zurückgegangen. Das Verhältnis von Projekten für neue Normen zu Projekten zur Überarbeitung von Normen ist dabei im Wesentlichen gleich geblieben (ca. 1 zu 1). Es kann davon ausgegangen werden, dass dieser Rückgang im Wesentlichen auf die Eliminierung nicht marktrelevanter Projekte zurückzuführen ist. Arbeitsprogramm und Arbeitskapazität der IEC stehen damit in einem vernünftigen Verhältnis zueinander.

Das Deutsche Komitee hatte bereits vor einem Jahr in Peking darauf hingewiesen, dass der Rückgang der Normungsprojekte wachsam verfolgt werden muss, damit die Anzahl der Projekte nicht hinter den Bedürfnissen des Marktes zurückbleibt. Ein entsprechender Vorschlag des Deutschen Komitees, die Kriterien für die Annahme neuer Normungsprojekte den Verhältnissen in großen Technischen Komitees besser anzupassen, wurde bereits auf der Sitzung des SMB im Februar 2003 angenommen.

 Verhältnis Systemnormung - Produktnormung

Im Zuge einer stärkeren Berücksichtigung des Systemaspekts hat die IEC mit der Neuetablierung des TC 8 "System aspects for electrical energy supply" eine neue Qualität erreicht. Die Einführung des Systemgedankens in der IEC-Normung ist allerdings ein lang währender Prozess, mit dem sich das SMB auch zukünftig beschäftigen muss. Eine ständige Arbeitsgruppe des SMB, in der auch Deutschland vertreten ist, soll diesen Prozess begleiten.

Zusammenarbeit mit CENELEC

Das "Dresdener Abkommen" über die gemeinsame Planung von Normungsvorhaben und die Parallele Abstimmung in CENELEC zur Annahme von IEC-Schriftstücken ist weiterhin die Grundlage der Zusammenarbeit zwischen beiden Organisationen. In umgekehrter Richtung, das heißt bei der Übernahme von Europäischen Normen durch die IEC als Basis für die Ausarbeitung Internationaler Normen, besteht nach CENELEC-Meinung allerdings noch erheblicher "Nachholbedarf". Hier will CENELEC den Hebel bei den von CENELEC-Mitgliedsländern geführten IEC-Sekretariaten ansetzen. Gerade unter dem Gesichtspunkt, dass andere Normungsorganisationen wie IEEE und IPC massiv in die IEC-Normung drängen, ist die Übernahme Europäischer Normen als Internationale Normen für den Marktzugang der europäischen Industrie von großer Bedeutung.

Zusammenarbeit mit IEEE

Wie vor zwei Jahren schon einmal war B. Johnson, Past President of International Standards Programmes des IEEE (Institute of Electrical and Electronic Engineers), zu einer Präsentation eingeladen. Die IEC hat - gegen die deutsche Stimme - mit IEEE ein Abkommen abgeschlossen, nach dem aus IEEE kommende Normen, wenn sie in der IEC als Internationale Normen angenommen worden sind, mit den Logos von IEC und IEEE veröffentlicht werden. Der IEEE-Vertreter kündigte an, dass seine Organisation beabsichtige, in Zukunft eine Vielzahl von IEEE-Normen bei der IEC zur Herausgabe als Doppellogo-Normen einzubringen. Den IEC-Mitgliedern stehen die Verwertungsrechte an solchen Doppellogo-Normen zu, das Copyright verbleibt allerdings bei IEEE. Dies bedeutet aus IEEE-Sicht, dass auch bei Überarbeitungen solcher Normen in der IEC das Doppellogo weiterhin auf der überarbeiteten Fassung bleiben muss. Nach wie vor ist das Verfahren zur Überarbeitung solcher Doppellogo-Normen ungeklärt.

Zusammenarbeit mit ETSI

Das seit 1995 bestehende Abkommen zwischen der IEC und ETSI sieht eine enge Zusammenarbeit auf allen Gebieten vor, die nicht in das Aufgabengebiet von CENELEC fallen. ETSI möchte dieses Abkommen durch ein neues ersetzen, das zumindest aus der Sicht von CENELEC zu weitgehenden Überschneidungen mit CENELEC-Aktivitäten führen würde. Darauf hatte die CENELEC-Generaldirektorin in einem offiziellen Schreiben an den Generalsekretär der IEC hingewiesen.

Das SMB lehnte es ab, den Schiedsrichter zwischen ETSI und CENELEC zu spielen. Die IEC wird das bestehende Abkommen nur dann ändern, wenn zuvor zwischen ETSI und CENELEC eine Einigung über den Inhalt eines neuen Abkommens erzielt worden ist. Der Abkommensentwurf wurde nicht weiter im SMB diskutiert.

 

Sitzung des Konformitätsbewertungsausschusses (Conformity Assessment Board - CAB) am 14. Oktober 2003

Der IEC-Konformitätsbewertungsausschuss tagte unter dem Vorsitz von Don Gray (Australien). Es wurde grundsätzlich beschlossen, ein IEC-Zertifizierungszeichen einzuführen. Durch die maßgebliche Einflussnahme von Deutschland darf das IEC-Zeichen von den drei IEC-Konformitätsbewertungssystemen aus Gründen der Transparenz und Marktrelevanz lediglich unter folgenden Randbedingungen vergeben werden:

  • die relevanten IEC-Normen werden unverändert - ohne nationale Abweichungen - eingehalten,

  • der Marktbedarf wurde individuell für ein IEC-Konformitätsbewertungssystem unter Einbindung der Nationalen Komitees nachgewiesen,

  • der Produktsektor (zum Beispiel Explosionsschutz) muss im Zeichen sichtbar sein,

  • die Zertifizierungsstelle, die das Zeichen vergeben hat, muss im Zeichen selbst sichtbar sein und

  • der Schutz des IEC-Zeichens gegen missbräuchliche Verwendung muss gesichert sein.

Gleichzeitig hat der Konformitätsbewertungsausschuss das Ansinnen eines Produktsektors abgelehnt, ein IEC-Kennzeichen einzuführen, das vom Hersteller auf Basis seiner eigenen Konformitätserklärung auf das Produkt aufgebracht werden kann. Da der Käufer aus dem IEC-Kennzeichen allein nicht beurteilen kann, auf welcher Basis es vom Hersteller verwendet wird, sollten diese Informationen in der dem Produkt beigefügten Herstellererklärung detailliert werden. Als wesentlicher Grund für die Ablehnung dieses Antrages ist zu nennen, dass IEC die Nutzung des Kennzeichens nicht kontrollieren kann und damit missbräuchliche Verwendung zum Schaden des Ansehens der IEC nicht ausgeschlossen werden kann.

Damit zukünftig die IEC stärker Einfluss auf die Normungsarbeit von ISO CASCO nimmt, werden für alle relevanten Themen IEC-Koordinatoren eingesetzt, die den Konformitätsbewertungsausschuss und die Nationalen Komitees auf relevante Entwicklungen frühzeitig hinweisen, damit diese in den Kommentaren und Stellungnahmen zu den Norm-Entwürfen berücksichtig werden.

 

Sitzung des Ratsausschusses (Council Board - CB) am 15. Oktober 2003

Der Ratsausschuss umfasst den Präsidenten, die Vizepräsidenten, den Schatzmeister, den Generalsekretär und fünfzehn Persönlichkeiten, die von den IEC-Mitgliedern vorgeschlagen werden, aber als unabhängige Funktionsträger und nicht als Vertreter ihrer Nationalen Komitees wirken. Der Ratsausschuss nimmt die Funktion des Rates im Zeitraum zwischen den jährlichen Ratstagungen wahr.

Entsprechend dem an die Ratstagung gegebenen Bericht hat sich das CB auf seinen beiden Sitzungen im Jahr 2003 mit folgenden Themen beschäftigt:

Weltweite Anwendbarkeit (Global Relevance) von IEC-Normen

Das Thema, wie nicht veränderbare Unterschiede in den klimatischen Bedingungen und in der elektrotechnischen Infrastruktur durch unterschiedliche Anforderungen in Internationalen Normen berücksichtigt werden können, ohne dabei Handelshemmnisse aufzubauen, beschäftigt die IEC seit nunmehr drei Jahren.

Unterschiedliche Anforderungen werden jetzt zugelassen, aber definierte Kriterien sollen verhindern, dass IEC-Normen zu einer Auflistung der in der Welt angewandten unterschiedlichen technischen Lösungen entarten. In drei Seminaren in Genf, New York/Washington und Yokohama wurden die Vertreter der TC/SC und der Nationalen Komitees mit dem neuen Verfahren vertraut gemacht. Mit der Generalversammlung in Montreal beginnt eine zweijährige Versuchsperiode, an deren Ende über die Zukunft des Verfahrens entschieden werden soll.

Patente und Normen

Die Freihaltung der Normtexte von patentrechtlich geschützten Inhalten wird zu einem zunehmend schwierigen Problem für die IEC. Der Ratsausschuss wird deshalb eine Beratergruppe bilden, die dem Generalsekretär bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite stehen soll. Die Gruppe wird sich im Wesentlichen aus Rechtsexperten zusammensetzen.

Zukunftstechnologien

Das "President's Advisory Committee on future Technology (PACT)" untersucht derzeit die Notwendigkeit der Ausarbeitung von Normen auf folgenden Gebieten:

  • bleifreies Löten,

  • die Einbindung von Konsortien aus der Mobilfunkindustrie in die IEC-Normung,

  • "Phototonik" (Nutzung von Licht für industrielle Zwecke) in der Kommunikation.


Produkte (deliverables) im Vorfeld der Normung

Der Ratsausschuss beschloss, die Zusatzbezeichnung "Pre-Standard" auf der Titelseite von PAS und Technischen Spezifikationen der IEC zuzulassen. Offensichtlich gibt es in vielen Ländern das Bedürfnis, das Wort "Standard" in irgend einer Weise auch auf Normungsprodukte anzuwenden, die nicht die Kriterien für eine Norm erfüllen. Das Deutsche Komitee hatte im SMB Bedenken gegen diesen Beschluss angemeldet, weil die Einführung einer zusätzlichen Benennung eher zur Verwirrung beim Anwender führt.

Bereitstellung von Normen des ISO/IEC JTC 1

Der Ratsausschuss definierte Kriterien, nach denen Publikationen des ISO/IEC JTC 1 kostenlos im Internet zur Verfügung gestellt werden können. Falls der Rat der ISO diesen Vorschlägen zustimmt, werden die Kriterien zukünftig auf Publikationen des JTC 1 angewendet. Diese Kriterien sind im Wesentlichen:

  • unbedeutender Einfluss auf die Einnahmen aus Verkäufen von JTC 1-Dokumenten,

  • Förderung des Verkaufs anderer JTC 1-Dokumente,

  • Förderung des Bekanntheitsgrades der Arbeiten des JTC 1.

 

Sitzung des Rates (Council) am 17. Oktober 2003

Der Rat ist das höchste Gremium der IEC, in ihm haben alle Vollmitglieder gleichen Sitz und Stimme. Im Mittelpunkt der Sitzungen des Rates stehen die Wahlen wichtiger Funktionsträger sowie Fragen der Mitgliedschaft, der Statuten, der Finanzen und der Beziehungen zu anderen Normungsorganisationen. Traditionell nehmen nach Möglichkeit auch die Präsidenten und Generalsekretäre der ISO und des CENELEC als Gäste an den Tagungen des IEC-Rates teil.

Mitgliedschaft

Gegenüber dem Vorjahr ist insofern eine Änderung eingetreten, als die Philippinen wegen mangelnder Beitragszahlung suspendiert worden sind. Die IEC-Mitgliedschaft beläuft sich damit auf 51 Vollmitglieder, 11 assoziierte Mitglieder und 65 Länder, die am "Affiliates Country Programme" teilnehmen. Die Mitgliederzahl der IEC ist damit auf 127 Länder angewachsen. Die IEC ist somit weltumfassend, allerdings bestehen hinsichtlich der aktiven Mitarbeit noch erhebliche Unterschiede zwischen den Vollmitgliedern und den anderen Mitgliedern.

Die Rechte der assoziierten Mitglieder wurden erweitert, diese Länder haben jetzt volles Stimmrecht in vier Technischen Komitees oder Unterkomitees ihrer Wahl.

Wahlen

Um die in den Statuten der IEC vorgegebene geographische Verteilung der Führungspositionen zu sichern, werden die Kandidaturen nach Möglichkeit im Vorfeld der Generalversammlung abgestimmt und die jeweiligen Kandidaten per Akklamation gewählt. In Montreal hingegen gab es die erstmalige Konstellation, dass sich sowohl für das Amt des Präsidenten als auch für das Amt des Vizepräsidenten und Vorsitzenden des SMB je ein Kandidat aus Europa und aus Nordamerika zur Verfügung stellten. In der geheimen Wahl setzte sich für das Amt des Präsidenten Dr. Renzo Tani (Italien) gegen Tony Flood (Kanada) durch. Tani war bis 2001 Direktor (Country Manager) von Siemens Italien und ist derzeit Präsident von Siemens Finanziaria (Italien).

Als Vizepräsident und Vorsitzenden des SMB wurde Frank Kitzantides (USA) gewählt. Sein Gegenkandidat war Peter Schildge (Deutschland), der Vorsitzende des Sektorboards 1 "Electricity transmission and distribution". Kitzantides ist Vizepräsident des Nationalen Komitees der USA und vertritt die USA seit mehr als fünfzehn Jahren im SMB.

Die geographische Verteilung der Führungspositionen ist damit für die nächsten drei Jahre sichergestellt (Präsident: Tani (Italien), Immediate Past President: Takayanagi (Japan), Vizepräsident und Vorsitzender des SMB: Kitzantides (USA), Vizepräsident und Vorsitzender des CAB: Gray (Australien), Schatzmeister: Fünfschilling (Schweiz), Generalsekretär: Amit (Israel)).

Die fünf Mitglieder des Ratsausschusses, deren Amtszeit turnusgemäß nach drei Jahren ablief, wurden für eine neue Amtsperiode wiedergewählt. Deutschland ist im Ratsausschuss durch Dr. Horst Gerlach, Stellvertretender Vorsitzender der DKE, vertreten.

Für die turnusgemäß frei werdenden drei Sitze im SMB bewarben sich sechs Länder. Dabei wurden Australien und China wiedergewählt, während für Kanada Dänemark in das SMB aufgenommen wurde. Neun der fünfzehn SMB-Mitgliedsländer sind damit auch gleichzeitig CENELEC-Mitglieder.

Bericht des Generalsekretärs an den Rat

Der Generalsekretär konzentrierte sich in seinem Bericht auf Zahlen und Fakten zum Leistungsnachweis der IEC bei der Ausarbeitung Internationaler Normen. Hier lassen sich in der Tat signifikante Verbesserungen gegenüber den Vorjahren nachweisen. 53 % aller im Berichtsjahr fertig gestellten Normungsprojekte wurden innerhalb von drei Jahren abgeschlossen, 1999 waren dies nur 17 %. Der Anteil von Projekten, die mehr als fünf Jahre Bearbeitungszeit erfordert haben, ist von 46 % im Jahr 1999 auf 26 % im Jahr 2002 zurückgegangen. Auch wenn die durchschnittliche Bearbeitungszeit aller Normungsprojekte als statistische Größe nicht überbewertet werden darf, so zeigt doch der Rückgang von 86 Monaten durchschnittlicher Bearbeitungszeit vor noch zehn Jahren auf jetzt 46 Monate, wie deutlich die Bearbeitungszeit von Normungsprojekten in der IEC abgenommen hat.

Vom September 2002 bis zum August 2003 wurden 541 neue oder überarbeitete IEC-Normen veröffentlicht. Am 31.08.2003 verfügte die IEC damit über 5.145 Normen. Aktivste Komitees waren erneut die TC 61 "Sicherheit elektrischer Geräte für den Hausgebrauch und ähnliche Zwecke" mit 81, TC 86 "Lichtwellenleiter" mit 60 und TC 100 "Audio-, Video- und Multimedia-Systeme und Geräte" mit 26 Normen.

Deutschland nimmt hinsichtlich der Anzahl der Vorschläge für neue Normungsthemen den vierten Platz hinter Frankreich, den USA und Japan ein. Mit sechzehn angenommenen deutschen "New Work Item Proposals" ist die von Deutschland ausgehende Innovationsrate gegenüber dem Vorjahr etwa gleich geblieben.

Mehr und mehr entstehen IEC-Normen, die als Datenbanken strukturiert sind. Datenbank-Normen für Bildzeichen und elektrische Schaltzeichen sind verfügbar, eine Datenbank für Formelzeichen wird eingerichtet. Hinzu kommt die elektronische Version des Internationalen Elektrotechnischen Wörterbuchs (IEV), das auf CD ROM vertrieben wird und dessen Grundlagenkapitel über die IEC-Homepage frei im Internet verfügbar sind. Die durchschnittliche Zugriffsrate auf diese Internet-Seite beträgt 350 Besucher pro Tag.

Finanzen

Das Budget der IEC ist in den letzten zehn Jahren inflationsbereinigt nahezu konstant geblieben. Die Gesamtausgaben der IEC lagen im Jahr 2002 bei rund 20 Mio. Schweizer Franken. Nach wie vor bilden die Beiträge der fünf großen Mitgliedsländer Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan und USA mit je 8,4 % der Gesamtbeiträge den wesentlichen Grundstock für den IEC-Haushalt.

Trotz eines Rückgangs im Verkauf von Normen um 15 % gegenüber dem Vorjahr konnte die IEC ihren Haushalt mit einem Plus von über 200.000 Schweizer Franken abschließen. Die Mehreinnahmen wurden dem Spezialfonds für Zukunftsinvestitionen zugeführt. Mit zusätzlichen Reserven im so genannten Garantiefonds von 5,6 Mio. Schweizer Franken ist die IEC finanziell gesund. Die Mitgliedsbeiträge konnten deshalb erneut gesenkt werden, diesmal um durchschnittlich ein halbes Prozent.

Im Gegensatz zu CENELEC, das sich ausschließlich aus den Mitgliedsbeiträgen finanziert, bestreitet die IEC einen Teil ihres Haushalts (32 %) aus dem Direktverkauf ihrer Normen. Hier zeichnet sich ein potenzieller Interessenkonflikt mit den Nationalen Komitees ab, die natürlich bevorzugt ihre nationalen Implementierungen der Internationalen Normen verkaufen wollen. Das Finanzkomitee der IEC ist beauftragt, die Möglichkeiten für einen gerechten Interessenausgleich auf diesem Gebiet zu untersuchen.

Die Langzeitprognose der IEC über die Entwicklung des Haushalts bis zum Jahr 2008 geht davon aus, dass sich die Anzahl der veröffentlichten Normseiten von 12.000 im Jahr 2003 auf 11.000 Seiten ab 2005 verringern wird. Diese Zahlen sind auch für die Planung der DKE von großem Interesse, weil sich aus ihnen der langfristige Arbeitsbedarf der DKE ableiten lässt.

Lord-Kelvin-Award

Der "Lord-Kelvin-Award" ist die höchste Auszeichnung der IEC für Persönlichkeiten, die sich um die elektrotechnische Normung verdient gemacht haben, aber keine hauptamtlichen Normer sind. Unter sechs nominierten Kandidaten wurde der Preis einzig Otto Ulrichs (Deutschland) zuerkannt, der damit nach Karl Orth 1996 der zweite Deutsche ist, der diese Auszeichnung erhält. Ulrichs ist seit 1995 Vorsitzender des TC 65 "Industrial-process measurement and control", nachdem er bereits seit 1989 als Experte in diesem Komitee tätig war. Als Vorsitzender des TC 65 ist er auch Ex-officio-Mitglied des Sektorboards 3 "Industrial Automation Systems". Neben seiner zusätzlichen Tätigkeit in anderen IEC-Komitees und Unterkomitees hat sich Ulrichs insbesondere Verdienste um die faire Konfliktlösung bei der Normung von Feldbussystemen erworben.

Zukünftige IEC-Generalversammlungen

Die IEC-Generalversammlung 2004 findet in Seoul (Südkorea) statt. Bereits jetzt liegen Einladungen für die Generalversammlung 2005 (Südafrika), 2006 (Großbritannien) und 2007 (Frankreich) vor. Da nach zwei aufeinander folgenden Generalversammlungen in Europa die nächsten Generalversammlungen voraussichtlich an außereuropäische Länder vergeben werden, käme Deutschland als Ausrichter frühestens erst wieder ab 2010 in Frage.