Die Normenreihe DIN EN 62379 Teile 1-6 legt ein Steuerungsgerüst für netzwerkbetriebene audiovisuelle Geräte fest.
Obwohl ursprünglich für Audio über ATM (Asynchronous Transfer Mode) im Hörfunk entwickelt, wurde das Steuerungsgerüst erweitert, um Video und andere zeitkritische Medien sowie andere Netzwerktechnologien und weitere Anwendungen sowohl im professionellen als auch im Endanwenderbereich einzuschließen.
Das Steuerungsgerüst stellt eine Reihe von Schlüsselfunktionen bereit:
- Es sorgt für eine einheitliche Schnittstelle zur Funktionalität einer audiovisuellen Komponente;
- es ermöglicht den Aufbau von Systemen mit echter „Plug&Play“-Funktionalität, indem den Geräten Mittel zur Verfügung gestellt werden, um zu erkennen, welche Komponenten am Netzwerk angeschlossen sind und welche Fähigkeiten diese haben;
- es verbindet getrennte Funktionsbereiche oder ‑blöcke auf einheitliche und strukturierte Art;
- es erlaubt die Erstellung spezialisierter Bausteine, aus denen komplexere Funktionalitäten aufgebaut werden können;
- es stellt sicher, dass neue Funktionalität einheitlich und einfach entwickelt und in das Gerüst integriert werden kann.
Die von einer audiovisuellen Komponente bereitgestellte Funktionalität wird durch einen oder mehrere „Blöcke“ (wie ein Knotenpunktschalter oder eine Verstärkungsregelung) dargestellt, die im Steuerungsgerüst strukturiert und verbunden werden.
Als eine weitere Hilfe für „Plug&Play“-Funktionalität wurde ein gemeinsames Format für über das Netzwerk versandtes Audio und Video festgelegt, um zu vermeiden, dass die Kommunikation zweier Geräte scheitert, weil kein von beiden unterstütztes Format existiert. Natürlich können die Geräte auch andere, für besondere Anwendungen geeignete Formate unterstützen, wobei die Standardmechanismen zum Aufbauen und Beenden der Kommunikation für diese Formate ebenso wirken wie für die Standardformate.
Aufbau der Normenreihe
IEC 62379 umfasst zur Zeit die folgenden Teile:
- Teil 1: Allgemeines
- Teil 2: Audio
- Teil 3: Video
- Teil 4: Daten
- Teil 5: Übertragung über Netzwerke
- Teil 6: Paketübermittlungsdienst
Teil 1 legt die für alle Geräte gemeinsamen Grundlagen fest.
Die Teile 2 bis 4 treffen Festlegungen zur Steuerung interner Funktionen, die spezifisch sind für Geräte, welche die jeweiligen Medientypen übertragen; im Fall von Teil 4 sind dies andere als Audio und Video betreffende zeitkritische Medien, wie RS232- und RS422-Daten für Anwendungen in der Maschinensteuerung oder der Zustand der „Auf Sendung“-Lampe in einem Sendestudio. Teil 4 bezieht sich nicht auf die Paketdaten, wie die Steuernachrichten selbst.
Teil 5 legt die Steuerung der Übertragung dieser Medien individuell für jede Netzwerktechnologie fest, in einem getrennten, untergeordneten Teil für jede Technologie. Er enthält in das Steuerungsgerüst integrierte netzwerkspezifische Verwaltungsschnittstellen zusammen mit netzwerkspezifischen Steuerungselementen. Teil 5-1 schließt ATM-Netzwerke ein. Die Teile 5-2 und fortfolgend enthalten andere Netzwerktechnologien, wie das Internet-Protokoll (IP) und IEEE 1394 (FireWire).
Teil 6 definiert die Beförderung von Steuer- und Zustandsnachrichten sowie von nicht-audiovisuellen Daten über Transporteinrichtungen, die Audio und Video nicht unterstützen, in einem (wie in Teil 5) getrennten, untergeordneten Teil für jede Technologie. Anfangs wird es nur einen untergeordneten Teil 6-1 geben, der die serielle Verbindung RS232 enthält.
Zuständig ist das DKE/K 742 „Audio/Video- und Multimediasysteme, -geräte und -komponenten“.
Die Normen können beim Beuth Verlag bezogen werden.