Internationale Normen über technische Dokumentation
Die in der IEC erarbeiteten Normen über technische Dokumentation orientieren sich an den im Folgenden genannten Entwicklungen:
- Dokumentation ist Bestandteil eines Produkts, eines Systems oder einer Anlage
Der Einzelne und die Gesellschaft sind in zunehmendem Maße von komplexen Systemen abhängig. Der Bedarf an Systemen und Anlagen, die sicher und einfach zu betreiben und zu bedienen sind, nimmt zu.
- Dokumente und Informationen aus verschiedenen Quellen müssen zusammengeführt werden
Unternehmen konzentrieren sich auf ihr Kerngeschäft und kaufen Produkte und Subsysteme von ihren Zulieferern. Die vollständige Dokumentation besteht folglich aus mehreren kleineren Einheiten, die ausgetauscht und als Gesamtheit betrachtet werden.
- Multidisziplinäre Umgebung
Komplexe Systeme beinhalten häufig unterschiedliche Technologien: eine davon ist die Elektrotechnik. Dies erfordert technologieübergreifend koordinierte Verfahren und Regeln. Normung ist daher in enger Zusammenarbeit mit ähnlichen Normungsgremien anderer Bereiche zu betreiben.
- Dokumentation erstreckt sich über den gesamte Lebenszyklus eines Produkts, eines Systems oder einer Anlage
Dokumente verknüpfen die einzelnen Abschnitte des Lebenszyklus. Normung richtet den Blick auf die Anforderungen für das Engineering und die Herstellung sowie auf frühere und spätere Abschnitte des Lebenszyklus.
- Informationstechnik verändert Produkte, Systeme und Anlagen
Die Anwendung der Informationstechnik in Anlagen und Einrichtungen fördert die weitere Standardisierung der Verbindungen von Bauteilen, und die herkömmliche Dokumentation von Schaltungen wird erwartungsgemäß an Bedeutung verlieren. Dokumentation auf höherem konzeptionellen Niveau (nicht notwendigerweise auf Elektrotechnik beschränkt) wird jedoch an Bedeutung gewinnen. Elektronische Dokumentation wird in hohem Maße entweder in das Produkt integriert oder über Computernetze zur Verfügung gestellt.
- Informationstechnik verändert den Engineering- und Dokumentationsprozess
Vom rechnerunterstützten Zeichen und der Darstellung des optischen Bildes eines Dokuments hat eine Entwicklung zu äußerst komplexen Datenmodellierungssystemen mit der Speicherung gewonnener Daten in Datenbanken stattgefunden. Ein Dokument wird zu einer Darstellung solcher gespeicherten Daten, welches mittels vordefinierter elektronisch gespeicherter Dokumentenvorlagen generiert wird.
IEC TC 3
Ursprünglich betraut mit der Zuständigkeit für die Normung der Symbole in der IEC, ist TC 3 (Dokumentation und graphische Symbole) nun auch um die Erfüllung der Marktanforderungen bestrebt, die sich aus dem gegenwärtigen Trend ergeben.
Die Arbeit wird im TC 3 - das auch für die neu geschaffene Symboldatenbank und für Schaltzeichen zuständig ist - koordiniert und den drei Unterkomitees zugeordnet.
SC 3B, mit dem Arbeitsgebiet Dokumentation, erstellt Regeln für die Ausführung von Dokumentation, Schaltplänen, Referenzkennzeichnungen sowie die Darstellung von Information unter Berücksichtigung der Anforderungen des elektronischen Datenaustauschs. SC 3C ist zuständig für die Bearbeitung graphischer Symbole auf Betriebsmitteln. SC 3D erarbeitet Datensätze für Bibliotheken, damit Information in computerlesbarer Form verarbeitet werden kann. TC 3 arbeitet auf diesem Gebiet aktiv mit anderen Normungsgremien, insbesondere ISO, zusammen.
Die wichtigsten Publikationen
Anwender können auf die Symboldatenbank zugreifen, deren Inhalt aus den Normen IEC 60617 und 60417 zusammengestellt ist, und Publikationen konsultieren, die einen großen Themenbereich in der technischen Dokumentation abdecken.
- IEC 60617 enthält mehr als 1200 international anerkannte Symbole für Schaltpläne.
- IEC 60417 enthält mehr als 650 international anerkannte graphische Symbole für Betriebsmittel sowie zugehörige Übersichten.
- IEC 61082 enthält Regeln für die Erstellung der am weitesten verbreiteten Dokumente, während IEC 60848 die Sprache GRAFCET für sequentielle Funktionspläne beschreibt.
- IEC 61346 ist eine grundlegende Norm mit Regeln für die Strukturierung technischer Information und entsprechender Kennzeichnungen. Darauf beruhen unter anderem die Publikationen IEC 61175 und IEC 61666.
- IEC 61355 legt die Dokumentenarten fest, die für die Klassifikation und Kennzeichnung von Dokumenten für Anlagen, Systeme und Einrichtungen anzuwenden sind.
Eine Reihe von Normen dienen mehr der Erstellung und Bearbeitung der Dokumentation im Hinblick auf die Computerlesbarkeit von Daten. Dazu gehören:
- IEC 61360 enthält eindeutige Definitionen und Identifikationen zu Angaben über Bauteile
- IEC 61286 enthält einen speziell für Dokumente in der Elektrotechnik entwickelten Zeichensatz.
- IEC 81714 enthält (neben grundlegenden Gestaltungsregeln für graphische Symbole) Angaben über die Verknüpfung technischer Daten mit graphischen Symbolen in CAD-Systemen.
Aktuelle Arbeiten
TC 3 überarbeitet und aktualisiert regelmäßig vorhandene Normen. Zur Zeit sind dies die Publikationen IEC 60617, IEC 60417, IEC 61360 und IEC 61082.
Um den Anforderungen der Industrie nach rascher Aktualisierung und einfachem elektronischen Zugang zu Normen gerecht zu werden, werden derzeit Verfahren zur Erstellung einer Online-Datenbank für Symbole entwickelt. Dies ermöglicht, dass die Normungsarbeit und die Veröffentlichung von Normen "Stück für Stück" über das Internet erfolgen kann.
Neue Themen, die derzeit in der Diskussion sind: Regeln für die Erstellung von Dokumenten wie Benutzerinformation und Teilelisten; Klassifizierung und Codierung von Objekten, Anwendungsrichtlinien für Referenzkennzeichnungssysteme, Klassifizierung und Codierung der Formen elektronischer Bauteile zur Bestückung von Flachbaugruppen.
Im Rahmen einer Gemeinsamen Arbeitsgruppe nimmt IEC TC3 ebenfalls aktiv an der Entwicklung genormter Informationsmodelle für elektrotechnische Systeme und Betriebsmittel in ISO 10303 (STEP) teil: Anwendungsprotokoll AP 210 und AP 212.
Zukünftige Arbeiten
Zu den Projekten, die in Beratung sind, gehören: Metadaten für das Dokumenten-Management; integrierte Software- und Hardware-Dokumentation; Fortsetzung der Arbeit an Definitionen für Datenelementtypen in Zusammenarbeit mit den zuständigen Komitees.