Zwei Jahre nach Einsetzung des CENELEC/TC 45AX "Leittechnik kerntechnischer Anlagen" sind bereits die ersten drei Europäischen Normen in die nationalen Normenwerke der EU- und EFTA-Staaten zu übernehmen. Die entsprechenden Deutschen Normen sind zum 1. März 2010 erschienen:
DIN EN 60987 (VDE 0491-3-1)
Kernkraftwerke – Leittechnische Systeme mit sicherheitstechnischer Bedeutung – Anforderungen an die Hardware-Auslegung rechnerbasierter Systeme
(IEC 60987:2007, modifiziert); Deutsche Fassung EN 60987:2009
Der Anwendungsbereich dieser Norm deckt die Hardware digitaler Systeme in Systemen der Klassen 1 und 2 ab, wie sie aus den Sicherheitskategorien der von ihnen realisierten Funktionen nach DIN IEC 61513 (VDE 0491-2) abgeleitet werden. Dies umfasst auch verteilte Multiprozessorsysteme und Einzelprozessorsysteme, wobei die Beurteilung und Verwendung vorgefertigter Einheiten (z. B. am Markt erhältliche Produkte) und die Entwicklung neuer Hardware mit eingeschlossen sind.
Bezüglich der Anforderungen zur Qualifizierung wird auf DIN IEC 60780 verwiesen. Für Module, die in der Auslegung eines spezifischen sicherheitstechnisch wichtigen Systems Verwendung finden, können einschlägige und auditierbare Betriebserfahrungen von nuklearen oder anderen Anwendungen in Verbindung mit strengen Qualitätssicherungsprogrammen eine akzeptable Qualifizierungsmethode darstellen, wie in DIN IEC 60780 beschrieben.
DIN EN 60880 (VDE 0491-3-2)
Kernkraftwerke – Leittechnik für Systeme mit sicherheitstechnischer Bedeutung – Softwareaspekte für rechnerbasierte Systeme zur Realisierung von Funktionen der Kategorie A
(IEC 60880:2006); Deutsche Fassung EN 60880:2009
Die Konstruktion softwarebasierter Leittechnik zum Einsatz für die Reaktorsicherheit ist in Bezug auf die zu erfüllenden Sicherheitsanforderungen eine besondere Herausforderung. Die in Kernkraftwerken für sicherheitstechnische Zwecke verwendete Software, deren unterstützte Funktionen oft nur in Notfällen erforderlich sind, muss vor Verwendung im Betrieb vollständig validiert und qualifiziert werden. Um die geforderte hohe Zuverlässigkeit zu erreichen, muss während des gesamten Lebenszyklus von den grundsätzlichen Anforderungen über die verschiedenen Entwicklungsphasen bis zu den Verifizierungs- und Validierungs-Prozeduren für Betrieb und Wartung große Sorgfalt aufgewendet werden.
Ziel dieser Norm ist, die diesbezüglichen Sicherheitsaspekte anzusprechen und Anforderungen zur Erreichung der notwendigen hohen Software-Qualität bereitzustellen. Dabei wird jede Stufe der Software-Entwicklung und Dokumentation angesprochen, einschließlich Anforderungsspezifikation, Auslegung, Realisierung, Verifizierung, Validierung und Betrieb.
DIN EN 62138 (VDE 0491-3-3)
Kernkraftwerke – Leittechnik für Systeme mit sicherheitstechnischer Bedeutung – Softwareaspekte für rechnerbasierte Systeme zur Realisierung von Funktionen der Kategorien B oder C’
(IEC 62138:2004);Deutsche Fassung EN 62138:2009
Diese Norm enthält Anforderungen an die Software rechnerbasierter leittechnischer Systeme zur Ausführung von Funktionen der Kategorien B oder C wie in DIN IEC 61226 (VDE 0491-1) definiert. Sie ergänzt DIN EN 60880 (VDE 0491-3-2), die Anforderungen für die Software rechnerbasierter leittechnischer Systeme bereitstellt, die Funktionen der Kategorie A ausführen.
Zu vier weiteren EN steht die Ratifizierung kurz bevor:
- EN 61226 zur Kategorisierung leittechnischer Funktionen,
- EN 62340 zu Anforderungen zur Beherrschung von Versagen aufgrund gemeinsamer Ursache (CCF),
- EN 60709 zur physikalischen und elektrischen Trennung und
- EN 60964 zur Auslegung von Warten.
Auf Grundlage der RICHTLINIE 2009/71/EURATOM DES RATES vom 25. Juni 2009 über einen Gemeinschaftsrahmen für die nukleare Sicherheit kerntechnischer Anlagen soll eine enge Kooperation zwischen TC 45AX und der EU-Kommission eingerichtet werden.
National zuständig ist das UK 967.1 „Leittechnik für kerntechnische Anlagen“ der DKE.
Die o.g. DIN-EN-Normen können beim VDE VERLAG bezogen werden.