Bereits vor der Veröffentlichung der neuen Normen der Reihe DIN EN 62305 im November 2006 hat das für diese Normen zuständige Komitee DKE/K 251 „Blitzschutzanlagen und Blitzschutzbauteile“ beschlossen, ergänzende Informationen und Bilddarstellungen, sowie neue Erkenntnisse, die sich aus der Anwendung der Vornormen ergeben haben, in informativen Beiblättern thematisch zu ordnen, zusammenzufassen und zu veröffentlichen. Diese Beiblätter unterstützen die Anwendung dieser Normen.
1) Im Januar 2007 wurden die folgenden Beiblätter veröffentlicht:
DIN EN 62305-2 Bbl 1 (VDE 0185-305-2 Bbl 1)
Blitzschutz – Teil 2: Risiko-Management: Abschätzung des Schadensrisikos für bauliche Anlagen – Beiblatt 1: Blitzgefährdung in Deutschland
Dieses Beiblatt ergänzt DIN EN 62305-2 (VDE 0185-305-2):2006-10.
Zur Abschätzung der jährlichen Häufigkeit von gefährlichen Ereignissen in einem Gebiet, in dem sich ein zu schützendes Objekt befindet, benötigt man nach DIN EN 62305-2 (VDE 0185-305-2) einen Wert für die lokale/regionale Erdblitzdichte.
Dieses Beiblatt gibt die Erdblitzdichten in einer farbigen kartographischen Darstellung für die Kfz-Kennzeichengebiete in Deutschland an.

Bild 1 - Blitzdichte in Deutschland (Durchschnitt der Jahre 1999 – 2005)
DIN EN 62305-3 Bbl 1 (VDE 0185-305-3 Bbl 1)
Blitzschutz – Teil 3: Schutz von baulichen Anlagen und Personen – Beiblatt 1: Zusätzliche Informationen zur Anwendung der DIN EN 62305-3 (VDE 0185-305-3)
Ein technisch und wirtschaftlich optimierter Entwurf eines Blitzschutzsystems ist nur möglich, wenn die Schritte während der Planung und Errichtung des Blitzschutzsystems mit den Schritten der Planung und Errichtung der zu schützenden baulichen Anlage abgestimmt sind. Insbesondere empfiehlt es sich, die mögliche Nutzung metallener Elemente der Gebäudestruktur als Teil des Blitzschutzsystems bei der Planung der baulichen Anlage zu berücksichtigen. Bei der Planung eines Blitzschutzsystems für bestehende bauliche Anlagen sind im Einzelfall die besonderen Gegebenheiten vor Ort zu berücksichtigen.

Bild 2 – Planung der Fangeinrichtung
Nur die sorgfältige Planung eines Blitzschutzsystems unter Berücksichtigung aller notwendigen und hinreichenden Informationen, kann zu einer korrekten und vollständigen Ausführung der geplanten Arbeit führen.

Bild 3 – Schutzmaßnahmen gegen Berührungsspannungen
Zu den erforderlichen Planungsunterlagen eines Blitzschutzsystems gehören Zeichnungen und Beschreibungen, aus denen alle wesentlichen Einzelheiten der zu schützenden Anlage und des äußeren und inneren Blitzschutzsystems entnommen werden können.

Bild 4 – Potentialsteuerung durch vermaschtes Erdungssystem
Dieses Beiblatt enthält nützliche Hinweise und Beispiele aus der Praxis des Blitzschutzes, die die Anwendung erleichtern.

Bild 5 – Schutz eines Dachaufbaus durch eine Fangstange
Zur besseren Anpassung an die Norm entsprechen die Abschnittsbezeichnungen in diesem Beiblatt den Abschnittsbezeichnungen der DIN EN 62305-3 (VDE 0185-305-3). Hinzugefügte Unterabschnitte, Tabellen und Bilder haben eine abweichende Nummerierung erhalten.
DIN EN 62305-3 Bbl 2 (VDE 0185-305-3 Bbl 2)
Blitzschutz – Teil 3: Schutz von baulichen Anlagen und Personen – Beiblatt 2: Zusätzliche Informationen für besondere bauliche Anlagen
Dieses Beiblatt berücksichtigt besondere bauliche Anlagen, für die es international keine normativen Vorgaben gibt. Da sich Gebäudetechnik und Gebäudenutzung in den letzten Jahren weiterentwickelt haben, werden auch moderne bauliche Anlagen wie Biogas-, Photovoltaik-Anlagen, etc. berücksichtigt. Beachtung finden auch neuere wissenschaftliche Erkenntnisse z. B. für weich gedeckte Dächer.
Neben allgemeinen Informationen sind auch zusätzliche Angaben zu Anwendungen und Materialien enthalten, die sich bewährt haben.

Bild 6 – Schutz von metallenen Teilen auf der Dachfläche durch getrennte Fangeinrichtungen. Es ist ein Mindestabstand der Weichdächer zu Zweigen von Bäumen einzuhalten.

Bild 7 – Getrennte Fangeinrichtung für eine Photovoltaikanlage einschließlich Überspannungsschutz

Bild 8 – Prinzip des äußeren und inneren Blitzschutzes einer Kirche einschließlich Überspannungsschutz
DIN EN 62305-3 Bbl 3 (VDE 0185-305-3 Bbl 3)
Blitzschutz – Teil 3: Schutz von baulichen Anlagen und Personen – Beiblatt 3: Zusätzliche Informationen für die Prüfung und Wartung von Blitzschutzsystemen
Dieses Beiblatt enthält alle Informationen, die für die Prüfung und Wartung eines Blitzschutzsystems notwendig sind.
Werden von den nationalen Behörden regelmäßige Prüfungen der Installation der elektrischen Energieversorgung der baulichen Anlage vorgeschrieben, sollte das Blitzschutzsystem gleichzeitig geprüft werden.
Blitzschutzsysteme werden bei folgenden Gelegenheiten geprüft:
-
während des Einbringens der Bauteile, die so verdeckt in der baulichen Anlage eingebaut werden, dass sie später unzugänglich werden,
-
nach Beendigung der Installation des Blitzschutzsystems.
Blitzschutzsysteme werden nach Fertigstellung in regelmäßigen Zeitabständen geprüft.
Tabelle – Größte Zeitabstände zwischen den Prüfungen von Blitzschutzsystemen
|
Blitzschutzklasse |
Sichtprüfung (Jahr) |
Umfassende Prüfung (Jahr) |
Umfassende Prüfung kritischer Systeme (Jahr) |
|
I und II |
1 |
2 |
1 |
|
III und IV |
2 |
4 |
1 |
|
Anmerkung Bei Blitzschutzsystemen (LPS) von explosionsgefährdeten Anlagen sollten alle 6 Monate Sichtprüfungen durchgeführt werden. Die messtechnische Prüfung der Installation sollte einmal im Jahr durchgeführt werden.
Um Erkenntnisse der jahreszeitlichen Schwankungen zu erhalten, ist es zulässig im Zyklus von 14 oder 15 Monaten zu messen, um so den Erdübergangswiderstand zu verschiedenen Zeitpunkten im Jahr zu ermitteln. |
Vor einer Prüfung wird der Bestandsschutz der Blitzschutzanlage nach folgenden Kriterien mit dem Betreiber oder dem Eigentümer der baulichen Anlage geklärt:
-
Bestandsschutz hat ein Blitzschutzsystem, wenn es die zum Zeitpunkt der Errichtung geltenden Normen erfüllt.
-
Der Bestandsschutz entfällt, sobald vorschriftswidrige Änderungen am Blitzschutzsystem vorgenommen werden oder äußere Bedingungen sich verändern.

Bild 9 – Entscheidungshilfe zur Beurteilung des Bestandsschutzes von Blitzschutzsystemen
Ein wichtiger Bestandteil der Planungsunterlagen ist die Ausführungszeichnung. Diese ist nach Fertigstellung der Anlage auf Übereinstimmung zu prüfen, gegebenenfalls zu ergänzen und dem Betreiber als Revisionszeichnung (Bestandsplan) zu übergeben.

Bild 10 – Blitzschutzsystem mit Teilringerder und Tiefenerder
2) Im Februar 2007 wurde das folgende Beiblatt veröffentlicht:
DIN EN 62305-2 Bbl 2 (VDE 0185-305-2 Bbl 2)
Blitzschutz — Teil 2: Risiko-Management — Beiblatt 2: Berechnungshilfe zur Abschätzung des Schadensrisikos für bauliche Anlagen
Die Abschätzung des Schadensrisikos nach DIN EN 62305-2 (VDE 0185-305-2):2006-10 erfolgt sowohl für den Schutz von baulichen Anlagen und Personen als auch für elektrische und elektronische Systeme in baulichen Anlagen. Die Risikoanalyse wird dabei zur Bestimmung der Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen, zu ihrer technischen und wirtschaftlichen Optimierung und zur Bestimmung des verbleibenden Risikos bei Einsatz eines Blitzschutzsystems angewandt.
Zur Abschätzung der Risiko-Komponenten und zur Durchführung der Risikoanalyse ist die Eingabe einer großen Anzahl von Parametern und deren Verknüpfung in den Gleichungen der Norm erforderlich. Ohne eine Software-Unterstützung werden diese Berechnungen schwierig und fehleranfällig.
Das Beiblatt bietet auf der Basis einer EXCEL®-Tabellenkalkulation eine geeignete Berechnungshilfe zur besseren Anwendung der DIN EN 62305-2 (VDE 0185-305-2).
Der Nutzen dieser Berechnungshilfe liegt in der stark vereinfachten Erfassung der Parameter und der durch die Tabellenkalkulation selbsttätigen Verknüpfung und gleichzeitigen Berechnung der entsprechenden Gleichungen der Norm. Die Kalkulations-Software bietet die Möglichkeit, schnell und ohne großen Aufwand eine Vielzahl von Varianten bei geplanten und angewandten Schutzkonzepten durchzurechnen und anschließend zu vergleichen.
Voraussetzungen zur Nutzung dieser Berechnungshilfe auf einem PC sind entsprechende Anwendungskenntnisse im Umgang mit Tabellenkalkulationen und eine vorhandene Installation des Microsoft®-Anwendungsprogramms EXCEL®.

Bild 11 – Beispiel für Eingabe- und Berechnungsfelder
3) Ein weiteres Beiblatt ist zurzeit in Vorbereitung und wird voraussichtlich Anfang 2008 veröffentlicht:
DIN EN 62305-3 Bbl 4 (VDE 0185-305-3 Bbl 4)
Blitzschutz – Teil 3: Schutz von baulichen Anlagen und Personen – Beiblatt 4: Verwendung von Metalldächern in Blitzschutzsystemen
Metalldächer können als natürlicher Bestandteil eines Blitzschutzsystems verwendet werden. Dieses Beiblatt enthält zusätzliche Informationen für die Nutzung von Metalldächern als natürlicher Bestandteil eines Blitzschutzsystems nach DIN EN 62305 (VDE 0185-305) und vermittelt Einzelheiten in der praktischen Anwendung von Metalldächern in einem Blitzschutzsystem. Es ergänzt damit die Ausführungen in DIN EN 62305-3 (VDE 0185-305-3), 5.1.3 und E.5.2.5. Die Anwendung dieses Beiblattes muss zwischen den Vertragsparteien gesondert vereinbart werden.
4) Im Zusammenhang mit den Informationen zur Nutzung von Metalldächern als natürlicher Bestandteil eines Blitzschutzsystems wurde eine Vornorm vorbereitet, deren Veröffentlichung ebenfalls Anfang 2008 geplant ist:
DIN V VDE V 0185-600 (VDE V 0185-600)
Blitzschutz – Teil 600: Prüfung der Eignung von beschichteten Metalldächern als natürlicher Bestandteil des Blitzschutzsystems
Diese Vornorm legt die Anforderungen an die Prüfung von Metalldächern als natürliche Bestandteile eines Blitzschutzsystems fest, wenn die Verbindungsstellen der Elemente aus Metallblech keine dauerhaft leitende Verbindung sicherstellen.
Solche Verbindungen entstehen durch loses Einhängen oder Überdecken der Elemente eines Metalldachs. Auch eine Verbindung durch Pressen, Falzen, Klemmen, Bördeln gilt als nicht dauerhaft leitend, wenn die Bleche im Bereich der Verbindung beschichtet sind.
Für die Normen und die Beiblätter zu den Normen ist das K 251 „Blitzschutzanlagen und Blitzschutzbauteile“ der DKE zuständig.
Die Publikationen erhalten Sie beim VDE VERLAG.