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Grundlagen, Werkstoffe 

Internationale Schaltzeichendatenbank 

Dienstleistung für die Produktnormung

03.03.2000 

Produkte, Anlagen und Systeme werden im Zuge der technischen Entwicklung immer komplexer. Gleichzeitig wird von diesen Systemen gefordert, dass sie sicher und einfach zu bedienen sind. Dieses kann nur erfüllt werden, wenn eine geeignete Dokumentation zur Verfügung steht und diese Bestandteil des Produkts oder Systems ist.

Die zunehmende Ausrichtung vieler Unternehmen auf ihre Kerngeschäfte führt zu Outsourcing-Prozessen, sodass vermehrt auf Produkte oder Zulieferteile anderer Hersteller zurückgegriffen wird. Die Dokumente und Produktinformationen stammen daher oft aus verschiedenen Quellen und müssen zu einer Gesamtdokumentation zusammengefügt werden. Einheitlich strukturierte Informationen und genormte Darstellungsregeln sind nicht nur für die Elektrotechnik, sondern für alle Technologien und für den gesamten Lebenszyklus des Produkts, der Anlage oder des Systems erforderlich.

Grundlegende Elemente einer Dokumentation sind graphische Symbole für Schaltpläne (Schaltzeichen), die sprachunabhängig die Funktionalität der einzelnen Betriebsmittel des Produkts darstellen und über ihre gegenseitigen Verbindungen die Wirkungsweise des Produkts beschreiben. International genormte Schaltzeichen tragen einerseits zu effektiven Erstellung von Dokumentationen für Produkte und Anlagen bei, andererseits verbessern sie aufgrund ihrer Unabhängigkeit von den Landessprachen das Verständnis der Dokumentation. Somit unterstützen sie die Erfolgsaussichten des Produkts sowohl im regionalen als auch im globalen Markt.

Besondere Anforderungen an die Normungsarbeit

Die Anforderungen der Produktkomitees zur Normung graphischer Symbole werden vom IEC TC 3 schnellstmöglich umgesetzt. Zudem muss die Normung graphischer Symbole spätestens dann abgeschlossen sein, wenn die Produktnorm mit den Funktionalitäten, die die Symbole darstellen, veröffentlicht wird. Diese bedarfsorientierten Anforderungen führen zu besonderen Verfahren in der Arbeitsweise des IEC TC 3.

Die Normung graphischer Symbole wird nicht nur über New Work Item Proposal initiiert, sondern entsprechend den ISO/IEC-Directives, Part II, Annex F auch von den technischen Komitees oder Unterkomitees der IEC, die einen Bedarf an graphischen Symbolen haben. Das hat zur Folge, dass im IEC TC 3-Arbeitsprogramm Projekte aus zahlreichen und unterschiedlichen Fachbereichen hinzukommen,

    • die nicht der strategischen Planung des IEC TC 3 unterliegen,
    • bei denen der Startpunkt der Arbeiten außerhalb des TC 3-Einflusses liegt und
    • die Erwartung vorhanden ist, dass die Normung der graphischen Symbole abgeschlossen ist, bevor die Publikation des Fachkomitees veröffentlicht wird, für die die graphischen Symbole benötigt werden.

Zur Erfüllung der an das IEC TC 3 gestellten Erwartungen ist

    • eine Arbeitsweise erforderlich, die den vorliegenden Rahmenbedingungen entspricht und
    • eine möglichst kurze Veröffentlichungsfrequenz der Normungsergebnisse des IEC TC 3 notwendig.

Für die IEC TC 3-interne Arbeitsweise wurden daher Verfahren beschlossen, die die normative Bearbeitung der Symbole drastisch verkürzen. Die Verfahren beruhen auf der Nutzung elektronischer Kommunikationsmedien in Verbindung mit einem sogenannten "Validation Team". Das Validation Team ist eine spezielle, für die Bearbeitung graphischer Symbole eingerichtete permanente Gruppe von Experten, die von ihren nationalen Komitees benannt sind und die abgegebenen Vorschläge mittels elektronischer Medien in einem vorgegebenen Zeitrahmen (8 Wochen) prüfen. Ergebnis der Prüfung ist die Entscheidung, ob alle in den ISO/IEC-Direktiven festgelegten Bearbeitungsstufen (CD, CDV, FDIS) durchlaufen werden müssen (z. B. bei Dokumentationssachverhalten, die bisher noch nicht normativ erfasst sind) oder eine verkürzte Prozedur Anwendung findet (z. B. bei Dokumentationssachverhalten, die durch Kombination bereits genormter Symbole oder durch Symbole, die den genormten Dokumentationsregeln entsprechen, abgedeckt sind). Die Bearbeitungszeiten bei der verkürzten Prozedur sind ca. 20 Wochen gegenüber den sonst notwendigen 56 bis 74 Wochen. Diese TC 3-interne Verfahrensweise wurde vom Committee of Action der IEC für einen Versuchszeitraum von 2 Jahren genehmigt.

Relationale Datenbank im Aufbau

Die Anwender der Normen über graphische Symbole lassen sich nicht auf einen technischen Fachbereich oder eine spezielle Anwendergruppe beschränken. Anwender der Normen über graphische Symbole sind vom Konstrukteur bis zum Servicetechniker im Prinzip alle Personen, die innerhalb des Lebenszyklus eines elektrischen Produkts mit diesem in Berührung kommen. Dieses breite Anwenderspektrum fordert einerseits, dass normative Festlegungen zu graphischen Symbolen für einen langen Zeitraum möglichst unverändert bleiben, andererseits sind die hohen Innovationszyklen in bestimmten Techniksegmenten zu berücksichtigen.

Eine zukunftssichere Lösung, die die genannten prozeduralen Anforderungen ebenso wie die Anwendererwartungen gleichermaßen erfüllt, kann durch die Nutzung einer relationalen Datenbank realisiert werden. Der Zugriff auf die Datenbank ist kundenorientiert als Remote-Access-Lösung bereit zu stellen (z.B. über einen weltweiten Internet-Zugang).

Vorteile einer solchen Lösung sind :

    • Ergänzungen des Datenbestands sind unabhängig von thematischen Gesichtspunkten oder Sortierkriterien jederzeit möglich.
    • Unter der Voraussetzung, dass der Inhalt der Datenbank als normativ erklärt wird, ist eine kontinuierlich Ergänzung der Norm unabhängig von verlagstechnischen Vorgaben möglich.
    • Jeder fachbereichsbezogene Auszug aus der Datenbank stellt eine Auswahlnorm oder zumindest ein korrektes Zitat aus der Norm dar.
    • Verabschiedete Ergänzungen sind sofort für jedermann frei zugänglich.
    • In der Datenbank kann themenbezogen eine Verbindung zu Beispielen oder Expertenwissen hinterlegt werden, das in Fachberichten oder anderen nicht normativen Veröffentlichungen zugänglich ist.
    • Relationen zu weiteren Datenbanken mit normativem Inhalt, z. B. Datenelemente sind möglich, so dass die Voraussetzungen für eine rechnerunterstützte Auswertbarkeit elektronisch übertragener Dokumente gegeben ist.
    • Die in der Datenbank enthaltenen normativen Informationselemente können seitens der Anwender über hausinterne einzurichtende Relationen mit nicht normativen Informationen oder weiteren Sprachfassungen ergänzt werden.

Last but not least bietet eine im Internet zugängliche relationale Datenbank über graphische Symbole an jedem Ort der Welt eine Recherchemöglichkeit in allen Informationselementen. Gerade diese Möglichkeit verspricht die Akzeptanz der Norm über graphische Symbole auf eine breitere Basis zu stellen und ein wichtiges Hilfsmittel für alle Anwenderkreise zu sein.

Eine derartige Datenbank befindet sich ausgehend von deutscher Initiative bei der IEC im Aufbau. Der Inhalt der Publikationen IEC 60617 Teil 2 bis Teil 11, d. h. Graphik und zugehörige Informationen wie z. B. Name, Synonyme, Verweis auf Anwendungsregeln, Beispiele für Betriebsmittel, durch die die Funktion realisiert wird, ist entsprechend der Datenbankstruktur in die Datenbank übertragen worden. Zur Zeit findet eine Validierung der eingegebenen Daten statt. Ziel der Validierung ist, dass die mit der Dateneingabe verbundene Strukturierung der in der IEC 60617 enthaltenen Informationen richtig in die Datenbank übertragen worden ist und dadurch keine Informationen verloren gegangen oder Modifikationen vorgenommen worden sind. Nach dem Validierungsprozeß, der in der ersten Hälfte des Jahres 2000 abgeschlossen sein wird, ist sichergestellt, dass der Datenbankinhalt mit dem Inhalt der Norm identisch ist.

Zur Veranschaulichung der im Artikel gemachten Aussagen können Bilder in einer pdf-Datei heruntergeladen werden.