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Basiswissen 

Was ist der Unterschied zwischen VDE-Vorschriften, VDE-Bestimmungen  

13.09.2011 

Mit Herausgabe der ersten Sicherheitsvorschriften für elektrische Starkstromanlagen vor mehr als 100 Jahren wurde der Grundstein für das VDE-Vorschriftenwerk gelegt. Seit dieser Zeit ist im allgemeinen Sprachgebrauch der Begriff VDE-Vorschrift üblich. Jedoch sind auch Begriffe, wie VDE-Normen, VDE-Richtlinien, VDE-Bestimmungen und viele mehr zu hören. Welche Bezeichnung ist nun die richtige und worin besteht der Unterschied?

 

Spektrum des VDE-Vorschriftenwerks

 

Das VDE-Vorschriftenwerk umfasst folgende Publikationen:

VDE-Bestimmungen: Sie stellen den allgemein anerkannten Stand der Technik dar und bilden zur Zeit ihrer Aufstellung einen Maßstab für einwandfreies Handeln.

VDE-Leitlinien: Sie enthalten sicherheitstechnische Festlegungen mit einem im Vergleich zu VDE-Bestimmungen wesentlich erweiterten Ermessensraum für eigenverantwortliches sicherheitstechnisches Handeln. VDE-Leitlinien spielen mit weniger als 1% der Anzahl der Publikationen im VDE-Vorschriftenwerk jedoch nur eine untergeordnete Rolle.

VDE-Vornormen: Sie sind die Ergebnisse von Normungsarbeiten, die wegen bestimmter Vorbehalte zum Inhalt oder wegen eines von VDE-Bestimmungen oder VDE-Leitlinien abweichenden Aufstellungsverfahrens oder mit Rücksicht auf die europäischen Rahmenbedingungen vom VDE nicht als solche gekennzeichnet werden. Eine VDE-Vornorm ist nach spätestens 3 Jahren, danach jährlich, zu überprüfen, ob sie nicht in eine Norm überführt werden kann.

VDE-Anwendungsregeln: Sie sind das Ergebnis von Standardisierungsarbeiten durch DKE-Arbeitsgremien oder anderen Gremien des VDE oder auch durch Übernahme veröffentlichter Arbeitsergebnisse von Institutionen außerhalb des VDE, das Festlegungen mit Empfehlungen für spezielle Anwendungsgebiete zusammenfasst.

Beiblätter: Beiblätter zu VDE-Bestimmungen oder VDE-Leitlinien enthalten Informationen, jedoch keine zusätzlichen Festlegungen mit normativem Charakter.

 

VDE-Vorschriftenwerk und Deutsches Normenwerk

 

Die DKE wurde 1970 mit Vertrag zwischen DIN Deutsches Institut für Normung e.V. und VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. gegründet und fasste die bis dahin getrennten Aktivitäten im DIN (Fachnormenausschuss Elektrotechnik), VDE (VDE-Vorschriftenstelle für Sicherheitsnormung) und die beim VDE angesiedelten Deutschen Komitees für die internationale Mitarbeit in IEC, CENEL und CENELCOM (beide heute CENELEC) und CEE (europäische Sicherheitsnormung) zusammen. Sie ist also in Deutschland die nationale Organisation, die für die elektrotechnische Normungsarbeit sowie die Pflege des VDE-Vorschriftenwerkes zuständig ist. Sie vertritt die deutschen Interessen in IEC, CENELEC und anderen einschlägigen Organisationen. Die DKE ist ein Geschäftsbereich des VDE und zugleich ein Normenausschuss des DIN und damit folglich ein gemeinsames Organ des VDE und des DIN.

Die Arbeitsergebnisse der DKE werden, wie nachstehend erläutert, grundsätzlich als DIN-Normen herausgegeben. Sofern der Sachinhalt der Normen der DKE sicherhaltsrelevante Festlegungen enthält oder EMV-Aspekte behandelt, werden die Normen zusätzlich VDE-klassifiziert, d. h.: mit einer VDE-Klassifikation versehen.

VDE-Bestimmungen und VDE-Leitlinien werden als DIN-Normen in das Deutsche Normenwerk aufgenommen.

VDE-Vornormen werden nicht als "Norm", sondern als "Vornorm" gekennzeichnet. Sie sind daher nicht Bestandteil der Deutschen Normenwerks. VDE-Anwendungsregeln sind keine Normen und als solche nicht Bestandteil des Deutschen Normenwerks. Da Beiblätter keine normativen Festlegungen enthalten, werden sie ebenfalls nicht in das Deutsche Normenwerk übernommen.

 

Welche Bezeichnungen können verwandt werden?
 

Die Normen der DKE mit sicherheitsrelevanten bzw. EMV-spezifischen Festlegungen werden im DIN-Normenwerk als DIN-Normen mit VDE-Klassifikation bezeichnet. Sie können jedoch vereinfacht auch kurz DIN-VDE-Normen genannt werden. Bezieht man sich auf das VDE-Vorschriftenwerk dann sind die Bezeichnungen VDE-Bestimmungen bzw. VDE-Leitlinien zutreffend. Die frühere Bezeichnung VDE-Vorschrift wird nicht mehr verwendet, da das Erstellen von Vorschriften allein dem Gesetzgeber vorbehalten ist.

Aus Gründen der Tradition wird das Gesamtwerk der VDE-Publikationen dennoch weiterhin als VDE-Vorschriftenwerk bezeichnet.

 

Erkennen des Ursprungs
 

Eine wesentliche Voraussetzung für die Realisierung des Europäischen Binnenmarktes war das Beseitigen der nicht-tarifären Handelshemmnisse. In diesem Zusammenhang mussten die unterschiedlichen nationalen technischen Normen harmonisiert werden. Dies geschieht durch einheitliche Europäische Normen, die unverändert als nationale Normen Gültigkeit haben. Der Anteil der rein national durchgeführten Normungsarbeit bewegt sich heute deutlich unter 5 %. Europäische Normen als wesentliches Element zur Verwirklichung des Binnenmarktes beruhen zu über 80 % ebenfalls auf Arbeiten der IEC oder sind mit diesen identisch.

Anmerkung: Die korrekte Bezeichnung der EN ist "Europäische Norm" und nicht "Euronorm" oder "Europanorm". Euronorm betrifft lediglich die alten Stahl-/Eisennormen der früheren Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montan-Union).

Zur leichteren Anwendung des VDE-Vorschriftenwerkes im supranationalen Geschäftsverkehr wird die Ursprungsbezeichnung in den Nummern der nationalen Publikationen mit angegeben, z. B:

    • Übernahme einer Europäischen Norm (EN): DIN EN xyz (VDE 0abc)
    • Übernahme einer Europäischen Technischen Spezifikation DINCLC/TS xyz (VDE V 0abc)
    • Übernahme einer ETS (erstellt von ETSI): DIN ETS xyz (VDE 0abc)
    • Übernahme einer Internationalen Norm (IEC), die nicht als EN europäisch harmonisiert ist: DIN IEC xyz (VDE 0abc)
    • Rein nationale Norm und Übernahme von Harmonisierungsdokumenten (CENELEC): DIN VDE 0xyz (VDE 0abc).

Siehe hierzu auch: „Welchen Regeln folgt die Benummerung von Arbeitsergebnissen der DKE?“.
Für weitergehende Informationen sei an dieser Stelle auf VDE 0022 "Satzung für das Vorschriftenwerk des VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.", Ausgabe August 2008 hingewiesen, die den gesamten Sachverhalt ausführlich darstellt.

 

Verwendete Abkürzungen:

CEE: Commission on Rules for the Approval of Electrical Equipment (jetzt: IECEE:
IEC System for Conformity Testing to Standards of Electrical Equipment)

CENEL: European Committee for the Coordination of Electrotechnical Standards

CENELCOM: European Committee for the Coordination of Electrotechnical Standards in the Common Market Countries

CENELEC: European Committee for Electrotechnical Standardization

ETSI: European Telecommunications Standards Institute

IEC: International Electrotechnical Commission